Menschenwürde

Die Menschenwürde zu achten ist ein islamischer Wert

Von Imam Benjamin Idriz

Das wertvollste Wesen auf Erden ist der Mensch. »Nun haben wir fürwahr den Kindern Adams (Menschen) Würde verliehen und sie über Land und Meer getragen und sie mit den guten Dingen des ­Lebens versorgt und sie weit über alle Dinge unserer Schöpfung begünstigt.« (Koran: 17/70). Mit diesen Worten zeigte Gott seine Wertschätzung dem Menschen gegenüber und ernannte ihn zu seinem Vertreter auf Erden (Koran: 2/30).

Gott hat alles im Kosmos für den Menschen geschaffen (Koran: 14/32) und unter all seinen Geschöpfen den Menschen, und das ist ein jeder von uns, zum wertvollsten erhoben. Als einmal ein jüdischer Leichenzug durch seine Straße ging und Muhammad aufstand, um dem Toten Ehre zu erweisen, wurde er gefragt, warum er das tue. Daraufhin antwortete er: »Er ist ein Mensch« und betonte damit die Pflicht, auch den Leichnam eines Andersgläubigen zu ehren.

Diese Anekdote verdeutlicht nicht nur die Sicht des Islam auf den Menschen im Allgemeinen, sondern sie beweist auch, dass Muhammad kein Gegner der Juden bzw. Antisemit war. Folglich darf ein Muslim nicht Antisemit sein. Als heiligstes Geschöpf Gottes genießt der Mensch Unantastbarkeit: Daher darf niemand aufgrund seines Glaubens oder Nichtglaubens, seines Geschlechts, seiner Sprache, Religion, Rasse, Nationalität, Denkweise, gesellschaftlichen Stellung und Lebensweise getadelt, erniedrigt, verurteilt und getötet werden. Denn das illegitime Töten eines Menschen ist nach dem Islam wie das Töten der ganzen Menschheit (Koran: 5/32).

Artikel 1 unserer Verfassung hat ihre Wertschätzung des Menschen in seiner Würde, Ehre und in seinen Rechten mit einem glänzenden Satz zusammengefasst: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Daher darf niemand einen anderen Menschen mit Worten oder Taten erniedrigen, der anders ist als er selbst, in keiner Weise und an keinem Ort. Ein Muslim sollte nie Worte von sich geben, die einen andersartigen Menschen beleidigen könnten: keine Beschimpfungen, Beleidigungen, häss­lichen Vergleiche.