Ex-Botschafter Avi Primor in Penzberg

Penzberg, 04.04.2009

 Avi Primor

Penzberg (la) – Er gilt als Freund der Deutschen und der Muslime und deshalb ist er in seiner Heimat vor allem in orthodoxen Kreisen nicht unumstritten: Avi Primor, der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland.

Am Rande einer Vortragsreihe, die ihn nach Berlin, Hamburg und München führte, kam er nun auch zu einem Besuch des Islamischen Forums nach Penzberg, wo er auf eine höchst zwiespältige Stimmung traf. Denn auf der einen Seite zeigte sich Imam Benjamin Idriz sehr geehrt über die Visite des ehemaligen Diplomaten aus Israel, auf der anderen Seite stand ihm noch das Entsetzen ins Gesicht geschrieben über die neuerliche Erwähnung der Islamischen Gemeinde im aktuellen bayerischen Verfassungsschutzbericht (wir berichteten). Primor, der an der Universität in Herzliya vor den Toren Tel Avivs gemeinsam mit Palästinensern und Muslimen aus Jordanien eine Forschungsstelle über das Zusammenleben der beiden Religion betreibt, zeigte sich von den Ergebnissen der Verfassungsschützer jedenfalls nicht beeindruckt.

„Die Arbeit, die hier in Penzberg geleistet wird, ist ein Durchbruch im Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen“, sagte Primor. Die Mitglieder der Islamischen Gemeinde leisteten durch ihre Offenheit einen „unheimlich wichtigen“ Beitrag zur Integration. Im Übrigen, so Primor weiter, sei es ein „Vorurteil, dass sich Muslime nicht integrieren lassen“. Dies zeige sich am besten Israel: “Den Krieg, den wir dort haben, ist kein Krieg aus religiösen Gründen“, stellte Primor fest. Statt dessen handele es sich um eine “nationalistisch motivierte“ Auseinandersetzung, bei der es um territorialen Einfluss und wirtschaftliche wie politische Macht gehe. In Europa plädiert Imam Idriz für einen „Trialog“ der Religionen zwischen Christen, Muslime und Juden, der “wichtiger ist als der Dialog“. Und trotz der Vorwürfe des Verfassungsschutzes betonte Idriz: “Vielleicht können wir ein Beispiel dafür sein, wie es auf der Welt sein sollte.“ Das Heilige Land jedenfalls, sagte er zu Primor, habe keinen Heiligen Krieg, sondern einen Heiligen Frieden verdient. Avi Primor wiederum will nach seiner Rückkehr nach Israel von seinen Eindrücken in Penzberg berichten: “Ich muss davon inden Medien erzählen, weil wir so etwas nicht kennen.“ Die Offenheit der Islamischen Gemeinde und die Architektur der Moschee seien „eine echte Wende gegenüber den Vorurteilen, die man Muslimen häufig entgegenbringt“, unterstricht Primor.

André Liebe

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