Presse Aktuell

Bei der Andacht tauschten Imam Benjamin Idriz, Stadtpfarrer Josef Kirchensteiner und sein evangelischer Amtsbruder Klaus Pfaller (von links) die Freundschaftsbänder aus.

Auch das ist Penzberg: Christen und Muslime feiern Andacht

Penzberg – Katholiken, Protestanten und Muslime bei einer gemeinsamen Andacht – auch dafür steht Penzberg. Gefeiert wurde die Andacht am Sonntag beim Stadtfest.

Bei der Andacht tauschten Imam Benjamin Idriz, Stadtpfarrer Josef Kirchensteiner und sein evangelischer Amtsbruder Klaus Pfaller (von links) die Freundschaftsbänder aus.

Mit einer gemeinsamen Andacht wurde am Sonntagvormittag (25.09) das Penzberger Stadtfest anlässlich des 100. Namenstages fortgesetzt. Rund 400 Menschen kamen zum Vorplatz der Christkönigkirche, wo sich die beiden Pfarrer Josef Kirchensteiner und Klaus Pfaller sowie Imam Benjamin Idriz für ein Miteinander warben. “Ich bin stolz, dass hier in Penzberg Religionen und Nationen in Eintracht und Frieden leben können”, sagte der katholische Pfarrer Kirchensteiner. “Gott macht Mut, aufeinanderzuzugehen”, so sein evangelischer Kollege Pfaller. Als Vorbild bezeichnete Imam Idriz Penzberg. Unter dem Applaus der 400 Menschen am Kirchplatz sagte Bürgermeister Hans Mummert, er sei beeindruckt von dem Augenblick “und stolz, dass das bei uns möglich ist”.

Nach der Andacht strömten hunderte Penzberger zum großen Brunch, den das Café International mit Speisen aus allen Herren Ländern organisiert hatte. Der Erlös geht an die Sprachförderung.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/penzberg/auch-penzberg-christen-muslime-feiern-andacht-1419561.html


Penzberger Imam fordert klare Aussage  von Innenminister

Penzberger Imam fordert klare Aussage  von Innenminister

Penzberg – Nach den umstrittenen Äußerungen des neuen Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich zum Islam hat der Penzberger Imam Benjamin Idriz eine klare Aussage von dem CSU-Politiker gefordert. “Der Minister muss die Frage beantworten, ob für ihn der Islam aktuell zu Deutschland gehört”, sagte Idriz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Bislang habe Friedrich nur gesagt, dass der Islam historisch gesehen nicht zu Deutschland gehört. Und damit habe er Recht. Es sei wichtig, welche Botschaften Friedrich jetzt aussendet: “Der Minister muss ganz klare Signale geben, dass nicht nur die Muslime als Menschen zu Deutschland gehören, sondern auch ihr Glaube. Sonst wäre das paradox.“

Friedrich hatte direkt nach seinem Amtsantritt gesagt, die in der Bundesrepublik lebenden Muslime gehörten zu Deutschland. “Aber dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt.“ Mit seinen Worten hatte Friedrich die Opposition, Teile der FDP und muslimische Verbände gegen sich aufgebracht.

Benjamin Idriz betonte: “170 Moscheen mit Minaretten und Kuppeln, mehr als 2500 Moschee-Gemeinden und ungefähr fünf Millionen Muslime in Deutschland zeigen, dass der Islam heute zu Deutschland gehört.“ In einem Interview habe Friedrich vor einigen Jahren deutlich gesagt, dass er einen Islam “in europäischem Kontext“ wolle.http://kath.net/detail.php?id=25006

Der aus Mazedonien stammende Idriz lud den Minister in die Penzberger Gemeinde rund 50 Kilometer südlich von München ein. “Ich will ihm zeigen, dass die Moschee in Penzberg eine typisch deutsche Moschee ist und ein klares Zeichen, dass der Islam heute sehr wohl zu Deutschland gehört.“

Der Imam gratulierte Friedrich ausdrücklich zu seiner Ernennung als Innenminister. “Ich weiß freilich, dass ich damit nicht der aktuellen Stimmungslage der wohl meisten Muslime in Deutschland folge“, schrieb Idriz in einem Brief an den Minister. “Ich bin aber der Meinung, dass mehr oder weniger geglückte Einzelformulierungen zu Fragen, die man ja aus unterschiedlicher Perspektive unterschiedlich bewerten kann, weniger hoch angesetzt werden sollten.“ Idriz ist zuversichtlich, dass Friedrich seine Arbeit gut machen werde: “Ich glaube, dass er ein vernünftiger Politiker ist.“

Bei dem Besuch in Penzberg wolle er Friedrich auch nochmals seine Ideen ans Herz legen, wie die Integration der Muslime verbessert werden kann: Eine islamische Religionsgemeinschaft mit Sitz in Berlin als Ansprechpartner für Muslime und die deutsche Gesellschaft, islamischer Religionsunterricht sowie “ein ernsthafter Dialog und keine Ausgrenzung“. “Muslimische Gemeinden, die das Grundgesetz bejahen, dürfen nicht diffamiert werden“, sagte Idriz. “Wir wollen eng mit den Behörden kooperieren, um einen Islam mit deutschem Gesicht zu gestalten.“

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/penzberg/penzberger-imam-fordert-klare-aussage-innenminister-1151228.html


Dran ist, wer drin ist

Dran ist, wer drin ist

Es gibt keine neuen Erkenntnisse über die Muslime von Penzberg, aber sie sollen wieder in den Verfassungsschutzbericht

Es ist die Aufgabe des Verfassungsschutzes, das Gras wachsen zu hören. In Bayern pressen die Verfassungsschützer ihre Ohren geradezu auf die Erde. Im Fall der Penzberger Islamischen Gemeinde und ihres Imams Benjamin Idriz aber hören die vielen V-Leute einfach nichts, zumindest nichts, was auf extremistische Bestrebungen der Penzberger Muslime hinweist – dennoch soll die Gemeinde erneut im Verfassungsschutzbericht stehen, der nächste Woche vorgestellt wird. Ein Politikum, das nicht nur erhebliche Folgen für die Gemeinde hat, der die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde und die nun nicht mehr von Schulklassen besucht werden darf. Es zeigt auch, das der Verfassungsschutzbericht von ideologischen Überlegungen beeinflusst wird – gemäß dem Motto: Der Islamismus ist gefährlich, der Muslim neigt zur Verschleierung seiner wahren Absichten. Also kann auch ein friedlicher Imam nicht harmlos sein. Selbst wenn Politiker wie Alois Glück (CSU) und Christian Ude (SPD) oder der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sich für ihn einsetzen.

Weil es nach Informationen der SZ aktuell nichts Handfestes gegen die Penzberger gibt, sollen nun einfach zwei Gerichtsverfahren in den Bericht einfließen: Urteile, die sich auf längst Vergangenes beziehen – nämlich, dass die Gemeinde im Jahr 2008 zu Recht im Verfassungsschutzbericht stand. Damit stünden Idriz und seine Gemeinde auch dieses Jahr wieder drin, obwohl sie sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Innenminister Joachim Herrmann bestätigte, die Gemeinde werde wieder im Bericht stehen: ‘Wir haben gegen sie prozessiert, dann können wir sie jetzt nicht rauslassen’, sagte er der SZ. Allerdings sei man noch in der Klärungsphase. Die aber ist weit gediehen, die betroffenen Abteilungen des Ministeriums haben den Bericht bereits abgenickt. Wenn er im Druck ist, steht Imam Idriz drin. Da spielt es keine Rolle, dass Herrmann den Fokus auf die Linksextremen legen will.

Idriz selbst hatte im Sommer ein Gespräch mit dem Innenminister geführt, da war ihm signalisiert worden, er komme nicht mehr in den Verfassungsschutzbericht, wenn es keine neuen Erkenntnisse gebe. Nun gibt es nichts Neues, aber Idriz steht trotzdem drin. Selbst Berliner Sicherheitsexperten sind allmählich erstaunt über die unerbittliche Haltung der Bayern: ‘Wenn man nichts hat und der Mann ständig sagt, er trete für den liberalen Islam ein, dann sollte man ihm vielleicht mal glauben. Am Ende meint er es einfach ernst.’ Soweit ist man im Innenministerium noch nicht.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/K5h38e/3929203/Dran-ist-wer-drin-ist.html


Warum wollen Sie ein Islamzentrum am Stachus

München – Es ist mehr als nur eine Vision: Der Penzberger Imam Benjamin Idriz (38) plant ein “Zentrum für Islam in Europa München” – kurz “Zem”. Die tz sprach mit ihm.

Der gebürtige Mazedonier will ein Zentrum mit Moschee, Museum und Bibliothek schaffen und darin auch Imame in deutscher Sprache ausbilden – in einem europäischen Islam, der auf dem Grundgesetz basiert, ohne Einfluss islamischer Länder.

