Das Islamische Forum gilt als Vorzeigeprojekt

Islamisches Forum in Penzberg gilt als Modernste Moschee Europas

Islamisches Forum in Penzberg gilt als Modernste Moschee Europas

Von Jutta Olschewski

Alen Jasarevic zeichnet einen Halbkreis und legt seinen Bleistift daneben. Augenblicklich ist jedem seiner Zuhörer im Raum klar: Das ist eine Moschee. Doch ein Moscheebau verlangt überhaupt keine Kuppel und auch kein Minarett, erklärt der Augsburger Architekt. Der Gebetsraum müsse nach Mekka ausgerichtet sein, nur das allein schreibe der Koran vor: “Wir müssen beim Moscheebau unterscheiden, was Tradition und was Religion ist”. Der Sohn bosnischer Eltern, der 1973 in der Bundesrepublik geboren wurde, hat einen Traum: “Ich möchte mit daran arbeiten, dass sich ein neuer eigenständiger mitteleuropäischer Moscheestil entwickelt”.

Mitstreiter für eine neue islamische Architektur sucht Jasarevic in der zweiten Generation der muslimischen Gemeinden. Im oberbayerischen Penzberg hat er solche Leute gefunden. Seit 2005 schmückt den Ort mit seinen 16.000 Einwohnern eines der raren Exemplare moderner Moscheebaukunst, entworfen von Jasarevic. 

Inspirationen aus Spanien, Messina und Indien, wie Bögen und Ornamente hat er in den Bau integriert. Der Gebetsraum ist in warmes blaues Licht getaucht, dem die Recyclingglas-Front Richtung Mekka farbige getupfte Effekte verleiht. Abends bietet diese Seite der Moschee dem Betrachter von außen einen funkelnden spektakulären Anblick. 

Weil in Penzberg früher Erz abgebaut wurde, hat Planer Jasarevic das Minarett aus durchbrochenem Stahl gebaut, das auch nachts von innen beleuchtet wird. “Die Moschee kehrt ihr Inneres nach außen”, sagt der Architekt. Der gesamte Quaderbau, der zu einem Drittel die Moschee und im restlichen Teil ein Begegnungszentrum beheimatet, ist mit regional typischen Steinen verkleidet. 

“Wir wollten eine Neuinterpretation der islamischen Architektur”, sagt der junge Imam der muslimischen Gemeinde in Penzberg, Benjamin Idriz (36). Und die Vizepräsidentin der Gemeinde, Religionspädagogin Gönül Yerli, Jahrgang 1976, ergänzt: “Wir Muslime sind flexibel, der Islam ist ein Lebensweg, der offen ist”. Sie betont: “Wer baut, möchte bleiben. Wir sind auf der Suche nach einer neue Identität”. 

Die islamische Gemeinde in Penzberg mit ihren etwa 600 Mitgliedern hat sich keinem islamischem Dachverband angeschlossen. Das Grundstück für ihr Gebäude bezahlten die Gemeindemitglieder aus eigener Tasche. Der drei Millionen Euro teure Bau ist ein Geschenk von Scheich Sultan bin Muhammed al Qasimi aus dem Emirat Sharjah. 

Die neue Moschee mit dem übergroßen Portal schafft es, dass der Betrachter die daneben liegenden Mehrfamilienhäuser mit Holzbalkonen als die eigentlichen Fremdkörper empfindet. Das Erstaunlichste aber ist, dass die Moschee in der Kleinstadt offenbar keinerlei Stoff für Streit bietet. 

Bei einem Besuch in Penzberg ist kein böses Wort gegen die Einrichtung zu hören. Das Bildungskolleg Weilheim mietet hier Räume im Untergeschoss und veranstaltet Integrationskurse für ausländische Frauen. Eine Berufsberatung für Jugendliche ist jeden Mittwoch zu Gast. Die Multimedia-Bibliothek bietet 6.000 Titel, die alle Penzberger entleihen können. Mittlerweile haben etwa 20.000 Menschen bei Veranstaltungen und Führungen das Islamische Forum gesehen, sagt Yerli.

Bernd Schiefer, evangelischer Kirchenvorsteher in Penzberg und Mitglied der Landessynode, hat für die große Akzeptanz der Moschee mehrere Erklärung. Es könnte daran liegen, dass Penzberg als Arbeiterstadt schon lange an Multikultur gewöhnt ist, meint er. Größter Arbeitgeber sind Pharmakonzern Roche und ein Automobilzulieferer. 

Außerdem habe zwischen den christlichen Kirchen und den Muslimen in Penzberg immer ein recht gutes Verhältnis geherrscht, betont Schiefer. Die Muslime konnten viele Veranstaltungen in katholischen Räumen abhalten. Dem katholischen Pfarrer Josef Kirchensteiner ist der christlich-islamische Dialog äußerst wichtig. 

Vor fünf Jahren machte sich ein Reisebus mit katholischem Pfarrer, dem evangelischen Pfarrerehepaar, Bürgermeister Hans Mummert (SPD), Imam Idriz und anderen auf eine Reise nach Sarajewo. Dort informierten sich die Penzberger über den europäischen Islam und den Moscheebau.

Der Architekt von Penzberger Moschee Alen Jaservic  www.b-au.com

Der Architekt von Penzberger Moschee Alen Jaservic  www.b-au.com 

Architekt Jasarevic hält dieses offene Vorgehen für grundlegend. Von Anfang an habe die islamische Gemeinde Penzberg alle Ideen mit der Stadtgesellschaft besprochen und sie auf das Islamische Forum “neugierig gemacht”. Die lokale Zeitung habe den Plänen positiv gegenüber gestanden, was ein großer Vorteil gewesen sei, meint Gönül Yerli.

An Orten, wo es laute Proteste gegen geplante Moscheen gebe, habe man oft eine rechtzeitige Information versäumt, glaubt Jasarevic. Er rät Muslimen, vor dem Kauf eines Grundstücks mit der Stadtverwaltung zu sprechen. Unmut haben nach seiner Einschätzung auch Moscheevorhaben hervorgerufen, bei denen die Gemeinde einen türkischen Architekten beauftragte, der ohne Bezug zur Umgebung und ohne Rücksprache mit den Bewohnern eine traditionelle Moschee aus dem Boden stampfte. “Die islamische Architektur hat immer sensibel auf ihre Umgebung reagiert,” urteilt Jasarevic, “sei es in China oder in Afrika oder in Bayern.”

Quelle: http://www.epv.de/node/4705