Ein Vorschlag: Rat der Religionen in Bayern

Rat der Religionen in Bayern

Imam Benjamin Idriz: “Die Zukunft Deutschlands wird maßgeblich von Religionen geprägt sein, und von ihrem Verhältnis zueinander. Deshalb halte ich zwei Schritte für dringend erforderlich: 1. Eine religiöse Aufklärung innerhalb des Islam. Dafür sind Initiativen und Institutionen wie das „Zentrum für Islam in Europa – München“, ZIE-M, wünschenswert und notwendig. 2. Eine Institutionalisierung des interreligiösen Dialogs. Ein kontinuierlicher interreligiöser Dialog kann Extremismus und Ausgrenzung auf allen Seiten entgegenwirken, und kann verhindern, dass Ausgrenzung und Diskreditierung von Seiten politischer Kräfte ausgeht. Ich möchte anregen, einen „Interreligiösen Rat für Bayern“ zu schaffen, in dem sich Repräsentanten der Religionsgemeinschaften zu einem beständigen Austausch vernetzen und gemeinsame Positionen zu religiösen und gesellschaftlichen Fragen formulieren. Wir sind als Islamische Gemeinde Penzberg und als Zentrum für Islam in Europa – München (ZIE-M) bereit, einen solchen Prozess zu unterstützen.” 


Rat der Religionen

Von Monika Maier-Albang

Rate der Religionen: Die Schweiz hat ihn bereits – Bayern überlegt noch

In der Schweiz haben sie seit vier Jahren einen „Rat der Religionen“ und die Mitgliederliste liest sich, als handle es sich um die Gästeliste eines Staatsempfangs. Der Präsident der katholischen Bischofskonferenz ist darauf zu finden, der griechisch-orthodoxe Bischof ebenso wie der Präsident des Israelitischen Gemeindebundes. Man trifft sich, redet, kann zwar keine bindenden Beschlüsse fassen, aber: Der Rat äußert sich zu drängenden gesellschaftlichen Themen, zuletzt in der Minarett-Debatte.

Der Vorschlag stammt von Benjamin Idriz, dem Imam aus Penzberg.

Einen solchen Rat auch in Bayern einzuberufen, hat nun der Imam der Penzberger islamischen Gemeinde, Benjamin Idriz, angeregt. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich war am Dienstag in Penzberg zu Gast; er ließ sich die blau verglaste Moschee zeigen, lauschte dem Vortrag des Imams – und wurde von dessen Vorstoß etwas überrumpelt. Friedrich beriet sich mit seinen Experten – und sagte dann: „Das sollten wir machen.“

Nun also steht die Idee im Raum, den Dialog der Religionen in Bayern zu institutionalisieren. Zwei Mal im Jahr könne man sich treffen, schlägt Idriz vor und dabei gemeinsam „Position beziehen in gesellschaftlichen Fragen“. Idriz, der aus Mazedonien stammt, kennt solche Räte aus Bosnien und Serbien. Er verbindet damit die Hoffnung, dass die Religionsvertreter sich besser kennenlernen – Christen die Muslime, aber auch die Muslime „die Mentalität der anderen“.

Zwar gibt es schon jetzt Gespräche zwischen Religionsvertretern, auch katholische wie evangelische Beauftragte für den Dialog zwischen den Religionen – doch kein festes Gremium. Mit Idriz’ Vorschlag sympathisiert nicht nur die Landeskirche. Der Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden, Josef Schuster, sagt, er halte eine stärkere Einbeziehung der Muslime für „begrüßenswert“. Auch die katholische Kirche ist nicht abgeneigt. Im Vatikan gebe es längst ein interreligiöses Dialogforum, sagt Lorenz Wolf, der Leiter des Katholischen Büros, „bei uns nicht. Wir sollten das Thema angehen.“ Allein, die Umsetzung hat Tücken. Schuster würde nur Gesprächspartner im Rat akzeptieren, die autorisiert für die Muslime sprechen können – so jemanden aber gibt es bislang nicht. Und es müsse klar sein, dass die Muslime sich abgrenzen vom Extremismus. Bei den Katholiken sieht man das ähnlich. Das Gespräch mit den Muslimen müsste auf einer breiten Basis stehen, heißt es. Idriz allein reiche da nicht.

