Zukunftsbild des Islam

Penzberger Imam skizziert Zukunftsbild des Islam

Penzberger Imam skizziert Zukunftsbild des Islam 

Unterschleißheim – 15 Millionen Muslime leben in der EU, die Hälfte davon in Frankreich, gefolgt von Deutschland, wo 3,2 Millionen Muslime wohnen. 500 000 von ihnen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Rein numerisch sind Muslime also schon stark vertreten, wirklich in der deutschen Gesellschaft angekommen sind sie noch nicht. 

Geht es nach Benjamin Idriz, dem inzwischen schon fast berühmten Imam von Penzberg, soll sich das ändern. Er will in München das Projekt “Ziem” verwirklichen, ein Zentrum für Islam in Europa. In Penzberg hat er es schon geschafft, eine attraktive Moschee zu bauen und reformwillige Muslime um sich zu versammeln. Einige von ihnen sind am Dienstag mit ins Ballhausforum gekommen. Die meisten der 60 Besucher waren aber Deutsche. 

“Der Islam muss seine Werte überdenken, sich zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus bekennen, das sind grundlegende Glaubensinhalte der Muslime”, erklärte Idriz. Der in Mazedonien geborene Imam, der in Damaskus Theologie studiert hat, nannte vier Säulen eines zukunftsfähigen Islams: Religiöse Reformen, eine “gesunde Integration”, wozu das Erlernen der deutschen Sprache Voraussetzung sei, Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Verurteilung von Extremismus. 

Was die oft kritisierte Unterdrückung muslimischer Frauen anbelange, finde sie ihre Grundlage nicht im Islam, sondern in traditionellen muslimischen Gesellschaften. Auch Extremismus sei nicht religiös begründet, sondern diene “Machtinteressen”. Es sei vielmehr Pflicht jeden Muslims, sich für Frieden einzusetzen, so der Imam. Ein Viertel der Muslime in Deutschland ist religiös organisiert, weshalb der Imamausbildung große Bedeutung zukomme. Hier soll Ziem helfen und Imame in deutscher Sprache ausbilden. Bis jetzt kommen die meisten Imame ohne Deutschkenntnisse aus muslimischen Ländern. 

In der lebhaften Diskussion wurde dem Imam viel Wohlwollen entgegen gebracht. Sprächen alle Muslime wie er, gäbe es viele Vorurteile nicht, stimmte man überein. Das aber ist nicht der Fall, viele konservative Muslime sehen Idriz und seine Mitstreiter kritisch. Nicht umsonst war nicht nur aus der Unterschleißheimer Moschee kein Vertreter da. av 

(SZ vom 25.10.2007)