Die Politik unterstützt das Projekt, genau wie Ex-Landtagspräsident und Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (CSU). Die tz sprach mit dem Imam über mögliche Geldgeber in den Emiraten und den Verfassungsschutz.

Herr Imam Idriz, der Standort in der Herzog-Wilhelm-Straße am Stachus gilt als Favorit für Ihr Islam-Zentrum. Was halten Sie davon?
Imam Benjamin Idriz: Der Standort gefällt mir besonders, weil wir wirklich ein Viereck der Religionen in München erreichen können – mit Frauenkirche, evangelischer Matthäuskirche am Sendlinger Tor und Synagoge. Damit kann die Stadt ein Zeichen setzen, dass der Dialog funktioniert. Wir versteifen uns aber nicht auf diesen Ort.

Soll die Moschee so modern aussehen wie die in Penzberg?
Idriz: Wir können einen attraktiveren, moderneren Baustil entwerfen. Damit wollen wir sagen, dass ein europäischer Stil für Moscheen möglich und wünschenswert ist. Im Europa des 21. Jahrhundert müssen wir nicht die orientalischen Länder kopieren. Falls wir uns gemeinsam mit der Stadt für ein Minarett entscheiden, wird es filigran sein, ästhetisch und modern.

Für Ihre Pläne brauchen Sie 20 bis 30 Millionen Euro und hoffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate.
Idriz:
 Ich habe große Hoffnung aus den Vorgesprächen im Konsulat mitgebracht. Wir haben ein positives Signal bekommen.

Sie stehen für einen europäischen, demokratischen Islam. Wie passt das mit einem Geldgeber in den Emiraten zusammen? Die gelten als autoritäre Regime mit Scharia und Zensur.
Idriz: Viele deutsche Touristen und Unternehmer erleben die Emirate als sehr weltoffenes Land mit einem gemäßigten Islam im Vergleich zu anderen Ländern am Golf. Eine Spende wäre nicht mit Einfluss verbunden. Wir haben das Beispiel Penzberg: Der Emir von Scharjah hat unsere Moschee mitfinanziert, ohne dass er von uns etwas verlangt hat. Sein einziger Wunsch war, dass wir so integrativ und dialogfreundlich bleiben.

Ein Motiv für eine Spende könnte sein, dass München als Hauptstadt der Araber in Europa gilt. Wenn die Touristen ihre Moschee besuchen, könnten die den arabischen Islam verlangen – und nicht Ihren demokratischen?
Idriz: Nein, nein. Die Zuständigen sind sehr gut über unser Islam-Verständnis informiert und begrüßen es. Wir haben jetzt schon in Penzberg viele Touristen aus den Emiraten, die in Murnau oder Garmisch in Behandlung sind. Die sind sehr zufrieden.

In München scheiterte die türkisch geprägte Moschee in Sendling. Warum braucht München Ihr Zentrum?
Idriz: Wir wollen eine gelungene Integration der Muslime in Deutschland. Das Projekt ist ein Angebot. Davon profitiert unsere ganze Gesellschaft. Ängste werden abgebaut und eine Brücke zwischen Menschen geschlagen. Das wird ein offenes Haus.

Manche befürchten, dass so ein Bau die Unterschiede gerade zementiert. Wird darin Deutsch gesprochen?
Idriz: Deutsch wird die Hauptsprache. Dem Trägerverein gehören Menschen aus sieben Nationen an, die einzige gemeinsame Sprache ist Deutsch. Das Projekt unterscheidet sich von früheren, dass es sich mit Deutschland identifiziert, in Sachen Grundgesetz, Gleichberechtigung und Rechtsstaat – und auch mit der Sprache.

Nichtsdestotrotz haben Sie Ärger mit dem Verfassungsschutz. Am Donnerstag erscheint ein neuer Bericht. Tauchen Sie darin noch auf?
Idriz: Ich würde das bedauern. Innenminister Joachim Herrmann hat mir signalisiert, dass wir aus dem Bericht rauskommen, wenn es keine neuen Erkenntnisse gibt. Wir schützen mit unserer Arbeit aktiv die Verfassung.

Sie haben keinen Kontakt mehr zu Fundamentalisten?
Idriz: Mein letztes Telefonat mit dem Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde Deutschlands war 2008. Und ein Gespräch beweist nicht, dass ich mit ihm im selben Boot sitze. Auch CSU-Politiker treten mit den gleichen Personen in Kontakt: Europaministerin Emilia Müller war 2006 in einer Konferenz mit ihm. Wird Frau Müller jetzt Islamismus vorgeworfen? Nein. Und der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer war 2009 Gastredner im Namen der Staatsregierung bei Milli Görüs. Ist es nicht eine Art Doppelmoral, wenn die Politik mich beschuldigt und die anderen nicht? Wenn wir Integration wollen, müssen wir mit allen Menschen reden. Das ist meine Aufgabe als Imam, um sie für Deutschland zu überzeugen.

Interview: David Costanzo

Quelle: http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/islamzentrum-imam-benjamin-idriz-tz-intzerview-1142379.html


Verfassungsschützer beobachten weiter Imam Idriz

München – Offiziell wird der Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes für das Jahr 2011 erst am Donnerstag vorgestellt. Doch bereits vorab sickerte durch, dass die Penzberger Gemeinde um Imam Benjamin Idriz wohl erneut im Bericht erwähnt werden soll.

Und das, obwohl es keine neuen Erkenntnisse gibt. Der Imam zeigt sich enttäuscht vom Innenminister – doch eine Gefahr für das „Zentrum für Islam in Europa, München“ („Ziem“) sieht er nicht.

Seit 2007 führt der Verfassungsschutz die Penzberger Muslime in seinem Bericht auf. Die Behörde wirft der Gemeinde Gespräche mit extremistischen Organisationen vor. Dies ist umstritten, Politiker aller Parteien hatten Benjamin Idriz stets den Rücken gestärkt. Sein Anwalt, Hildebrecht Braun, war damals sogar gegen die Vorwürfe vor das Verwaltungsgericht gezogen, kassierte jedoch eine Niederlage. Der Penzberger Gemeinde wurde aufgrund der Erwähnung im Verfassungsschutzbericht die Gemeinnützigkeit aberkannt – ein riesiges Hindernis etwa beim Sammeln von Spenden.

Im September 2010 kam es dann zu einem Gespräch zwischen Idriz und Innenminister Joachim Herrmann (CSU), das hoffen ließ: „Der Minister hat signalisiert, dass wir nicht mehr im Bericht auftauchen, wenn es keine neuen Erkenntnisse gibt“, sagt der Imam. Idriz und sein Anwalt verzichteten auf weitere Verfahren.

Nun hat sich die Lage geändert: Zwar will das Innenmininsterium vor der Präsentation des Berichts am Donnerstag nichts sagen, doch dementieren könne man eine Erwähnung der Penzberger nicht. Deren Anwalt rechnet „allen Signalen nach“ mit „Äußerungen, die uns nicht weiter schaden sollten“. Will heißen: Es werden keine konkreten Vorwürfe mehr erhoben, sondern die Behörde beschreibt „nur“ den abgeschlossenen Prozess vor dem Verwaltungsgericht. Für Braun wäre auch das ein Unding: „Meine Leute haben im Bericht nichts zu suchen.“

Imam Idriz hofft noch, gar nicht erwähnt zu werden. Es gehe dabei nicht um die Formulierung: „Wenn man erwähnt wird – auch, wenn es keine neuen Vorwürfe gibt -, sind die Folgen unglücklich.“ So sei es etwa sehr schwierig, den Status der Gemeinnützigkeit zurückzuerlangen.

Braun wertet eine erneute Erwähnung zudem als kontroverses Signal an mögliche Sponsoren für das geplante Islam-Zentrum in München. Wie berichtet, stand zuletzt die Möglichkeit im Raum, finanzielle Mittel aus den arabischen Emiraten für Ziem zu erhalten. Idriz glaubt auch weiterhin an seine Sponsoren: „Wir stehen seit Jahren im Bericht“, sagt er. „Die Solidarität ist über die Zeit stärker geworden.“ Die Interpretation des Innenministeriums stehe in eklatantem Widerspruch zu dem, wofür die Gemeinde seit Jahren engagiert eintrete: „Daran werden wir gemessen.“ Ziem sei zudem unabhängig von der Penzberger Gemeinde und halte auch weiterhin den Status der Gemeinnützigkeit.

So fordert auch Isabel Zacharias, migrationspolitische Sprecherin der Landtags-SPD, Ziem von der Debatte um die Penzberger abzukoppeln. Sie hält eine Erwähnung der Gemeinde im Verfassungsschutzbericht für falsch. Ziem müsse vorangetrieben werden: „Es würde sonst eine große Chance vertan.“ Auch Oberbürgermeister Christian Ude und Josef Schmid, Fraktionschef der CSU im Stadtrat, hatten sich stets für Ziem ausgesprochen. Beide wollten sich gestern zum Thema nicht äußern.