In der Schweiz hat es drei Jahre gedauert, bis der Rat eingerichtet war. Die Initiative hatten dort die Evangelischen ergriffen, das erste Gespräch fand am Vorabend des Irakkriegs 2003 im Büro des Präsidenten des Rates der Schweizerischen Evangelischen, Thomas Wipf, statt. Man einigte sich auf eine Erklärung zum Irakkrieg, verbunden mit einer „Selbstverpflichtung zur gegenseitigen Achtung“. Mittlerweile sei der Rat gefragter Ansprechpartner der Regierung, sagt Wipf. Und das regelmäßige Gespräch habe innerhalb der Religionsgemeinschaften eine „Vertrauensbasis geschaffen“. Das Problem mit dem fehlenden islamischen Ansprechpartner hatten auch die Schweizer zunächst. Doch die Idee, einen Rat zu gründen, habe innerhalb der muslimischen Gemeinden einen Prozess in Gang gesetzt, sagt Wipf. „Sie waren gezwungen zu überlegen, wer ihr Sprecher sein soll.“ Auf einen Vertreter konnten sich die Muslime am Ende zwar nicht einigen, deshalb sitzen jetzt zwei muslimische Vertreter im Rat. Die anderen Religionen können damit leben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 08.07.10


Vorstoß für “Interreligiösen Rat”

Von Marlene Weiss

In Penzberg regen Muslime und Protestanten einen bayernweiten Dialog zwischen Religionsgemeinschaften an

Penzberg – Muslime und Protestanten haben einen bayernweiten Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften vorgeschlagen. Bei einem Besuch in der islamischen Gemeinde Penzberg am Montag regten der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und der Penzberger Imam Benjamin Idriz die Gründung eines „Interreligiösen Rates“ für Bayern an. Dem Gremium sollten Repräsentanten aller Religionen angehören, sagte Idriz.
Idriz hatte den „Interreligiösen Rat für Bayern“ in seiner Rede zum Besuch des Landesbischofs vorgeschlagen. In dem Rat sollten sich Repräsentanten der Religionsgemeinschaften gemeinsame Positionen zu religiösen und gesellschaftlichen Fragen formulieren. „Für den Landesbischof kam der Vorschlag überraschend“, sagte Idriz. Aber der schloss sich umgehend an: „Wir brauchen einen vorurteilsfreien Kontakt und einen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften“, sagte er.

Andernorts existieren derartige Gremien bereits: In Bosnien und Herzegowina zum Beispiel besteht seit 1997 der Interreligiöse Rat (MRV) von Katholiken, Serbisch-Orthodoxen, Muslimen und Juden, in der Schweiz gibt es die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft
Iras). Idriz sieht diese Institutionen als Beispiele der Versöhnung und des Dialogs. Wenn der Rat sich bayernweit etabliert habe, könne er auf Bundesebene erweitert werden.

Die Landesvertretung der jüdischen Gemeinden nahm den Vorschlag eher skeptisch auf. „Grundsätzlich bin ich für interreligiöse Gespräche offen, und prinzipiell halte ich es für richtig, auch die muslimische Gemeinde einzubinden“, sagte Josef Schuster, Präsident des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Das Problem, das Schuster sieht: In Deutschland sprechen die Muslime nicht mit einer Stimme, auch in Bayern fehlt eine gemeinsame Vertretung. „Es gibt in Bayern viele muslimische Gemeinden, mit denen ich mir einen Dialog gut vorstellen kann, aber auch solche, bei denen ich mir das schlecht vorstellen kann, weil sie sich nicht klar von extremistischen Gruppierungen abgrenzen“, sagte Schuster. Bevor man sich auf Landesebene treffe, müssten sich die muslimischen Gemeinden vom Fundamentalismus distanzieren und einen Sprecher ernennen.

Vertreter der anderen Religionsgemeinschaften dagegen begrüßten die Penzberger Initiative. „Die katholische Kirche steht dem Dialog positiv und offen gegenüber“, sagte Christoph Kappes von der Pressestelle des Erzbistums München und Freising. Das Ökumene-Referat pflege ohnehin den Kontakt mit allen Religionen, und ein offizieller interreligiöser Rat könne für gute Nachbarschaft sorgen und Vorurteile abbauen.

