Landrat Dr. Friedrich Zeller über uns

Dr. Friedrich Zeller

Kolumne des Landrats des Landkreises Weilheim-Schongau Dr. Friedrich Zeller.

Europäischer Islam willkommen im Landkreis

Liebe Leserin,
lieber Leser,

Die Menschen schätzen Bayern, weil es bodenständig und weltoffen zugleich ist. Sprichwörtlich wurde die bayerische Offenheit mit dem lateinischen Begriff: Liberalitas Bavarica – wie es am Portal der Stiftskirche zu Polling noch heute zu lesen ist.
Offen für Neues bedeutet, dass wir uns dem Islam gegenüber öffnen müssen. Gerade Muslime, die eine europäische Variante des Islam vertreten, müssen uns herzlich willkommen sein. Deshalb verstehe ich nicht, dass der Bayerische Verfassungsschutz ausgerechnet die bekannte Islamische Gemeinde in Penzberg fortwährend unter Beobachtung hält.

Der dortige Imam, Benjamin Idriz, seine Frau und die Familie Yerli leisten in Penzberg eine großartige Arbeit, um Muslimen in Bayern eine Heimat zu geben, ohne dass diese ihren Glauben aufgeben müssten. Die Penzberger Moschee wird als offenes Haus geführt. Wie ich selbst beobachten konnte, gehen dort viele interessierte Mitbürger verschiedener Religionen ein und aus. Jedermann (und jede Frau) ist dort als Gast gern gesehen und wird warmherzig empfangen.

Ich bin für einen starken Staat und weiß, dass der Verfassungsschutz wichtige Aufgaben erledigt. Nur bleibt es mir völlig schleierhaft, warum sich das Landesamt für Verfassungsschutz intensiv mit einer Moschee befasst, die so offen geführt wird wie keine zweite in unserem Landkreis. Wird ein Verein im Bericht des Verfassungsschutzes erwähnt, geht zwar die Welt nicht unter, aber der Verein bekommt auf allen Ebenen große Schwierigkeiten. Anstatt Benjamin Idriz Schwierigkeiten zu bereiten, sollte der Freistaat Bayern froh sein, dass ein gebildeter Mann die Hand ausstreckt und den Islam und die europäische Kultur versöhnen will. Wer diese Hand nicht ergreift, begeht einen schweren Fehler, den wir später bereuen werden.

In Europa sind wir über Jahrhunderte leidgeprüft, was Konflikte und Kriege um Konfessionen betrifft. Wir haben bezogen auf die christlichen Konfessionen daraus gelernt und eine tolerante Gesellschaft geformt. Nun ist es an der Zeit, dass ein europäischer und weltoffener Islam in unserer Gesellschaft integriert wird. Die Penzberger Moschee weist uns hierbei den richtigen Weg. Deshalb ist es richtig, dass die „Arbeitsgruppe Integration Penzberg“ mit dem Inge-Gabert-Preis der AWO ausgezeichnet wird. Der Dialog der Kulturen und der Religionen muss intensiviert werden. Die Penzberger Islamische Gemeinde hält die Türen dazu offen – treten wir ein.

Mit besten Grüßen

Dr. Friedrich Zeller

Diese Exklusiv-Serie erscheint monatlich auch im Kreisboten 07/2010

Quelle: http://www.weilheim-schongau.de/Inhalt/Aktuelles/Zellers_Kolumne/index.asp