Opferfestpredigt

Opferfestpredigt

Nach dem Gebet haben sich die Gläubigen gegenseitig Glückwünsche ausgetauscht.

In Anwesenheit von mehr als 350 Gläubigen haben sich die Muslime aus verschiedenen oberbayerischen Städten in der Penzberger Moschee versammelt und das Opferfest begangen.

Das Opfer fest ist das höchste Fest, dass Muslime weltweit feiern. Es erinnert an die Geschichte des „Opfers Abrahams“, die auch in der jüdischen und christlichen Tradition steht. Dabei steht im Vordergrund der Bund mit Gott, der jedes Jahr aufs Neue gestärkt wird.

Wie jedes Jahr hat im Namen der Islamischen Gemeinde Penzberg der Vorsitzende Bayram Yerli an mehr als 70 Kinder Geschenke verteilt. Nach dem Gebet haben sich die Gläubigen bei Tee und Süßem gegenseitig Glückwünsche ausgetauscht. Außerdem hatten die Besucher des Festgebetes vor der Moschee die Gelegenheit Blumengestecke für die Liebsten zu kaufen.

Heute und in den kommenden drei Tagen werden sich Familien gegenseitig besuchen, Geschenke austauschen und das Fleisch des Opfertieres an Nachbarn und Freunde verteilen.

Zentrales Thema der Predigt von Imam Benjamin Idriz war wie folgendes:

Die Predigt am Tag des Opferfestes in der Penzberger Moschee

mam Idriz: Ich träume von einem Fest: welches die Wunden von allen benachteiligten und unterdrückten Menschen zu heilen versucht, egal, welcher Religion oder Nationalität sie angehören. Es gibt heute nichts Wichtigeres als diese Botschaft: Die Kriege in der muslimischen Welt müssen aufhören! Die Gewalt gegen Mädchen wie an Malala Yusafzai darf sich nie mehr wiederholen! Die Diffamierung des Islams wie in Schmähvideos in nicht-muslimischen Ländern muss einhellig verurteilt werden! Wir brauchen mehr denn je eine Kultur der Wertschätzung von allen Seiten, und das erfordert über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und für ein alternativloses und respektvolles friedliches Zusammenleben einzutreten.”

                                                    Die Predigt 
           am Tag des Opferfestes in der Penzberger Moschee, 26. Oktober 2012

Verehrte Muslime,

Wir danken Allah, dass er uns ermöglicht hat, dieses segensreiche Fest der Freude erneut zu erleben. Gestern war der Tag von Arafat und im Arafat-Tal haben sich Millionen Pilger versammelt, Zeugnis abgelegt und für eine bessere Zukunft der Weltgemeinschaft gebetet. Überall auf der Welt opfern Muslime, um ihre Ergebenheit gegenüber Allah zu zeigen. Mit dem „Kurban“ (Opfertier), was wörtlich „sich nähern“ bedeutet, werden wir uns sowohl Allah nähern als auch unseren Mitmenschen ein Stück näher kommen. Zu den Weisheiten dieses Gottesdienstes gehört es, dass wir das Fleisch der Opfertiere mit Armen, Nachbarn, Verwandten und Freunden mit Freude teilen.

Der Prophet Ibrahim/Abraham bewies seine Ergebenheit Allah gegenüber, indem er sich bereit erklärte, seinen Sohn zu opfern. Sein Sohn erwiderte ihm mit derselben Hingabe. Ohne die Prüfung des Propheten Abraham und sein Sohns zu verstehen, kann das Opfern als Ritual nicht verstanden werden. Das Opfern ist ein Symbol. Wenn uns das Opfern die Hingabe Ibrahims und den Gehorsam seines Sohnes erkennen lässt, dann haben wir verstanden, was es heißt, zu opfern. Der Sinn des Opferns ist nicht, ein Tier zu schächten und Blut zu vergießen, denn Allah benötigt das Fleisch und Blut dieser Tiere nicht. Aber die Gläubigen haben die Pflicht, ihre Frömmigkeit und Verbundenheit zu Allah mit ihrem Engagement und ihrer Opferbereitschaft zu beweisen. 