A. Gerke

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/stadt-muenchen/verfassungsschuetzer-beobachten-weiter-imam-idriz-1142920.html


Woche der Entscheidung

Von Peter Issig

Sie haben kein Geld, aber eine Vision. Sie haben viele wohlgesinnte Freunde, aber sie müssen auch einen einflussreichen und hartnäckigen Skeptiker in der Staatsregierung überzeugen, dass sie nicht noch ganz andere, weniger friedfertige Ziele verfolgen, als sie öffentlich vorgeben. Für den Verein ZIEM, Zentrum für Islam in Europa München, der von dem Penzberger Imam Benjamin Idriz geleitet wird, steht diese Woche viel auf dem Spiel.

Am Donnerstag wird das Innenministerium den neuen Verfassungsschutzbericht vorlegen. Wird darin erneut die islamische Gemeinde in Penzberg oder sogar der neue Verein ZIEM erwähnt, würde der Plan, in München ein großes islamisches Zentrum mit Moschee, Bibliothek und Akademie zu errichten, wohl in weite Ferne rücken. Der Finanzierungsplan käme ins Wanken. Denn für die potenziellen arabischen Geldgeber ist es wichtig, dass das ambitionierte Projekt nicht nur in München, sondern auch darüber hinaus bei den Landespolitikern gewollt ist.

Am Freitag gingen per Diplomatenpost eine detaillierte Projektbeschreibung und der Finanzierungsplan in die Vereinigten Arabischen Emirate. Am Mittwoch hatte Imam Idriz die Unterlagen im Generalkonsulat in München vorgelegt. Er will, dass die reichen Ölstaaten oder einzelne Repräsentanten das Islamzentrum finanzieren. Besondere Hoffnungen ruhen dabei auf dem Emir des kleinen Scheichtums Sharjah, Sultan bin Mohammed al-Qasimi. Er finanzierte, laut Idriz, nicht nur acht christliche Kirchen in seinem Emirat, er bezahlte auch bereits die spektakuläre, moderne Moschee in Penzberg. Dennoch habe er noch nie Einfluss auf die Gemeindeführung genommen.

Die Einflussnahme ganz anderer Interessengruppen fürchteten dagegen der Verfassungsschutz und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Sie beriefen sich dabei unter anderem auf Protokolle abgehörter Telefongespräche. Idriz war von Vertretern der Islamischen Gemeinde Deutschlands (IGD) und Milli Görüs angerufen worden. Man diskutierte dabei mit dem Imam über dessen öffentliche Distanzierung von islamistischen Strömungen.Anzeige

Seit 2004 wird die Gemeinde in Penzberg im bayerischen Verfassungsschutzbericht genannt. Auch im vergangenen Jahr, obwohl es offenbar keine neuen Erkenntnisse gibt und Idriz jede Gelegenheit nutzt, um die Verankerung der Gemeinde in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu betonen. Um die rufschädigende Nennung zu tilgen, ging er im vergangenen Jahr auch vor das Verwaltungsgericht.

Auch deswegen könnte die Hoffnung, kommende Woche nicht mehr im Verfassungsschutzbericht genannt zu werden, enttäuscht werden. Den Spruch der Verwaltungsrichter fassten nämlich sowohl das Innenministerium wie die Gemeinde als Bestätigung der eigenen Position auf. Das Verhältnis blieb auch nach einem Vieraugen-Gespräch zwischen Idriz und Herrmann angespannt. Nach Informationen der “Welt am Sonntag” ist damit zu rechnen, dass im neuen Verfassungsschutzbericht die gerichtlichen Auseinandersetzungen geschildert werden, ohne dass damit neue Vorwürfe an die Gemeinde verbunden werden. Es wird quasi eine Bestandsaufnahme gemacht. Seitens der Gemeinde sind schon neue gerichtliche Schritte angekündigt, falls sie wieder im Bericht der Verfassungsschützer auftaucht.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die islamische Gemeinde in der oberbayerischen Kleinstadt aber längst ein Modellfall für gelungene Integration. Nicht nur die Kommunalpolitiker, auch Persönlichkeiten wie Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, oder Bundespolitiker wie Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder ausländische Gäste, wie der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor oder die amerikanischen Generalkonsuln, lobten die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Penzberger Muslime.

Bundespräsident Christian Wulff soll Interesse an einem Besuch gezeigt haben. Im vergangenen Herbst hatte er in seiner Rede zum Jahrestag der deutschen Einheit erklärt, dass der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehöre. Bei der CSU kam diese Aussage gar nicht gut an. Bei Wulffs Antrittsbesuch vergangene Woche in Bayern redete er im Landtag den Parteifreunden von der CSU erneut ins Gewissen. “Lassen Sie uns ein wenig weltoffener werden”, riet der Bundespräsident.

“Die Förderung der Identität hier lebender Musliminnen und Muslime in einem Sinn, der dem Islam als friedlicher und an den Werten eines freiheitlichen, modernen Rechtsstaates orientierter Religion verpflichtet ist” hat sich auch der Verein ZIEM auf die Fahnen geschrieben. Dahinter steckt die Idee eines Islam mit europäischem Gesicht, unabhängig von anderen Einflüssen. In München bekommt Imam Idriz deswegen auch große Unterstützung für seine Pläne. Alle Fraktionen im Rathaus haben formell ihre Unterstützung zugesagt. Und es gibt auch schon drei städtische Grundstücke, wo das Islamzentrum entstehen könnte. Dort sollen auch Imame ausbildet werden, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für islamische Studien, das jetzt an der Universität Erlangen-Nürnberg mithilfe des Bundesforschungsministeriums eingerichtet wird.

Für das Münchner Zentrum ist eine Freifläche in zentraler Lage, unweit des Stachus und in direkter Nachbarschaft zum evangelischen Bildungswerk die erste Wahl. ZIEM will hier ein repräsentatives Gemeindezentrum mit Bibliothek und großer Moschee bauen.

Es würde “ein Viereck der Religionen” bilden – mit der evangelischen Matthäuskirche am Sendlinger Tor, der Synagoge am Jakobsplatz und der Marienkirche. Dieser Anspruch kommt allerdings nicht überall gleich gut an. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat sich angeblich bei Ministerpräsident Horst Seehofer für Idriz und seine Pläne starkgemacht. Bei Kardinal Reinhard Marx dagegen soll sich die Begeisterung für die Errichtung eines Islamzentrums in Grenzen halten.

Idriz wirbt für seine Pläne auch mit dem Argument, dass München für die zahlungskräftigen Touristen aus dem arabischen Raum das beliebteste Reiseziel geworden sei. Sie fänden hier aber kein angemessenes Gotteshaus vor. Andererseits ist man bemüht, die Wirkung eines möglichen Islamzentrums in der bayerischen Landeshauptstadt herunterzuspielen. “Hier entsteht keine Europazentrale. Es darf nicht als Vorposten des Islam in Europa missverstanden werden”, sagt der Religionswissenschaftler Jakob Wimmer, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Vielmehr soll eine “bisher nicht geglückte Integration” gefördert werden.

In München leben rund 80 000 Muslime, das sind sechs Prozent der Bevölkerung. Die meisten kommen aus der Türkei oder den Ländern des ehemaligen Jugoslawien. Vor einem Jahr scheiterte nach langen Planungen und vielen Kontroversen ein großes Moschee-Projekt eines türkisch dominierten Vereins in München. Es gebe aber auch eine große Zahl von Muslimen, die nicht an Vereine oder Organisationen gebunden sind, und deswegen lieber in einer am Europa-Islam orientierten Moschee beten würden. Dass sie aber auch das Geld für das Islamzentrum aufbringen können, ist unwahrscheinlich: “Die Verbände haben selber Probleme”, sagt Memduh Kapicibasi, Sprecher des Muslimrats in München. Mit Baukosten von 20 bis 30 Millionen Euro rechnet ZIEM- und hofft, dass vielleicht auch Sponsoren aus Bayern symbolisch den einen oder anderen Baustein kaufen. Eigenkapital hat der Verein nicht.

Eine erneute Nennung der verwandten Penzberger Gemeinde im Verfassungsschutzbericht dürfte die Akzeptanz nicht erhöhen. Gleichzeitig haben die Angriffe radikaler Islamgegner zugenommen. Idriz berichtet von zunehmenden Beleidigungen und Störungen der Veranstaltungen. “Das macht mir Angst.” Die Gegner sähen sich durch das Vorgehen des Innenministeriums bestärkt. Es sei bedauerlich, dass sich keine staatliche Behörde gegen diese Vorkommnisse positioniert.

Quelle: http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article12654332/Woche-der-Entscheidung.html


Jung, ledig, Muslima sucht…

Die Datingseite muslimlife.eu richtet sich exklusiv an Muslime. Integrationsforscher und Religionsgelehrte sind sich einig: Die Möglichkeit, sich im Netz einen Partner zu suchen, kann arrangierte Ehen verhindern.