Auch Erzpriester Apostolos Malamoussis, Sprecher der orthodoxen Kirchen in Bayern, unterstützt die Idee: „Ich schätze Imam Idriz und bin dafür“, sagte er. „Jede Initiative, die das harmonische Miteinanderleben fördert, ist schön.“

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 07.11.2010


Imam und Landesbisschof für interreligiösen Rat in Bayern

Penzberg – Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und der Imam der islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, sprechen sich für einen „interreligiösen Rat” für Bayern aus.

Imam Idriz erklärte, eine Institutionalisierung des interreligiösen Dialogs könne religiösem Extremismus entgegenwirken. Wenn ein interreligiöser Rat in Bayern gegründet werde, müssten Repräsentanten aller Religionen daran teilnehmen. „Wir sind bereit, diesen Prozess zu unterstützen”, sagte Idriz.

Als sehr gute Idee bezeichnete der bayerische Landesbischof Friedrich, der am Montag die Penzberger Moschee besuchte, einen interreligiösen Rat. „Wir brauchen einen vorurteilsfreien Kontakt und einen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften und Konfessionen“, sagte er.

Die islamische Gemeinde von Penzberg vermittle ein „höchst positives Bild eines gastfreundlichen, dialogischen und zugleich frommen Islams, der Menschenrechte bejaht“, so Friedrich. Ein Beispiel dafür sei die Zusammenarbeit mit christlichen Gemeinden der Nachbarschaft.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/imam-landesbischof-interreligioesen-bayern-830885.html


Bischof und Imam regen “Interreligiösen Rat” in Bayern

Penzberg (epd). Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und der Imam der islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, haben sich für die Gründung eines “Interreligiösen Rates” für Bayern ausgesprochen.
“Wir brauchen einen vorurteilsfreien Kontakt und einen Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften und Konfessionen”, sagte Bischof Friedrich am Montag nach einem Besuch der Moschee im oberbayerischen Penzberg. Die islamische Gemeinde von Penzberg vermittle ein “höchst positives Bild eines gastfreundlichen, dialogischen und zugleich frommen Islams, der Menschenrechte bejaht”, so Friedrich. Ein Beispiel dafür sei die Zusammenarbeit mit christlichen Gemeinden der Nachbarschaft.

Imam Idriz erklärte, eine Institutionalisierung des interreligiösen Dialogs könne religiösem Extremismus “auf allen Seiten entgegenwirken”. Wenn ein Interreligiöser Rat in Bayern gegründet werde, müssten Repräsentanten aller Religionen daran teilnehmen. Nur so könnten gemeinsame Positionen erarbeitet werden.

Quelle: http://www.epd.de/nachrichten/nachrichten_index_77196.html


Friedrich will interreligiösen Rat

Bei seinem ersten Besuch der Moschee in Penzberg distanzierte sich der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich von den vergangenen drei bayerischen Verfassungsschutzberichten. “Es tut mir sehr leid, dass ausgerechnet ihre Gemeinde immer wieder im Verfassungsschutzbericht benannt wird“, erklärte Friedrich in seiner Ansprache. Zwar sei es nicht seine Aufgabe, den Verfassungsschutz zu kritisieren, “aber wir brauchen Gemeinden wie Sie, damit Integration vorangeht.”

Der evangelische Landesbischof zeigte sich aufgeschlossen für den neuen Vorschlag des Penzberger Imams Benjamin Idriz. Der forderte in seiner Rede einen interreligiösen Rat in Bayern. Repräsentanten aller wichtigen Glaubensrichtungen sollen darin zusammen arbeiten, um dem interreligiösen Dialog in Bayern eine gemeinsame Stimme zu verschaffen. “Ich finde das eine gute Idee und dass wir das machen sollten”, sagte Landesbischof Friedrich in einer ersten Reaktion. Die Gemeinde in Penzberg ist eine von 2.500 islamischen Gemeinden in Deutschland.

Vorzeigegemeinde in Penzberg

Vielen gilt die Gemeinde in Penzberg als Vorzeigemodell wegen ihrer gelungenen Integrationspolitik: Muslime aus zwölf Nationen leben dort gemeinsam ihre Religion. Die Gemeinde ist bekannt für ihre Offenheit. Trotzdem wird die islamische Glaubensgemeinschaft seit drei Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Vorwurf bezieht sich auf angebliche Kontakte zur islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, die der Verfassungsschutz für verfassungsfeindlich hält. Gegen diesen Verdacht wehren sich die Penzberger Muslime vor Gericht. 


Quelle: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/friedrich-landesbischof-penzberg-ID1278275809607.xml