Allah sagt im Koran: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreichen Gott, aber Ihn erreicht eure Frömmigkeit“ (22:37)

Also, nicht das Fleisch des Tieres, sondern unser Bewusstsein, unsere Furcht vor dem Verlust der Nähe Gottes, unser Charakter machen das Opfern aus. Opfern wir unsere Energie, unsere Zeit und unser Ressourcen für gute und gemeinschaftliche Zwecke!

Liebe Gemeinde

Dass Abraham sich seinen Sohn opfern sah, war eigentlich ein Traum aus der Welt der Beispiele. Träume aus der Welt der Beispiele sollten somit symbolisch gesehen und gedeutet werden.

Und wir können und sollten unsere Träume mit Zeichencharakter heute nicht nur träumen, sondern sie in die Realität umsetzen:

Ich träume von einem Fest: An dem wir als ganze Menschheit in aufrechter Haltung teilnehmen. An dem unsere Freude nicht im Keim erstickt wird. An dem keine Schreckensnachrichten unsere Stimmung trüben.

Ich träume von einem Fest: An dem auf dieser Erde keine Eltern und keine Kinder ermordet und keine Heime zerstört werden.  An dem keine grausamen Kriege wie in Afghanistan, Irak und Syrien Blut verströmen. An dem kein Teil der Erde von ungerechten und intoleranten Herrschern regiert wird.

Ich träume von einem Fest: welches die Wunden von allen benachteiligten und unterdrückten Menschen zu heilen versucht, egal, welcher Religion oder Nationalität sie angehören. Ein Fest, an dem alle Kräfte und Möglichkeiten mobilisiert werden, um Wissen, Vertrauen, Respekt , Geschwisterlichkeit, Einigkeit, Toleranz und Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu schaffen. Ein Fest, an dem die aus dem Glauben entspringende Liebe und Güte jeden erreicht. Angefangen von den Hungernden, den Drogen-, Alkohol- und Glücksspielabhängigen bis zu den Hoffnungslosen.

Ich träume von einer Persönlichkeit: Die nicht ein Teil des Problems ist, sondern ein Teil der Lösung. Die Last abnimmt und nicht zur Last wird. Die sich selbst nicht im Fremden und Unbekannten sucht, sondern sich in sich selbst sucht und in sich selbst findet. Die nicht nur mit dem Auge ihres Kopfes, sondern auch mit dem Auge ihres Herzens schaut und sieht. Die weiß, wo sie zu stehen und wann sie Zivilcourage zu zeigen hat.
Ich träume von einer Persönlichkeit: die mit ihrem eigenen Kopf denkt und auf ihr eigenes Herz hört. Die in der Vielfältigkeit die Einheit findet. Die weder launisch zu ihren Freunden ist, noch vor ihren Feinden Minderwertigkeitskomplexe hat. Die einen ihrer Füße im Zentrum ihrer Religion hält und mit dem anderen durch die Welt spaziert, dabei die verlorenen Weisheiten sucht und diese wie ein Magnet an sich zieht. Eine Persönlichkeit, die es sich zum Lebensgrundsatz gemacht hat, gerecht, treu zu Gott,  integriert und maßvoll zu sein. Ich träume von einer muslimischen Persönlichkeit welche für ihre humanen Werte stark und in aller Öffentlichkeit eintritt.

Ich träume von einer Gemeinschaft, die aus Persönlichkeiten besteht, die mit sich selbst, ihrem Schöpfer, ihrem Umfeld, ihrer Gesellschaft und der Umwelt im Reinen und in Harmonie leben.

Liebe Gemeinde,

wir sind einer globalen Welt ausgesetzt, die neben ihren schönen Aspekten eben auch traurige Kapitel schreibt, wie z.B. die, dass der Islam gleichgesetzt wird mit Terrorismus, dass unser alltägliches Klima  mit einem ständigen Rechtfertigungsdruck durchsetzt ist, wer wir sind und wer wir nicht sein möchten.