Rose-moon sucht einen Mann. Weltoffen, humorvoll und belesen soll er sein, sich niveauvoll unterhalten können, beispielsweise über Weltpolitik. „Soweit mein Katalogwunsch“, schließt Rose-moon ihre Kontaktanzeige im Internet. Weiter unten stehen Angaben zur eigenen Person, „Mein Gewicht: ein paar Kilos zuviel. Meine Ernährung: Fleisch und Kartoffeln. Mein Rauchstatus: Ja, regelmäßig.“

Abgesehen von der Ehrlichkeit in Bezug auf Gewicht und Essgewohnheiten wäre nichts ungewöhnlich an dieser Kontaktanzeige, gäbe es nicht ein paar weitere Zeilen: „Meine Konfession: Sunnit“ steht da, außerdem Angaben, wie regelmäßig der Koran studiert wird: „meine Pilgerfahrt: So Gott will als Nächstes“. Rose-moon ist Muslima und sucht einen Partner, der neben den Hobbys auch die Religion mit ihr teilt.

Damit ist Rose-moon eine von 94 000 Usern, die sich auf der Plattform muslimlife.eu angemeldet haben. Cüneyit Tirgil hat die Seite gemeinsam mit Kadir Yücel im Jahr 2007 gegründet. Beide wurden vor 31 Jahren in Deutschland geboren, kennen sich, seit sie gemeinsam in Hamm zur Schule gingen, und schlossen ihr Wirtschaftsinformatik-Studium mit der selben Note ab. Aus den Freunden wurden Geschäftspartner, als ihnen ein gemeinsamer Bekannter von einer ähnlichen Seite erzählte, die es in England gibt.

Geeigneten Partner nach der Postleitzahl aussuchen

Die User von muslimlife.eu kommen inzwischen aus der ganzen Welt. Die größten Gruppen, so Tirgil, stellen Nutzer aus der Türkei und aus Deutschland. Gerade für junge Menschen, die fernab der großen Ballungszentren wohnen, sei die Seite ideal: Um einen Partner zu finden, dessen Aufassung des Glaubens zu ihnen passt. „Und bei uns ist wirklich alles vertreten – von sehr Religiösen bis hin zu Leuten, die zwar Muslime sind, aber säkular leben“, sagt Tirgil, der sich als einen liberalen Gläubigen beschreibt. Rose-moon zum Beispiel hat über sich angegeben, nur manchmal zu fasten und zu beten, Alkohol trinkt sie hingegen nicht.

Ansonsten unterscheidet muslimlife.eu kaum etwas von anderen Partnervermittlungsseiten. Die Nutzer können zwischen einer kostenlosen Basis- und einer Premium-Mitgliedschaft für 6,90 Euro pro Monat wählen, Profile samt Bildchen von sich anlegen, sich Nachrichten zukommen lassen und einen geeigneten Partner nach der Postleitzahl suchen.

Dass dennoch Bedarf für ein Datingportal besteht, das sich ausschließlich an Muslime richtet, kann Dany E. aus Süddeutschland bestätigen. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, sein Vater stammt aus Ägypten, seine Mutter ist deutsche Konvertitin. „Es ist schwierig, in einem Land mit überwiegend nicht-muslimischen Menschen einen passenden Ehepartner zu finden. In der heutigen Zeit muss man andere Wege gehen.“ Der Islam sei für ihn sehr wichtig, ergänzt er, und auch entscheidend bei der Partnerwahl. Über Muslimlife fand er in Mona eine Gleichgesinnte. Nach den ersten Onlinekontakten traf sich der 27-Jährige mit seiner Chat-Bekanntschaft und ihrer Familie – wie es die islamische Tradition verlangt. Sie verstanden sich auf Anhieb, die Verlobung folgte, sechs Monate später dann die Hochzeit.

„Die User sollten schon eine ernste Heiratsabsicht haben und nicht nach schnellem Spaß suchen“, sagt Muslimlife-Gründer Cünyet Tirgil. Deshalb überprüfen Tirgil, Yücel und die zwei Auszubildenden, die sie mittlerweile angestellt haben, jedes neue Nutzerprofil. Nur Nutzern mit ernsten Heiratsabsichten Zugang zu ihrem Datingportal zu gewähren, war auch Tirgil und Yücels wichtigstes Argument gegen Muslime, die in der Seite Anstiftung zur Sünde sahen. Der Ansatz überzeugte auch Hayrettin Karaman, einen türkischen Professor für religiöses Recht. Karaman untersucht neue Gesellschaftsphänomene auf deren Verträglichkeit mit dem Islam, in Sachen muslimlife.eu fiel seine „Fatwa“ positiv aus.

Ohne gemeinsame Mentalität geht es nicht

Ähnlich sieht das Benjamin Idriz, Imam der Islamischen Gemeinde im oberbayrischen Penzberg. Idriz predigt eine offene Version des Islams, hält aber auch Kontakt zu strenggläubigen Muslimen. So wird er paradoxerweise von der Politik als Dialogpartner hofiert, gleichzeitig aber auch vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet. Fragt man Idriz zu seiner Meinung zu Seiten wie muslimlife.eu, antwortet er mit einer kleinen Geschichte: Eines Tages sei eine junge Frau zum Propheten gekommen, die der Vater gegen ihren Willen in der Familie verheiraten wollte. Mohammad bestellte den Vater ein und stutzte ihn zurecht: Im Islam gelte, dass alle Frauen „frei sind, ihren Ehemann selbst zu wählen“, sagte der Prophet.

Haci-Halil Uslucan läge es fern, theologisch zu argumentieren. Der Integrationsforscher, der an der Universität Essen das Zentrum für moderne Türkeistudien leitet, vertritt die säkulare Version Idriz’ Gedankens: „Durch solche Seiten wird der Partnermarkt auch für junge Muslime stärker geöffnet“, sagt er. „Sie können individueller suchen und sich mehr auf ihre Wünsche und Vorlieben fokussieren.“ Sein Kollege Werner Schiffauer, Sozialanthropologe und Spezialist für Fragen zur Integration von Muslimen an der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder, sagt es direkter: „So eine Seite ist ein konkretes Mittel, um arrangierte Ehen zu verhindern.

“Doch stellen Seiten wie muslimlife.eu nicht auch ein Integrationshinderniss dar? Schließlich fördern sie ausschließlich Ehen innerhalb einer Religionsgemeinschaft und könnten so zur Separation der Muslime von der Mehrheitsgesellschaft beitragen. Die beiden Wissenschaftler sehen diese Gefahr nicht. Jedes gesellschaftliche Milieu suche schließlich unter Seinesgleichen nach Partnern, ob nun Heavy-Metal-Fans, Akademiker oder eben Muslime. „Aber ohne eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Mentalität geht es nicht“, betont Mona. Einen Muslim aus dem Ausland zu heiraten, kam für die 23-jährige Deutsche mit syrischen Wurzeln nicht in Frage. Ihr Ehemann Dany ist wie sie hier aufgewachsen. Die gemeinsame Alltagssprache ist Deutsch, auch wenn beide Arabisch sprechen. (mit dapd)

Quelle: http://www.fr-online.de/panorama/jung–ledig–muslima-sucht—/-/1472782/7325196/-/index.html


Rückendeckung für Penzberger Muslime

Von Frederik Obermaier Süddeutsche Zeitung

Zeugt die Nennung der islamischen Gemeinde Penzberg in den Verfassungschutzbericht von einer “grundsätzlich islamophoben Einstellung” des Geheimdienstes? Politiker warnen vor einer Islam-Furcht.

Gemeinsam gegen den Verfassungsschutz: In der Debatte um die Islamische Gemeinde Penzberg (IGP) formieren sich die Unterstützer für das muslimische Zentrum. Die Nennung der IGP im bayerischen Verfassungsschutzbericht sei “völlig verfehlt” und Folge einer “grundsätzlich islamophoben Einstellung” des Geheimdienstes, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Susanna Tausendfreund am Samstag bei einer Podiumsdiskussion der Georg-von-Vollmar-Akademie in Kochel.

“Im Handeln der Islamischen Gemeinde in Penzberg findet sich meines Erachtens nicht der geringste Ansatz für eine zu vermutende oder für eine tatsächliche Verfassungsfeindlichkeit”, betonte der Landtagsabgeordnete Florian Ritter (SPD). Dass die Penzberger Gemeinde seit 2008 im Verfassungsschutzbericht aufgeführt ist, sei auf die “parteipolitisch motivierte Einflussnahme” der CSU zurückzuführen.

Auf dem Podium saß auch der Münchner Rechtsanwalt Hildebrecht Braun. Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete kämpft seit Jahren für die Islamische Gemeinde Penzberg. Er hat bereits auf juristischem Weg versucht, dass die Gemeinde aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird – bislang ohne Erfolg. Unter dem Punkt “Islamistische/islamistisch-terroristische Bestrebungen” steht die IGP weiterhin in dem Bericht.

