Hetzpropaganda

Auswärtige verhöhnen Imam Idriz

Auswärtige verhöhnen Imam IdrizBenjamin Idriz mit langer Nase: Die auswärtige BPE provozierten mit ihrem Stand in der Penzberger Innenstadt. – Pfarrer sehen dies als Angriff auf gelungene 

Integration Foto: nau

Penzberg – Mit einem Stand war die “Bürgerbewegung Pax Europa” (BPE) am Samstag in der Penzberger Innenstadt vertreten. Rund vier Stunden verteilten die von auswärts angereisten Männer und Frauen, die nach eigenen Angaben gegen die Islamisierung Europas kämpfen, Handzettel an Passanten. Viele Bürger waren darüber jedoch nicht erfreut.

“Wir wollen die hier nicht haben. Wir haben ihnen schon den Weg zum Bahnhof gezeigt, aber sie wollen nicht gehen”, sagte eine Frau, die sich mit einer Handvoll Gleichgesinnter gegenüber des Standes aufgestellt hatte und “stummen Protest” zeigte. Trotz Regens wollten sie ausharren, bis die Pax-Mitglieder wieder abgereist waren. Immer wieder kam es zu hitzigen Debatten zwischen den Islamkritikern und Passanten, die sich oftmals weigerten, die Flugblätter anzunehmen. Themen darauf waren in erster Linie die Penzberger Islamische Gemeinde und der Verfassungsschutz. Ein Plakat neben dem Stand zeigte Imam Benjamin Idriz als Pinocchio mit Lügennase.

Der so Dargestellte möchte der Sache keinesfalls zu viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. „Ich habe die Menschen bereits in der Freitagspredigt darum gebeten, die Gruppe zu ignorieren“, sagte Imam Idriz gegenüber dieser Zeitung. In seinen Augen handelt es sich bei den Mitgliedern der BPE um „rechtspopulistische Extremisten“.

Die BPE stellt sich auf ihrer Internetseite folgendermaßen dar: „Der Verein will über die schleichende Islamisierung Europas aufklären. Er richtet sich nicht „gegen die Muslime“, er tritt vielmehr für den Erhalt des christlich-jüdisch geprägten europäischen Werteverbundes ein.“

Der katholische Pfarrer Josef Kirchensteiner kann darüber nur den Kopf schütteln. „Die sind hier, um Zwietracht zu säen“, glaubt Kirchensteiner. Die BPE würde versuchen, mit ihrer Aktion den Imam zu misskreditieren und die gute Zusammenarbeit und den Dialog von Kirchen und Moschee in Penzberg in Missstand zu bringen. Und das nicht zum ersten Mal. Die BPE hätte laut Kirchensteiner bereits vor einigen Jahren an einem Karfreitag für Ärger in Penzberg gesorgt. „Wir lassen uns aber doch nicht von Leuten von Außen sagen, was wir zu tun haben“, betonte Kirchensteiner gestern.

Der evangelische Pfarrer Klaus Pfaller sieht es als „blanken Hohn“ an, dass die Gruppe „Pax“ („Friede“) in ihrem Namen hat. „Die Aktivisten wollen einzig und allein die Islamfeindlichkeit am Leben erhalten,“ so Pfaller.

Imam Idriz ist froh über die Unterstützung. Ein Beweis für die gute Zusammenarbeit fand gestern Abend statt: Idriz, Kirchensteiner und Pfaller luden zu einer theologischen Diskussion über Mose ein – eine wichtige Gestalt sowohl in der Bibel als auch im Koran.

Quelle: Penzberger Merkur, Printausgabe: 29.2.12


Rechte Angriffe auf Benjamin Idriz

SZ berichtet

Von Felicitas Amler

Die “Bürgerbewegung Pax Europa” attackiert den Penzberger Imam.

Der Verein “Bürgerbewegung Pax Europa” hat am Samstag in Penzberg rund drei Stunden lang gegen den dortigen Imam Benjamin Idriz demonstriert. Eine Handvoll Vertreter des Vereins, der personell verwoben ist mit der rechtspopulistischen Partei “Die Freiheit” und den Betreibern der Internetseite “Politically Incorrect”, hatte dazu in der Bahnhofstraße einen Stand aufgebaut.

Auf einem Foto diffamierte er den Imam als Lügner: Idriz’ Gesicht war dazu mit einer langen Pinocchio-Nase verzerrt worden. Flugblätter brachten den Imam, der bundesweit als liberal gilt, mit Fundamentalisten in Verbindung und insinuierten Neigungen zu Antisemiten. Das Pamphlet war überschrieben mit “Penzberger Bürger! Wussten Sie, dass . . .”

Bayram Yerli, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Penzberg (IGP), und Hildebrecht Braun, der die IGP als Rechtsanwalt vertritt, erschienen an dem Stand und distanzierten sich von dessen Anfeindungen. Yerli sagte, zwei Tage nach den Gedenkfeiern für die Opfer der Zwickauer Terrorzelle finde er den Auftritt der Islamkritiker in Penzberg geschmacklos.

Er bezeichnete die Gruppierung als islamophob. Braun sagte, er sei aus München gekommen, weil er zeigen wolle, “dass ich an der Seite meiner Freunde hier stehe” – gemeint waren Imam Idriz und die IGP. Er bezeichnete es als zentrale Botschaft der “Bürgerbewegung Pax Europa”, Hass zu säen. Allerdings sei er überzeugt, so Braun: “Penzberg wird immer für diese Rechtsaußen, für diese braunen Leute ein ganz schlechtes Pflaster sein.” Das sei schon in der Nazi-Zeit so gewesen.

Die IGP versendete, noch während der Stand aufgebaut war, per E-Mail eine Presseerklärung. Darin heißt es: “Wir wissen, dass die Bürgerinnen und Bürger Penzbergs es nicht nötig haben, sich von angereisten Extremisten belehren zu lassen.” Es werde nicht gelingen, das zu torpedieren, was Christen, Muslime und Menschen ohne Religion in Penzberg aufgebaut hätten.

Die “Pax-Europa”-Gruppe bezog sich in ihrer Idriz-Kritik unter anderem auf einen Artikel aus dem “Focus” und auf Äußerungen des bayerischen Innenministers Joachim Herrman (CSU). Dieser hatte Idriz der Lüge bezichtigt, nachdem der Verfassungsschutz dem Imam auf der Basis abgehörter Telefonate Kontakte zu führenden Mitgliedern von Milli Görüs und der Islamischen Gemeinschaft Deutschland (IGD) vorgeworfen hatte. Idriz habe diese Kontakte geleugnet. Idriz wiederum hatte betont, er habe die Kontakte niemals bestritten, diese seien auch nicht verdächtig.

Süddeutsche Zeitung, Printausgabe: 28.2.12

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/demonstration-in-der-bahnhofsstrasse-rechte-angriffe-auf-benjamin-idriz-1.1295471