Die Zukunft der Welt liegt in den Händen der pluralen Gesellschaften. Ein Zusammenleben in pluralen Gesellschaften sollte geprägt werden von einem beständigen Geben und Nehmen. Für die Muslime heißt das, selbst die Verantwortung zu übernehmen, die Lehren der Religion klug, bedacht, vernünftig und verantwortungsvoll vorzuleben. Eine gemeinsame starke Stimme gegen jegliche Art von Intoleranz, von menschenunwürdigen Parolen, muss Allgemeingut werden.

Es gibt heute nichts Wichtigeres als diese Botschaft: Die Kriege in der muslimischen Welt müssen aufhören! Die Gewalt gegen Mädchen wie an Malala Yusafzai darf sich nie mehr wiederholen! Die Diffamierung des Islams wie in Schmähvideos in nicht-muslimischen Ländern muss einhellig verurteilt werden! Wir brauchen mehr denn je eine Kultur der Wertschätzung von allen Seiten, und das erfordert über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und für ein alternativloses und respektvolles friedliches Zusammenleben einzutreten.

Und ich träume von einem Fest, das am Ende des Jüngsten Tages stattfindet. An dem die frohe Botschaft verkündet wird: „Oh du zur Zufriedenheit gelangender Mensch; misch dich unter meine Diener und trete ein in mein Paradies“. (89:27-30)

Die jetzigen Feste sind, liebe Geschwister, nur ein Vorgeschmack jenes Festes.

Das Fest ist ein guter Anlass, um sich Gedanken über unsere Beziehung zu Allah zu machen und diese zu festigen. Genauso gilt es, unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu überdenken, uns der Verantwortung gegenüber unserer Familie erneut bewusst zu werden und unsere Freundschaft zu unseren Mitmenschen zu festigen.

Lasst uns darüber nachdenken, ob wir unserer Verantwortung gegenüber den Bedürftigen dieser Welt nachkommen oder dabei helfen, zerstrittene Menschen zu versöhnen und wieder zusammenzubringen. Lasst uns an den Festtagen großherzig sein. Beschenkt euch gegenseitig, macht anderen eine Freude und freut euch gemeinsam über dieses Fest des Teilens. Auch die Menschen, die mit uns in derselben Gesellschaft leben, sollten wir an unserer Freude teilhaben lassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Glaubensbrüdern und -schwestern ein gesegnetes Opferfest! Möge unser Leben eine bewusste Vorbereitung auf das Jenseits und das Jenseits das schönste Fest dazu sein! Möge dies uns allen sowie der ganzen Welt Wohl und Glück bringen!

Lieber Allah!

Ermögliche uns, unsere Nachkommen so zu erziehen, dass sie die Menschenrechte lieben und sie darin bestärken alle Formen von Hass, Intoleranz und ethnischen Vorurteilen aus ihren Herzen zu beseitigen.

Oh Gott!

Wenn wir gegen Menschen sündigen, dann gib uns die Kraft zur Entschuldigung! Und wenn Menschen gegen uns sündigen, dann gib uns die Kraft zu verzeihen! Befähige uns, Böses mit Gutem zu erwidern! Gib uns die Kraft, für ein friedliches Miteinander einzutreten, und zeige uns den Weg zum Verstand und zu den Herzen der Menschen! Verschließe die Tür der Vorurteile, die uns unterwegs zum Miteinander im Wege stehen!

Lass uns auch hier weiterhin in Sicherheit und Frieden leben, wie dein großer Prophet Abraham, -an dem wir heute oft denken,- betete: „Herr, mache diesen Ort zu einer Stätte der Sicherheit und des Friedens!“ (Koran 14:35)

Amin!

Ein gesegnetes Fest!
Bayramınız Mübarek Olsun! 
Bajram Šerif Mubarek Olsun! 
Me Fat Bajrami! 
عيد مبارك