Bei der Veranstaltung in Kochel versuchte Braun es am Samstag nun mit Provokation und Ironie: “Hier sehen Sie einen Verfassungsfeind – so schaut er aus”, rief er den rund Zuhörern zu und zeigte auf den Vorsitzenden der Penzberger Gemeinde, Bayram Yerli. “Er hat diese dunklen Haare und die dunklen Augen, den Dreitagebart und dann keine Krawatte – also es spricht schon viel dafür.”Status der Gemeinnützigkeit verloren

Der Verfassungsschutz sehe in Yerli zwar einen Feind, in Wirklichkeit jedoch müsse der Freistaat dem Gemeindevorsitzenden dankbar sein. Das Islamische Forum in Penzberg sei ein “Leuchtturm der Integration in Bayern”, Yerli verdiene dafür den bayerischen Verdienstorden, so Braun: “Dieser Mann hat Unglaubliches geleistet für unsere bayerische Gesellschaft.”Die Folgen der Nennung im Verfassungsschutz seien gravierend, erklärte Braun: Die Gemeindemitglieder hätten Probleme bei der Einbürgerung – so sei auch Yerli bis heute kein deutscher Staatsbürger. Aufgrund einer internen Anordnung des Kultusministeriums dürften auch Schulklassen die Penzberger Moschee nicht mehr besuchen.

Zudem habe die Gemeinde den Status der Gemeinnützigkeit verloren, es drohten Steuernachzahlungen auf bereits erhaltene Spenden. “Das würde im Klartext heißen, dass die Gemeinde pleite wäre.”

Für den Fall, dass die Penzberger Gemeinde auch im Verfassungsschutzbericht 2010 steht, der im März erscheint, kündigte Braun erneut Klagen an. Ein Podiumsteilnehmer riet ihm ab, vor den bayerischen Verfassungsgerichtshof zu ziehen. “Wenn, dann geht nach Karlsruhe, da sind die Chancen sehr viel besser”, sagte Klaus Hahnzog. Er ist Mitglied des bayerischen Verfassungsgerichts.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war zu der Diskussion in Kochel eingeladen. Er kam jedoch nicht. Am Freitagabend hatte Alois Glück, der Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken und ehemalige Landtagspräsident, in München das neue Buch des Penzberger Imams Benjamin Idriz vorgestellt.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/politik/islamische-gemeinde-rueckendeckung-fuer-penzberger-muslime-1.1035276


Deutsche Muslime verurteilen Massaker an Christen

Von Jörg Lau

Es treffen auch Tage nach dem Anschlag von Alexandria immer noch neue Bekundungen des Abscheus von muslimischer Seite ein.  Ein paar Kernaussagen seien hier zusammengestellt (nur deutsche Quellen):

Der Koordinationsrat der Muslime schrieb am Samstag auf seiner Website:Der Koordinationsrat der Muslime verurteilt diesen feigen und schrecklichen Anschlag auf das Schärfste. Der Sprecher des KRM Erol Pürlü äußerte sich bestürzt: „Wir verurteilen diesen schrecklichen und unmenschlichen Anschlag auf das Schärfste. Wer Menschen so hinterhältig und grausam Schaden zufügt und ermordet, kann sich auf keine Religion oder eine andere Weltanschauung berufen. Der Koran fordert den Schutz des Lebens und den Schutz von Gotteshäusern.“
Sure 22, 40: „Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt hätte, so wären fürwahr Mönchsklausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen zerstört worden, in denen Allahs Name häufig genannt wird.“

Der Penzberger Imam Benjamin Idriz schreibt zum gleichen Thema:Als Imam und Vorsitzender des „Zentrums für Islam in Europa – München (ZIE-M)“ habe ich immer und immer wieder bekräftigt,
– dass Terror durch nichts auf der Welt zu rechtfertigen ist,
– dass diejenigen, die Anschläge verüben, Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit begehen,
– dass das Ansehen unserer Religion, die den Frieden im Namen führt, durch die sinnlosen und verbrecherischen Taten verblendeter Gewalttäter geschändet und entstellt wird.
Mit den Mitgliedern des ZIE-M bin ich entsetzt und fassungslos, was unseren christlichen Brüdern und Schwestern in Alexandria angetan wurde.
Wir rufen denjenigen zu, die in Hass und Gewalt involviert sind, oder die dazu neigen, solche Verbrechen zu verharmlosen anstatt sie in aller
Schonungslosigkeit beim Namen zu nennen: Hört auf mit Eurem Tun und hört auf, Euch dabei auf Gott und auf unsere Religion zu berufen! Terror ist niemals eine Lösung, aber immer eine Sünde. Jeder Angriff auf eine Kirche – oder eine Synagoge – ist wie ein Angriff auf eine Moschee: eine Sünde und ein Verbrechen.
Im Namen Gottes und der Menschen:
denkt nach, glaubt an die wahre Botschaft des Islam und verbreitet Frieden! Wer sich bei solchem Tun auf Gott und auf unsere Religion beruft, stellt sich
in Wahrheit gegen Gott und gegen den Islam. Deshalb rufen wir auch alle Glaubensbrüder und -schwestern auf, keinesfalls aus falsch verstandener Solidarität potentielle Täter zu schützen oder ihr Tun zu verharmlosen! Der Islam gebietet uns, für die Sicherheit der Menschen in jedem Land, in dem wir leben, einzustehen. Deshalb ist für uns gemeinsameWachsamkeit mit allen friedliebenden Menschen ebenso wie mit den zuständigen Behörden eine Selbstverständlichkeit. Gemeinsam müssen wir gegen Extremismus, gegen Gewalt wie gegen radikale Gesinnungen eintreten, egal gegen wen sie sich richten.

Der Koptisch-Orthodoxen Gemeinde in München drücken wir unsere Solidarität, unsere Betroffenheit und unser tief empfundenes Mitgefühl aus.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Brüdern und Schwestern in Ägypten, dass Sie trotz des Entsetzens und der Trauer eine friedvolle Weihnacht feiern können und mit Gottes Segen ein Jahr der Aufrichtigkeit, des Miteinanders und der Überwindung von Konflikten gelingen wird!

Der “Liberal-Islamische Bund” schreibt:Der Liberal-Islamische Bund verurteilt diesen heimtückischen Angriff auf das Schärfste. Dabei sehen wir uns an der Seite vieler Musliminnen und Muslime in Deutschland und in aller Welt. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Möge Gott ihnen allen die Kraft und Stärke geben, die nötig ist, um das Erlebte zu ertragen. Wir trauern in der Hoffnung, dass sich alsbald niemand mehr finden wird, dieses blutige Werk fortzuführen.Im Internet kursieren Bekennerschreiben von al-Qaida nahen Gruppierungen. Sollten die Täter ihre mörderischen Pläne unter Berufung auf den Islam durchgeführt haben, so möchten wir hier klarstellen, dass es dafürkeine theologische Rechtfertigung gibt. Der schreckliche Anschlag ist die Tat von feigen Fanatikern, die den rechten Weg längst verlassen haben.

Es liegt an uns allen, unmissverständlich klarzustellen, dass niemand im Auftrag Gottes handeln kann, wenn er andere Menschen ermordet. Es liegt an uns allen, solche Verbrechen beim Namen zu nennen und die Täter aus unserer Gemeinschaft auszuschließen. Es liegt an uns allen, den Tätern deutlich zu machen, dass sie keine Sympathie und keine Solidarität für ihr Handeln erfahren werden.

Die Antwort auf den Terror und auf das Schüren von religiösem Hass kann jetzt nur sein, dass sich Christen und Muslime gemeinsam wehren und sich nicht spalten lassen. Wir appellieren an die ägyptische Regierung, ernsthafte Schritte zu unternehmen, um die strukturelle Diskriminierung von Kopten und anderen religiösen Minderheiten in ihrem Land zu überwinden.

Das “Forum für Interkulturellen Dialog e.V.“, das dem türkischen Prediger Fethullah Gülen nahesteht,“verurteilt den Bombenanschlag von Alexandria auf das schärfste. Es gibt keine im Islam begründete, theologische Rechtfertigung für eine solche Tat. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.
Fethullah Gülen zu Terror im Islam:

Muslime sollten sagen: „Im wahren Islam gibt es keinen Terror.“ Niemand darf einen Menschen töten. Niemand darf einen Unschuldigen töten, selbst im Krieg ist das verboten. Niemandem steht es zu, zu diesem Thema ein Urteil zu erstellen. Niemand darf sich als Selbstmordattentäter betätigen. Niemandem ist es erlaubt, mit Bomben am Körper in eine Menschenmenge zu stürmen. Völlig unabhängig von der Religionszugehörigkeit der Menschen in jener Menge verbietet dies die Religion. Selbst im Kriegsfall ist das nicht erlaubt. Der Islam ist eine gerechte Religion, die auch richtig gelebt werden sollte. Es wäre definitiv falsch, auf dem Weg zum Islam von sinnlosen Ausreden Gebrauch zu machen. Wenn das Ziel, das man verfolgt, ein gerechtes Ziel ist, dann sollten auch die Mittel zur Erreichung dieses Ziels gerecht sein. Aus dieser Perspektive betrachtet, kann niemand dadurch ins Paradies eingehen, dass er einen anderen tötet. Kein Muslim kann sagen: „Ich werde einen Menschen töten und dann ins Paradies eingehen.“ Die Akzeptanz des Willens Gottes verdient man sich nicht dadurch, dass man andere Menschen tötet. Ein wahrer Muslim, der den Islam in all seinen Aspekten versteht, kann kein Terrorist sein. Jemand, der sich an terroristischen Aktivitäten beteiligt hat, kann kaum ein Muslim bleiben. Die Religion billigt es nicht, einen Menschen zu töten, um ein Ziel zu erreichen.

