Wahlaufruf

freitagsbotschaft

Freitagsbotschaft des Imams: geh wählen!

Liebe muslimische Bürgerinnen und Bürger,

die bevorstehenden Wahlen auf Landes- und Bundesebene werden für die nächsten Jahre Weichen stellen für alle Menschen, die in Bayern bzw. in Deutschland leben, für die deutschen Staatsbürger genauso wie für diejenigen, die nicht eingebürgert sind. Wahlberechtigt sind nur die Staatsbürger – und sie verfügen damit über ein Recht, das auf der Welt leider nicht selbstverständlich ist.

Wir haben verfolgt, wie gerade muslimische Völker in ihren Ländern für Freiheit und Demokratie auf die Straßen gegangen sind, ihre Existenz und ihr Leben dafür eingesetzt haben, und doch noch immer nicht den erhofften Erfolg erzielt haben, sondern immer noch oft unter Blutvergießen und schweren Repressalien zu leiden haben. Muss sich da nicht jeder geradezu verpflichtet fühlen, an wahrhaft demokratischen Wahlen, wie wir sie in Deutschland genießen, auch teilzunehmen – Musliminnen und Muslime nicht weniger als andere Deutsche, sondern eher mehr?

Es ist wahr, dass wir als Muslime oft genug verkraften müssen, dass wir von der Politik, wie auch von der Gesellschaft eben noch nicht selbstverständlich als gleichberechtigt akzeptiert werden, wegen unserer Religionszugehörigkeit. Die Versuchung, mit der Zeit zu resignieren und uns zurückzuziehen, ist groß und sie ist gefährlich. Denn dieser Zustand ist ein Widerspruch zum Selbstverständnis der Gesellschaft, zu den verbalen Bekundungen der Politik, zur Bayerischen Verfassung und zum Deutschen Grundgesetz. Genau darum sind wir als Muslime ganz besonders gefragt, unser Recht auf Mitbestimmung gerade auch an den Wahlurnen auszuüben.

Muslimische Wählerinnen und Wähler sind heute ein Faktor, den keine verantwortungsvolle Politik mehr ignorieren kann. Wie viel der einzelne letztlich bewegen und verändern kann, hat sie oder er nicht in der Hand. Aber für seine Entscheidung, zur Wahl zu gehen oder nicht, ist jede und jeder selbst verantwortlich.

Der Islam ruft uns dazu auf, uns konstruktiv, friedlich und demokratisch dort, wo wir als Muslime leben dürfen, für das Gemeinwohl einzubringen. Die Stimmabgabe für Politiker und Parteien, die Extremismus jeder Art ablehnen und sich für gleiche Rechte für alle unabhängig von Religion und Herkunft einsetzen, ist eine solche Möglichkeit, und alle, die das Recht dazu haben, sollten es dankbar und verantwortungsvoll wahrnehmen.

Imam Benjamin Idriz

Islamische Gemeinde Penzberg

Freitag, 13. September 2013