Davutoglu: Keine Verhandlungen mit jenen, die den Begriff “islamischer” Terror” oder “islamistischer Terror” benutzen

Davutoglu

Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu verurteilt die in Deutschland weitläufig vorherrschende Meinung über Terrorismus in Zusammenhang mit Religion oder Abstammung. Laut der türkischen Medien reagierte Davutoglu damit auf die Äußerungen des Bundesinnenmisters Hansans-Peter Friedrich, der diesen Begriff einsetzte. Davutoglu sagte: Die Türkei nennt den rassistischen Terror in Deutschland auch nicht christlichen Terror, und sieht in jedem Deutschen keinen Terroristen, deshalb habe auch niemand das Recht, islamischen oder islamistischen Terror den Muslimen anzuhängen. Das verletzte das Herz aller Muslime.

“Es ist wichtig, dass wir gemeinsam Rechtsextremismus bekämpfen und gemeinsam Front gegen Gewalt machen”, erklärte der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu in Bonn und forderte nach einem Treffen mit Angehörigen der Neonazi-Mordserie an 8 Türken, 1 Griechen und einer Polizeibeamtin lückenlose Aufklärung. Nach den Brandanschlägen von Solingen und Mölln habe es zwar eine Solidarität seitens der Deutschen gegeben, aber nun sei es wieder passiert, sagte Davutoglu bei einer Landtagsrede in München.

In Bonn traf sich bereits am Donnerstag Davutoglu mit Amtskollegen Westerwelle (FDP) um sich über den jüngsten Ermittlungsstand zu der Mordserie an 8 Türken zu informieren. Westerwelle erklärte gegenüber Davutoglu, es sei ihm wichtig, dass die Mordserie aufgeklärt werde. Davutoglu besuchte danach in Köln die Keuptstraße und sprach mit Betroffenen des Nagelbombenanschlag vor 7 Jahren, bei der 22 Personen verletzt wurden und jetzt in Zusammenhang mit dem Zwickauer-Terrornetzwerk genannt wird. In der Keupstraße leben überwiegend Türken. Jahrelang hatte die Polizei wie in der Mordserie an türkischstämmigen Unternehmern, hinter den Morden und Anschlägen eine Abrechnung im kriminellen Milieu vermutet und wie sich jetzt erst herausstellt, ausnahmslos alle Angehörige der Opfer als mögliche Tatverdächtige ins Visier genommen, ohne das rechtsextremistische Milieu in betracht zu ziehen. In Begleitung mit dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sprach Davutoglu mit den Familien des Nagelbombenanschlags und sicherte den Opfern uneingeschränkte Unterstützung und Solidarität zu.

Am späten Nachmittag besuchte Davutoglu auch die bayrische Hauptstadt München, um dort vom türkischen Generalkonsulat empfangen zu werden. Anschliessend traf sich Davutoglu im türkischen Konsulat mit Familien, deren Angehörige Opfer der rechtsradikalen Neonazi-Zelle geworden waren. 2001 und 2005 hatten die Täter erst an der Münchner Trappentreustraße und dann an der Bad-Schachner-Straße einen türkischen sowie einen griechischen Geschäftsmann getötet. In einem Presseinterview erklärte Davutoglu, er werde die Botschaften und Konsulate anweisen, bei Verdachtsfällen in Zusammenhang mit rechtsextremistischen Taten gegenüber Türken mehr Druck auszuüben. Dabei übte Davutoglu auch Kritik an seinem eigenem Ministerium und den türkischen Mitbürgern in Deutschland, die sich mit Beobachtungen und Beschwerden nicht an das zuständige Konsulat gewendet hätten. Zu lange hätte man als Aussenministerium nur zugeschaut, aber auch die Botschaften und Konsulate seien von den Bürgern nicht informiert worden. Möglich sei es, dass die türkischen Bürger sich nicht getraut hätten oder mit ihren Problemen allein gelassen wurden, so Davutoglu.

Davutoglu verurteilte gegenüber türkischen Pressevertretern auch die deutsche Haltung zum Thema Terrorismus bzw. Rassismus. Er habe bei seinem Besuch weder die Religion noch die Abstammung angesprochen. Dagegen würden deutsche Offizielle aber weiterhin Religion und Abstammung in den Vordergrund stellen, so auch bei seinem aktuellem Besuch. Davutoglu erklärte, ein deutscher Vertreter habe beiläufig von “islamischen Terror” gesprochen und das habe er weder angesprochen, noch in der Mordserie an Türken mit christlichen oder deutschen Terroristen in Verbindung gebracht oder bezeichnet. Bezeichnend sei aber, dass die Behörden wohl seit dem 11. September ständig darum bemüht sind, Religion und Abstammung bei den Ermittlungen in den Vordergrund zu stellen. Dabei habe Terrorismus oder Rassismus nichts damit zu tun.

“Habe ich von rechtsextremistischen Terroristen mit christlichem Hintergrund gesprochen? Habe ich deutschen Terrorismus gesagt? Habe ich deutsche Rassisten gesagt? Im Hinblick auf die Opfer und deren Leid die ich auch als mein Leid bezeichne und als eine Geste des Vertrauens gegenüber Deutschland, habe ich das nicht erwähnt, habe ich nicht von christlichen oder deutschen Terroristen, Rassisten gesprochen und habe sie so von der Mehrheit der Deutschen abgegrenzt. Aber sie heben das auch jetzt noch hervor und dieser Pfeil trifft alle Muslime im Herzen. Das ist wohl eine Krankheit die seit dem 11. September herumkrassiert”, sagte Davutoglu und fügte hinzu, dass die Vorverurteilung anhand der Religions- oder Staatsangehörigkeit Ausmaße angenommen habe, die nicht mehr zu tolerieren sei. Er werde als Aussenminister der Türkei die benutzten Begriffe wie “islamistischer Terror” oder “islamische Terroristen” die Zusammenarbeit mit diesen Ländern unterlassen, weil man “Ahmet, Abdullah, Muhammed, Mehmet”  damit zwangsläufig mit Vorurteilen begegne sagte Davutoglu zum Schluss seiner Stipvisite in Deutschland

Quelle: http://www.todayszaman.com/news-264765-turkish-fm-criticizes-german-minister-for-using-islamist-terrorist.html

Quelle: http://www.turkishpress.de/2011/12/04/davutoglu-uebt-heftige-kritik-gegenueber-deutschland/id4278