Und schließlich, this just in, schreibt die Religionsgemeinschaft des Islam Baden Württemberg:Als Religionsgemeinschaft des Islam verurteilen wir die Anschläge auf Christen und andere Minderheiten in muslimischen Ländern aufs Schärfste. Es ist höchst bedauerlich und inakzeptabel, dass Menschen aufgrund ihres Glaubens diskriminiert werden und dass ihnen sogar das Lebensrecht abgesprochen wird.
Nach islamischem Glauben stehen Menschen, die unschuldigen Menschen nach dem Leben trachten, außerhalb des Islam. Sie sind durch Gehirnwäsche manipulierte Menschen, die alle anderen als Feinde sehen, die nicht wie sie denken und glauben.
Der Islam verbietet solche intolerante, inhumane Aktionen und Auffassungen. Kein aufrichtiger gläubiger Muslim würde sich jemals zu einer solchen Untat  hinreißen lassen.
Wir kennen solche Menschen mit verzerrtem Glaubensbild zu genüge. Daher ist unser Anliegen die Aufklärung der Muslime hier wie dort.

Quelle: http://blog.zeit.de/joerglau/2011/01/05/deutsche-muslime-verurteilen-massaker-an-christen_4446


Einen Schritt näher gekommen

Penzberger Imam Idriz und Innenminister Herrmann diskutieren unter vier Augen

Penzberger Imam Idriz und Innenminister Herrmann diskutieren unter vier Augen

Penzberg/München (la) – Lange hat es gedauert, bis es letztlich zustande kam. Doch am Montag war es endlich soweit: Benjamin Idriz, der Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann trafen sich zu dem von Muslimen herbei gesehnten Vieraugengespräch. Und plötzlich scheint eine Annäherung der beiden Seiten nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Auch wenn Idriz und Herrmann keine konkreten Vereinbarungen getroffen haben, so zieht der Imam doch eine unerwartet positive Bilanz: „Das Gespräch war gut, der Minister hat mir sehr aufmerksam zugehört.“ Möglicherweise führt dies nun sogar zu einer Lösung im Streit um die Erwähnung der Islamischen Gemeinde Penzberg im Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes.

Rund 75 Minuten dauerte die Unterredung im Münchner Innenministerium, in deren Mittelpunkt nicht nur der Verfassungsschutzbericht, sondern auch die Imam ausbildung (die Idriz in München erstmals in deutscher Sprache realisieren will) sowie die Integration der Muslime ganz allgemein standen. Darüber hinaus haben beide über ein mögliches Treffen aller islamischen Gemeinden in Bayern mit dem Minister diskutiert. Darüber schwebt wie ein Damoklesschwert aber immer noch die Erwähnung der Islamischen Gemeinde im Verfassungsschutzbericht. Darin werden Idriz und Bayram Yerli, dem Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde, unter anderem telefonische Kontakt mit Ibrahim el-Zayat, dem ehemaligen Vorsitzenden der als verfassungsfeindlich eingestuften Islamischen Gemeinde in Deutschland (IGD) vorgeworfen. „Andere Vorwürfe gibt es aber nicht“, so Idriz, der dem Innenminister aber verdeutlichte, dass selbst Vertreter der Staatskanzlei im Jahr 2006 in direktem Kontakt mit el-Zayat gestanden waren.

Herrmann wiederum habe bei dem Gespräch auf die Islamische Gemeinde in Erlangen verwiesen, die einst ebenfalls im Verfassungsschutzbericht erwähnt worden war, mittlerweile aber nicht mehr darin auftaucht. Darauf setzt nun auch Idriz. Er hofft, dass die Islamische Gemeinde im kommenden Jahr darin nicht mehr auftaucht, „sofern sich keine weiteren Anhaltspunkte ergeben“. Zwar hat Herrmann hierzu keine Zusagen gemacht, gleichwohl erklärt er: „Jedes Beobachtungsobjekt erfährt durch klare und überzeugende Distanzierung von verfassungsfeindlichen Bestrebungen und durch Vermeidung von Kontakten mit verfassungsfeindlichen Institutionen und Personen eine Neubewertung durch den Verfassungsschutz. Deshalb überlegt die Islamische Gemeinde nun, solange auf weitere juristische Schritte gegen den Freistaat Bayern zu verzichten, bis im Frühjahr 2011 der nächste Verfassungsschutzbericht vorgestellt wird. „Das wäre ein Signal, dass wir den Streit endgültig beilegen wollen“, sagt Idriz.

André Liebe

Quelle: www.dasgelbeblatt.de


Annäherung in Penzberg

Innenminister trifft Vertreter der islamischen Gemeinde

München – Im Konflikt zwischen der Islamischen Gemeinde Penzberg und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) scheint eine Annäherung zu gelingen. Am Montagabend trafen sich der Imam der Gemeinde, Benjamin Idriz, und Hermann im Ministerium zu einer persönlichen Aussprache. ‘Unsere Unterredung war sehr konstruktiv’, sagte Idriz anschließend der Süddeutschen Zeitung, ‘ich bin darüber sehr froh.’ Der Minister habe ‘in Aussicht gestellt, uns aus dem bayerischen Verfassungsschutzbericht 2010 zu streichen’. Voraussetzung sei, dass keine Erkenntnisse über islamistische Umtriebe vorlägen. Das Ministerium wollte sich am Montag auf Anfrage nicht zu dem Gespräch äußern.

Der Streit hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil Imam Idriz maßgeblich an der Planung des ZIE-M beteiligt ist, des geplanten ‘Zentrums für Islam in Europa’, das in München entstehen soll. Er gilt als einer der bekanntesten reformorientierten Imame Deutschlands. Viele Prominente und sogar Teile der CSU hatten Herrmann aufgefordert, die Gemeinde aus dem Bericht zu streichen. Der Verfassungsschutz hatte Idriz jedoch auf der Basis abgehörter Telefonate Kontakte zu führenden Mitgliedern von Milli Görüs und der Islamischen Gemeinschaft Deutschland (IGD) vorgeworfen, die als verfassungsfeindlich orientiert gelten. Herrmann hatte Idriz sogar der Lüge bezichtigt, weil dieser diese Kontakte geleugnet haben soll. Idriz wiederum hatte betont, er habe die Kontakte niemals bestritten, diese seien auch nicht verdächtig

Joachim Käppner

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/u52381/3581592/Annaeherung-in-Penzberg.html


Bischof Friedrich stellt sich hinter Penzberger Muslime

München (epd). Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat die islamische Gemeinde Penzberg erneut gegen den Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit in Schutz genommen. Er glaube den Verantwortlichen, dass es keine Kontakte zu islamistischen Organisationen gebe, schreibt Friedrich in einem Beitrag für das evangelische Monatsmagazin “chrismon” (September-Ausgabe). Letztendlich könne er aber nicht beurteilen, was an den Vorwürfen im bayerischen Verfassungsschutzbericht dran sei. “Beurteilen kann ich aber, was die Vertreter der Gemeinde öffentlich sagen, was sie tun, was sie reden, wie sie sich verhalten. Und da kann ich nur sagen: Genau so wünsche ich es mir von allen muslimischen Gemeinden in Deutschland”, schreibt Friedrich: “Würden alle sich so geben, wären wir in der Integration ein großes Stück weiter.”

Friedrich erläuterte, dass ihn die Offenheit der Gemeinde und von Imam Benjamin Idriz bei einem Besuch in der oberbayerischen Kleinstadt sehr überzeugt hätten. Bei der Kommune und den beiden christlichen Ortsgemeinden seien die Muslime sehr angesehen. “Nur der Staat hält es für denkbar, dass die Penzberger Muslime doch verkappte Islamisten sind”, schreibt der evangelische Bischof.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte Ende Juli eingeräumt, dass in der islamischen Gemeinde Penzberg zwar sehr viel positive Arbeit geleistet werde. Doch täusche Imam Idriz die Öffentlichkeit, wenn er Kontakte zur Islamischen Gemeinde Deutschland und zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs bestreite. Die beiden Organisationen werden von Verfassungsschützern als verfassungsfeindlich eingestuft.

