Islamisches Forum Penzberg

eingang

Von Ursula Baus

Südlich von München, wo hinter dem Starnberger See die Alpen immer näher rücken, kann man schon von tiefer, bayerischer Provinz reden. Hier ließ sich eine kleine islamische Gemeinde ein Forum mit Gebetsraum in zeitgenössischer Architektur bauen – ein couragiertes Unterfangen, dem der Wunsch nach Integration zugrunde liegt. Weder die Anwohner, noch die Mitglieder der Gemeinde sollten in ihrer Bereitschaft überfordert werden, einander zu tolerieren und aufeinander zuzugehen.

Das Gebäudeensemble steht am gepflegten Ortsrand, wo ein Wohngebiet auf der einen, ein Baumarkt auf der anderen Seite der Straße steht. In einem eigenständigen, aber keinesfalls provozierenden oder auf Konfrontation angelegten Erscheinungsbild fügt sich der Baukörper des Zentrums mit einem zarten Turm in die Umgebung. Die Architekten aus Augsburg legten Gebetsraum, Gemeinschafts- und Verwaltungsräume sowie ein Wohnung unter ein gemeinsames Dach über L-förmigem Grundriss. An den Fassaden, die mit hellem Stein bekleidet sind, lassen sich die unterschiedlichen Raumfunktionen dennoch klar erkennen – vor allem an der raumhohen, blauen und ornamentierten Verglasung.

Die Stimmung in diesem Raum mutet außergewöhnlich freundlich an. Die Lichtführung wurde schon erwähnt; es lenkt die Aufmerksamkeit auf die Decke und Wandscheiben: In die Sichtbetonflächen sind Ornamente appliziert, die als Ausdruck göttlicher Unendlichkeit gelesen werden können. In den abstrahierten Sternmotiven sind 99 Namen Gottes – zum Beispiel “der Barmherzige” oder “der Gerechte” – kalligraphisch aufgenommen. Was im modernen Kirchenbau gelang, kann, wie hier in Penzberg, in der zeitgenössischen Form moslemischer Architektur genauso faszinieren.