Antiislamischer Film und die Reaktionen

antitislamischer Film

 

Wem nutzen dieser gezielte Anschlag auf den amerikanischen Botschafter oder die Unruhen in der islamischen Welt?

Wir sind erschüttert und verurteilen die Gewalt und islamfeindlichen Provokationen aufs schärfste und rufen alle auf, Wege des Respekts und des Friedens zu beschreiten.

Auszüge von der Freitagspredigt in der Penzberger Moschee am 14.9.12

Von Imam Benjamin Idriz

Der Prophet Muhammad selbst hat einmal über Menschen, die ihn geschmäht haben, gesagt: „Oh Herr, bestrafe sie nicht, denn sie haben meine Botschaft nicht erhalten.“ Es ist traurig und tragisch, dass heute einige Muslime in manchen Ländern mit Ausbrüchen von Hass und sogar Gewalt auf die dummen Machwerke böswilliger Menschen reagieren. Solche Reaktionen, wie wir sie im Moment leider wieder erleben, haben teilweise mit emotional aufgeheizten Mentalitäten zu tun, teilweise mit Kultur- und Erziehungsfragen, sie haben viel mit einem beklagenswerten Mangel an Bildung zu tun – aber sie haben nichts mit Religion zu tun, wie der zitierte Ausspruch des Propheten selbst beweist. Der Islam verlangt, auf solche Bosheiten mit Geduld, mit Weisheit und mit Intellekt zu reagieren und vor allem damit, dass wir der Welt demonstrieren, dass Muslime friedfertig statt aggressiv, tolerant statt hasserfüllt und kooperativ statt konfrontativ sind.

Der Islam verlangt auch völlig unzweideutig, dass niemand für die Verbrechen anderer bestraft werden kann. Deshalb ist Hass und Gewalt gegen Menschen, die zufällig derselben Nation, Ethnie oder Religion angehören wie diejenigen, die etwas verbrochen haben, immer eine schwere Sünde. Darüber hinaus genießen Diplomaten im Islam von jeher einen besonderen Schutz und jeder Angriff auf sie ist wie ein Angriff auf den Islam. Das Töten eines unschuldigen Menschen ist laut Koran wie das Töten der gesamten Menschheit – deshalb reichen die Worte nicht aus, um den Mord am US-amerikanischen Botschafter zu verurteilen!

Wir verurteilen aber selbstverständlich auch jene, die ganz bewusst und gezielt Provokationen produzieren. Der Film, der mit diesen Eskalationen genau das bewirkt hat, was seine Urheber wollten, nämlich Hass und Blutvergießen, soll nach Medienberichten mehrere Millionen Dollar gekostet haben. Es gibt leider Menschen, die keine Kosten und Mühen scheuen, um den Unfrieden auf der Welt zu schüren! Deren Spektrum zieht sich von den Massenmorden in Norwegen über den „NSU“-Terror in Deutschland, über aufwiegelnde Internetforen, Filme und Schriften bis zur gezielten Desinformation in unseren Straßen und Fußgängerzonen.

Unsere gemeinsame Antwort kann nur sein, mit noch mehr Dialog, mit noch mehr Austausch untereinander und Lernbereitschaft übereinander, mit sehr viel mehr Respekt und Achtung voreinander zu reagieren.

Diejenigen, die – von welcher Seite auch immer – stattdessen Hass, Verachtung und Gewalt schüren, sollten aber von einem starken gesellschaftlichen Konsens ebenso wie von behördlichen Maßnahmen und juristischen Sanktionen in die Schranken der Freiheit verwiesen werden. Diese Schranken setzen bei der Menschenwürde an, die auch dann verletzt wird, wenn das was den Menschen am Wertvollsten ist – und das kann z.B. ihr Glaube sein – gezielt angegriffen wird. Ist nicht der Missbrauch der Freiheit als Deckmantel für Menschenverachtung selbst ein Angriff auf die Freiheit, den wir alle einhellig verurteilen müssten?

So wie jedes Ding seine Grenzen hat, hat auch die Freiheit ihre Grenzen dort, wo das Recht der anderen verletzt wird. Daher lassen sich die Beleidigungen und Antimuslimische Provokationen nicht mit dem westlichen Wert der Freiheit rechtfertigen. Die Beleidigungen des Islam verfolgen nicht den Zweck, die Freiheiten zu erweitern, sondern beabsichtigen, einen Keil zwischen die friedlich zusammen­lebenden Gesellschaften zu treiben und den Glauben einer Milliarde Menschen zu verspotten. Diese Beleidigungen können weder zu den westlichen Werten der Freiheit etwas beitragen noch bei den Muslimen die Liebe zu ihren religiösen Symbolen infrage stellen.

Andererseits mobilisieren solche Beleidigungen aber auch die Extremisten auf beiden Seiten, schädigen die internationale Beziehungen und nähren den Hass zwischen den Gesellschaften. Die Haltung der Menschen zeigt sich in solchen Grenzsituationen. So gelangt auch an die Öffentlichkeit, von wessen Werk, Toleranz, Vernunft oder aber Beschimpfungen und Respektlosigkeit stammen.

In solchen Situationen müssen wir gemeinsam eine Position einnehmen. Ich wiederhole: Unsere gemeinsame Antwort kann nur sein, mit noch mehr Offenheit und Dialog, mit noch mehr Austausch untereinander und Lernbereitschaft übereinander, mit sehr viel mehr Respekt und Achtung voreinander zu reagieren.