Quelle: http://www.epd.de/bayern/bayern_index_78729.html


IGP: “Wir sind kein Trojanisches Pferd”

Die Islamische Gemeinde Penzberg (IGP) gilt als besonders aufgeschlossen und dialogbereit. Daher wird sie regelmäßig als Vorzeigegemeinde in Sachen Integration tituliert. Ausgerechnet diese Gemeinde geriet ins Visier der Verfassungsschützer – eine Ermunterung für so manche islamfeindliche Gruppierung.

Der moderne Stil der Penzberger Moschee vermittelt zwischen Orient und Okzident. Der Bau des Augsburger Architekten Alan Jasarevic ist inzwischen überregional bekannt. Regelmäßig wird er von Schulklassen zum Anschauungsunterricht besucht. Das 50 Kilometer südlich von München gelegene Penzberg gilt als Musterbeispiel für die Eingliederung von Muslimen. Alle Stadtratsfraktionen und die christlichen Kirchen lobten die Integrationsleistung in der 16.000-Einwohner-Stadt als herausragend.

Behörden raten von Moschee-Besuch ab

Doch derzeit kommen keine Schulbusse mehr nach Penzberg, sagt Benjamin Idriz, Imam der IGP. Hintergrund ist eine “dringliche Empfehlung” der Regierung von Oberbayern. Deren Pressesprecher bestätigte, dass man Schulen vor einem geplanten Moscheebesuch um Rücksprache bäte, denn man lege “Wert darauf, dass Klassen nur Moscheen besuchen, die nicht umstritten und daher nicht im Fokus stehen.”

Zitat "Wir bedauern, dass in einem demokratischen Staat so etwas vorkommt." Idriz über die "dringliche Empfehlung" an Schulen, nicht die Penzberger Moschee zu besuchen.Zitat “Wir bedauern, dass in einem demokratischen Staat so etwas vorkommt.” Idriz über die “dringliche Empfehlung” an Schulen, nicht die Penzberger Moschee zu besuchen.

Die IGP steht aber im Fokus. Sie wird seit 2007 im bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Wegen angeblicher Kontakte zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) und zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD). Beide stehen ihrerseits im Visier der Verfassungsschützer: als “extremistische Organisationen”, die “das Ziel einer islamistischen Parallelgesellschaft in Deutschland” verfolgten. Der IGP-Vorsitzende Bayram Yerli war einst tatsächlich bei Milli Görüs. Doch er habe sich davon distanziert, die Mitgliedschaft kündigte er 2006.

Die IGP betont immer wieder, dass für sie Integration im Vordergrund stehe, dass sie zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik stehe, für Gleichberechtigung von Mann und Frau eintrete. Die Verfassungsschützer pickten sich ausgerechnet eine Gemeinde heraus, die offenbar mit islamistischem Fundamentalismus nichts am Hut hat.Islamfeindliche Hetze in Penzberg

Islamfeindliche Hetze in Penzberg

Um so größer der Image-Schaden für die IGP durch die Erwähnung im Bericht: “Stellen Sie sich vor, wie das auf einen Leser wirkt, wenn gleich unter der Überschrift ‘Islamistisch-terroristische Bestrebungen’ der Name Penzberg auftaucht”, beklagt Idriz. Auf manche islamfeindliche Gruppierungen wie “Politically Incorrect” womöglich wie ein Freibrief. “Am Karfreitag waren Leute von ‘Politically Incorrect’ in Penzberg. Sie verteilten Broschüren, in denen stand: ‘Wissen Sie, dass die IGP im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird’?”, berichtet Idriz.

Innenminister Joachim Herrmann, dem der Verfassungsschutz untersteht, verteidigte jedoch im März 2010 die erneute Erwähnung der IGP. Der CSU-Politiker räumte zwar ein, dass die Gemeinde vernünftige Arbeit leiste, doch einzelne IGP-Funktionäre hätten ständigen Kontakt zu extremistischen Ausländerorganisationen. Bei der IGP handele es sich um eine Art Trojanisches Pferd, so Herrmann. Unter diesem Gesichtspunkt müsse man auch die Pläne der IGP sehen, in München das Islam-Zentrum ZIEM mit Moschee und Imam-Akademie zu errichten. Dem widerspricht Idriz heftig: “Wir sind kein Trojanisches Pferd”.

Eilantrag mit Langzeitwirkung

Die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht hat für die IGP, gegen die im Übrigen strafrechtlich nichts Relevantes vorliegt, auch die Konsequenz, dass ihr der Status der Gemeinnützigkeit aberkannt wurde. Mitgliedsbeiträge und Spenden können dadurch nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden. Ein Rechtsanwalt der IGP legte im Mai 2009 Einspruch gegen die Erwähnung ein – per Eilantrag. Doch das Verwaltungsgericht hat bis jetzt nicht darüber entschieden. “Diese Verzögerung bereitet uns große Sorge”, so Idriz.

Quelle: http://www.br-online.de/aktuell/penzberg-islamische-gemeinde-verfassungsschutz-ID1271341843792.xml


Muslime in München Wieder Hoffnung auf eine Moschee

Eine repräsentative Moschee für München. Nachdem der geplante Bau in Sendling ad acta gelegt ist, hat ein anderes Projekt Aufwind erhalten: ein Islamzentrum mit Gebetshaus und – das wäre ein Novum in Deutschland – mit einer Akademie zur Imam-Ausbildung.

Wie der Streit um die Sendlinger Moschee am Gotzinger Platz wieder einmal zeigte, wird die Größe eines islamischen Gotteshauses hierzulande schnell zum Zankapfel. Oder die bloße Existenz eines Minaretts, wie die Schweizer demonstrierten.

In welchen Dimensionen, in welcher Gestalt und wo sich die geplante neue Münchner Moschee präsentieren wird, steht noch nicht fest. Nur so viel ist klar, sie wäre Teil eines islamischen Gebäudekomplexes, der etwa 6.000 Quadratmeter umfassen und im innerstädtischen Bereich liegen soll. Das Projekt nennt sich ZIEM: “Zentrum für Islam in Europa – München”. Der Name ist Programm, das Projekt soll von internationalem Zuschnitt sein.

"Noch moderner als Penzberg"

“Noch moderner als Penzberg” Den Initiatoren schwebt ein moderner Islam vor, der auf Integration setzt, der mit den Werten der westlichen Gesellschaft vereinbar und ohne Einflussnahme der einstigen Herkunftsländer der Muslime ist. Dennoch soll deren islamische Identität gewahrt bleiben. ZIEM-Hauptinitiator ist Benjamin Idriz, Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg (IGP), die als Vorzeigegemeinde bei der Integration von Muslimen gilt und keinem der großen islamischen Dachverbände in Deutschland angehört.

Was die Moschee betriff, so soll sie laut Idriz der erste repräsentative Bau Münchens sein, wo immerhin rund 100.000 Muslime leben. Er wünscht sich ein einladendes, nicht provozierendes Gebäude. Die Architektur dürfe sich, ohne eine Kopie zu werden, von der Moschee im oberbayerischen Penzberg inspirieren lassen, deren Weiterentwicklung des traditionellen Stils internationale Beachtung fand. Idriz würde Penzberg sogar toppen wollen: “Die Münchner Moschee soll noch moderner werden.” Sollte das ZIEM Realität werden, hätten nach den Juden mit der neuen Synagoge auch die Münchner Muslime ein sichtbares Zentrum.

Münchner Rathaus pro ZIEM – auch die CSU

Und die Chancen dafür steigen womöglich nach dem Aus für die Moschee am Gotzinger Platz. Alle Stadtratsfraktionen außer der rechtsextremen Bürgerinitiative Ausländerstopp sprachen sich im März 2010 fürs ZIEM aus. Auch die CSU, noch vehemente Gegnerin der Sendlinger Moschee, ist mit im Boot. Laut Fraktionschef Josef Schmid bietet ZIEM eine “historische Chance”. Fürsprecher sind unter anderem auch der frühere Landtagspräsident Alois Glück (CSU) und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

Bibliothek, Museum – und Akademie

Das Zentrum wird nach dem Willen der Initiatoren neben der Moschee eine öffentliche islamische Bibliothek, ein Islam-Museum, einen Kindergarten und einen Seniorenbereich bieten. Kernstück des Projekts soll jedoch eine Akademie zur Ausbildung von Imamen sein.

Eine theologische Ausbildung für Imame gibt es in Deutschland bislang nicht. Eine solche will Idriz kommenden Generationen durch die Akademie ermöglichen. Vorbild ist für ihn die islamisch-theologische Fakultät in Sarajevo, die er 2009 zusammen mit einer Münchner Delegation, darunter auch Bürgermeister Hep Monatzeder, besuchte. Neben der Ausbildung von neuen steht auch die Fortbildung von schon praktizierenden Imamen auf dem Programm. Ihnen sollen Sprach- und Kulturkompetenz sowie Kenntnisse des deutschen Bildungssystems vermittelt werden.

