Integrationskurs

Integrationskurs

ISLAMISCHE GEMEINDE BEMÜHT SICH WEITER UM INTEGRATION

600 Stunden haben 18 Frauen Deutsch gepaukt und danach noch über Demokratie, Geschichte und Marktwirtschaft gelernt. Jetzt ist der erste Integrationskurs in Penzberg zu Ende. Ein zweiter soll folgen.

Penzberg ­ Seit drei Jahren gibt es in Deutschland die staatlich anerkannten Integrationskurse. Neu zugezogene Ausländer, die kein Deutsch sprechen, sind verpflichtet, ihn zu besuchen, um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Andere Ausländer nutzen ihn freiwillig, weil sie im Alltag ohne Deutsch nicht mehr auskommen ­ beim Doktor, beim Einkaufen und bei Behörden. Zu dem Kurs, den die Teilnehmer selbst bezahlen müssen, gehört auch Landeskunde.
Vor einem Jahr begann in Penzberg der erste Integrationskurs für Frauen, angeboten vom Bildungskolleg Weilheim. Sozialpädagogin Nermina Idriz, die zuvor mit ihrem eigenen Deutschkurs im Islamischen Forum an Grenzen gestoßen war, hatte es geschafft, den Kurs nach Penzberg zu holen. Parallel bot sie den meist jungen Müttern eine Betreuung für ihre ein- und zweijährigen Kinder an.
Eine der jungen Frauen im Kurs war die Tunesierin Layla Moenes. „Ohne Deutsch findet man keine Arbeit”, hatte sie ihre Teilnahme begründet. Sie hielt bis zum Ende durch und ist mutig genug, um jetzt selbst einen Kurs anzubieten: einen arabischen Kochkurs, der für alle offen ist.
Allerdings taten sich nicht alle leicht wie Layla Moenes, die bereits Französisch und Englisch spricht. Anderen ging es zu schnell. Nermina Idriz hält es deshalb für sinnvoll, wenn der Integrationskurs, wie von staatlicher Seite geplant, auf 900 Stunden aufgestockt wird: „Manche schaffen es nicht, die deutsche Sprache in 600 Stunden zu lernen.” Dass von den 27 Frauen, die den Kurs vor einem Jahr begonnen haben, am Ende nur 18 übrigblieben, hat aber vor allem einen anderen Grund. Sieben Frauen wurden schwanger.
18 Frauen halten jetzt eine Bescheinigung über den Kursbesuch in der Hand. Einige, so Nermina Idriz, wollen einen zusätzlichen Kurs besuchen, um in Weilheim eine Prüfung für ein Deutsch-Zertifikat abzulegen. Die Frau des Penzberger Imam will ab nächste Woche auch eine offene Konversationsrunde einführen. Beim Plaudern mit deutschen Frauen sollen die Ausländerinnen ihre neu gewonnenen Deutschkenntnisse vertiefen.
Nermina Idriz möchte aber auch, dass es in Penzberg einen zweiten Integrationskurs für Frauen gibt. 15 Anmeldungen sind nötig, fünf Anfragen hat sie schon. Zwingen will sie keine. „Die Frauen müssen selbst draufkommen, damit sie am Ende auch erfolgreich sind.”

Für den neuen Integrationskurs in Penzberg können sich interessierte Frauen beim Islamischen Forum, Telefon 08856/932332, anmelden. Wann er beginnt, hängt davon ab, wann die Mindestteilnehmerzahl 15 erreicht ist. Falls gewünscht, wird wieder eine Kinderbetreuung angeboten.
Deutsche Frauen werden für eine offene Konversationsrunde gesucht, bei der in lockerer Atmosphäre geplaudert wird. Ausländerinnen sollen so ihre Deutschkenntnisse vertiefen. Die Runde startet am Mittwoch, 7. November. Sie findet jeden Mittwoch um 10 Uhr im Islamischen Forum statt und widmet sich immer einem anderen Thema. Zum Auftakt geht es um „Gesundes Frühstück für Kinder”. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Für einen arabischen Kochkurs im Islamischen Forum können sich alle Interessenten anmelden. Er beginnt am Donnerstag, 8. November, 18 Uhr, im Islamischen Forum (Anmeldung 08856/ 932332) und findet 14-tägig an neun Abenden statt.
Eine Interkulturelle Spielgruppe bieten die Katholische Pfarreiengemeinschaft Penzberg und die Islamische Gemeinde ab kommenden Montag, 5. November, 9.30 bis 11 Uhr, im Islamischen Forum (Bichler Straße 15) an. Dort kommen Mütter aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit Kindern ab zwei Jahren zusammen, um zu spielen und zu basteln. Anmeldungen bei Spielgruppen-Leiterin Angelika Schmid, Telefon 08856/1624, oder Nermina Idriz, Telefon 08856/932200.

Wolfgang Schörner

Penzberg Merkur