Imam-Ausbildung in deutscher Sprache

Die Imam-Ausbildung in München soll in deutscher Sprache erfolgen, der Lehrplan mit dem Kultusministerium abgestimmt werden. Damit wäre die Transparenz gewährleistet, die so manchem Islamismus-Kritiker abgeht, der in den vielzitierten Hinterhofmoscheen den einen oder anderen Hassprediger vermutet. Auch eine Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität wurde bereits ins Spiel gebracht.

Eine Einrichtung wie das ZIEM könnte auch den Vorstellungen des Wissenschaftsrates entsprechen. Dieses Beratergremium der Bundesregierung empfahl im Februar 2010, die Ausbildung von Imamen an Hochschulen zu verankern. Bislang gibt es nur die Ausbildung von islamischen Religionslehrern als Modellversuch in Erlangen, Frankfurt, Münster und Osnabrück.

Wenn es nach Idriz geht, soll das ZIEM innerhalb der nächsten zehn Jahre gebaut werden. Einen Finanzplan gibt es noch nicht. Man hofft auf Spenden sowie Zuschüsse von Stadt und Staat. Wenn das nicht reichen sollte, würde Sultan bin Muhammad al-Qasimi einspringen. Der Emir von Schardscha, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört, war bereits Geldgeber für die Penzberger Moschee.

Einen Kontrapunkt im Chor der ZIEM-Befürworter gibt es doch: das bayerische Innenministerium. Hintergrund ist, dass die IGP seit 2007 im Verfassungsschutzbericht auftaucht: wegen extremistischer Islam-Organisationen, zu denen die Penzberger Gemeinde angeblich Kontakte unterhält. Daher sei die IGP eine Art Trojanisches Pferd, sagte Innenminister Joachim Herrmann.

Quelle: http://www.br-online.de/aktuell/ziem-islam-muenchen-ID1271242168435.xml


Regionalbischöfin für ZIE-M

07.04.2010

Die Landeskirche und werde Imam Benjamin Idriz bei der Planung des Zentrums für Islam in Europa (ZIEM) unterstützen, erklärte die Regionalbischöfin.

Die Theologin war am Mittwochnachmittag auf Einladung der islamischen Gemeinde nach Penzberg gekommen. Begleitet wurde die Oberkirchenrätin von der Stadtdekanin in München, Barbara Kittelberger. Die Landeskirche “begrüßt Ihre offene und einladende Art” und werde Imam Benjamin Idriz bei der Planung des Zentrums für Islam in Europa (ZIEM) unterstützen, erklärte die Regionalbischöfin. Die Landeskirche hält nach den Worten der Theologin eine Ausbildung der Imame an Hochschulen für am sinnvollsten. So lange dies aber nicht gelinge, werde die Landeskirche das ZIEM unterstützen. “Wir werden uns da auch nicht irre machen lassen”, fügte sie mit Blick auf die Anschuldigungen gegen die islamische Gemeinde Penzberg im Verfassungsschutzbericht an. Zum Auftreten der Pax-Europa-Gruppe am vergangenen Karfreitag in Penzberg sagte sie, diese Organisation verfolge nicht die Ziele der Integration, “sondern sie will Feindseligkeit streuen”. Man stabilisiere die Werte des Christentums nicht durch Abgrenzung, sagte Susanne Breit-Keßler. Abgrenzung sei eine Position der Schwäche.

Vergangene Woche erst war Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zu Gast bei der islamischen Gemeinde in Penzberg. Sie stärkte damals der Gemeinde den Rücken und sicherte politische Unterstützung zu.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/regionalbischoefin-besucht-penzberger-moschee-705169.html


CSU-Chef Schmid: “Islam-Zentrum ist historische Chance”

06.04.2010 

München – Die Islamismus-Vorwürfe von CSU-Innenminister Joachim Herrmann und seinen Verfassungsschützern gegen die Penzberger Muslime stoßen vielerorts auf Unverständnis – auch in der CSU.

Vor allem der Münchner Fraktionschef Josef Schmid stärkt den Muslimen den Rücken. Bemerkenswert – für einen Mann, dem Gegner früher schon mal vorwarfen, am rechten Rand zu fischen. Wir sprachen mit ihm über das Projekt des Penzberger Imams Benjamin Idriz: ein „Zentrum für Islam in Europa – München“ (Ziem), das eine Moschee und eine Schule zur Ausbildung islamischer Geistlicher umfassen soll.

Mal ehrlich: Wie viel Mut hat es Sie gekostet, sich gegen den CSU-Innenminister zu stellen?

Ich stelle mich nicht gegen den Innenminister. Herr Herrmann hat ja betont, dass in der Islamischen Gemeinde Penzberg auch vieles gut läuft – und dass das Konzept für das Projekt „Ziem“ an sich tadellos ist. Was die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes angeht, komme ich aber zu einer anderen Bewertung als der Minister.

Sie sind einer der größten Befürworter von Ziem.

Ja, denn es stellt eine historische Chance dar. Wir sind in der Geschichte der Zuwanderung an einem Punkt angelangt, an dem klar ist, dass die Kinder der Gastarbeiter hier bleiben – und zu Recht auch ihre Religion angemessen ausüben wollen. Die Zeit ist reif für ein solches Projekt – und ich habe noch keine Initiative erlebt, die sich so klar zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt wie das Ziem-Projekt. Es wäre auch ein Fingerzeig an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, die Freiheit der christlichen Kirche in der Türkei herzustellen.

Erdogan machte zuletzt mit seinem Vorschlag für türkische Schulen und Universitäten in Deutschland Schlagzeilen…

So sehr ich diesen Vorschlag als integrationsfeindlich ablehne, so sehr befürworte ich, dass wir islamische Geistliche in deutscher Sprache und unter staatlicher Kontrolle ausbilden. Dafür steht Ziem.

Wie schwierig war es, die CSU-Fraktion in dieser Sache hinter sich zu einen?

Die Fraktion hat sich einstimmig für Ziem ausgesprochen – unter der Bedingung, dass nicht neue Tatsachen durch den Verfassungsschutz ans Licht kommen. Der neue Verfassungsschutzbericht enthält aber keine neuen Tatsachen – nur Bewertungen. Und die gehen – bei allem Respekt vor der Arbeit der Verfassungsschützer – an der Sache vorbei. Ich kenne die Protokolle der abgehörten Telefonate, auf die sich die Vorwürfe stützen. Sie belasten die Muslime meiner Meinung nach aber nicht.

Funktionäre der Penzberger Muslime haben mit Ibrahim El-Zayat telefoniert, den die Behörden des Islamismus verdächtigen.

Ja, aber ich kann in den Gesprächen kein Indiz für eine Steuerung oder Einflussnahme durch El-Zayat erkennen. In einem Telefonat hat El-Zayat den Penzberger Imam Idriz beschimpft, der Imam fuhr aber schon am nächsten Tag mit seinem integrationsfreundlichen Kurs fort. In einem anderen Telefonat will der Penzberger Gemeindevorsitzende Yerli nur erreichen, dass man ihm endlich bestätigt, dass er schon lange bei der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs ausgetreten ist. Ich finde, die Gespräche zeigen, dass eine Steuerung der Penzberger eben gerade nicht stattfindet.

Wie intensiv haben Sie sich mit dem Thema befasst?

Ich habe die Islamische Gemeinde Penzberg zweimal besucht und war auch gemeinsam mit Imam Idriz auf einer Reise von Landtagsabgeordneten und Stadträten nach Sarajewo. Wir hatten auch mehrere städtische Veranstaltungen mit dem Imam im Rathaus. Ich habe mich zudem mit dem Innenminister zum Gespräch über die Gemeinde getroffen und zweimal mit dem Abteilungsleiter Verfassungsschutz. Ich habe mir meine Meinung also nach gründlicher Prüfung gebildet.

Welche Eindrücke haben Sie aus der Moschee in Penzberg mitgenommen?

Schon die Architektur ist bemerkenswert. Hier wurde nicht einfach ein Stil aus der islamischen Welt kopiert, sondern ein Baustil gewählt, der sofort zeigt: Dies ist das Gotteshaus von deutschen Muslimen. Zudem ist die ganze Arbeit der Gemeinde auf Offenheit, Transparenz und Integration ausgelegt.

Ihre Unterstützung hat viele überrascht – Sie waren ja gegen die Sendlinger Moschee…

Ich sehe die Integrationsfrage eben differenziert. Das Projekt am Gotzinger Platz war und bleibt integrationsschädigend, weil es per „Order di Mufti“ gegen die Menschen im Viertel durchgesetzt werden sollte. Ziem hingegen ist integrationsförderlich.

Im letzten Bürgermeister-Wahlkampf sind Sie von Ihren Gegnern teils in die extrem rechte Ecke gestellt worden…

Das war übelste Wahlkampftaktik. Diejenigen, die mich damals als Rechtsaußen abstempeln wollten, haben von den Sachfragen der Integration keine Ahnung – ebensowenig wie diejenigen, die mich jetzt wegen des Ziem-Projekts als links abstempeln.

Interview: Johannes Patzig

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/schmid-islam-zentrum-historische-chance-702390.html