Mit einem gemeinsamen Gebet haben Muslime, Juden und Christen im ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Hier der bosnische Großmufti Mustafa Ceric betet im früheren Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau für die Holocaust-Opfer. Mehrere muslimische Würdenträger besuchen dieser Tage das Nazi-KZ, um für Juden und andere Getötete zu beten und ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Mustafa Ceric, verlangte, dass in den Schulen mehr über Auschwitz, aber auch über Srebrenica unterrichtet werden solle.
Auschwitz (dpa) - Mit einem gemeinsamen Gebet haben Muslime, Juden und Christen im ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Ökumenische Gedenkveranstaltung in der Nähe der Gaskammer-Ruinen leiteten am Dienstag in Birkenau der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois, der Mufti von Bosnien-Herzegowina, Mustafa Ceric, und der ehemalige Oberrabbiner von Israel Meir Lau.
Die Menschen sollten lernen, jede menschliche Person als heilig zu betrachten, sagte Lau nach einem Bericht der polnischen Nachrichtenagentur PAP. «Nach der Katastrophe von Auschwitz müssen wir eine Sprache der Verständigung schaffen», sagte der Ex-Oberrabbiner. Ceric verlangte, dass in den Schulen mehr über Auschwitz, aber auch über Srebrenica unterrichtet werden solle.
Unter den rund 150 Teilnehmern befanden sich auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sowie Vertreter Ägyptens, der USA, Russlands, des Iraks und der Türkei. Am vergangenen Donnerstag hatten Bundespräsident Christian Wulff und der polnische Präsident Bronislaw Komorowski aus Anlass des 66. Jahrestages der Befreiung des Lagers die Toten von Auschwitz geehrt.
In Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen ermordeten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als 1,1 Millionen Menschen. Die meisten Opfer waren Juden. Auch politische Häftlinge aus Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma sowie Menschen aus anderen Ländern starben im Lager.
Im ehemaligen NS-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen haben mehr als hundert Juden, Christen und Muslime gemeinsam der Opfer des Holocaust gedacht. Zu der Zeremonie kamen unter anderem Vertreter aus arabischen und afrikanischen Ländern. Unterdessen sagte die österreichische Regierung sechs Millionen Euro für den Erhalt der Gedenkstätte in Auschwitz zu.
An der ökumenischen Gedenkzeremonie im heutigen Polen nahmen staatliche Gesandte, mehrere Bürgermeister, Geistliche, Akademiker und Holocaust-Überlebende aus Afrika, mehreren Ländern im Nahen Osten, darunter Israel, sowie aus Europa, Russland und den USA teil. Zu ihnen zählten die UN-Vizegeneralsekretärin Asha-Rose Migiro und die Chefin der UN-Kulturorganisation UNESCO, Irina Bokova. Initiiert wurde das gemeinsame Gedenken vom Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë und von der UNESCO.
Die Gedenkveranstaltung war Teil des Projektes Aladin, das mehr als 200 Persönlichkeiten aus Europa und der arabisch-muslimischen Welt 2009 auf den Weg gebracht hatten. Es verfolgt das Ziel einer interkulturellen Annäherung zwischen Juden, Christen und Muslimen und soll objektive Informationen über die Judenvernichtung durch die Nazis auf Arabisch, Persisch und Türkisch bereitstellen.
Der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois, der an der Gedenkfeier in Auschwitz teilnahm, sagte, es handele sich um einen "besonders wichtigen Moment", weil sich die Religionen gemeinsam der Aufarbeitung des Holocaust stellten. Der Großrabbiner von Polen, Michael Schudrich, sagte, das gemeinsame Gedenken in Auschwitz "erhöht vielleicht die Chancen", dass ein weiterer Völkermord verhindert werde.
Der muslimische Großmufti von Bosnien, Mustafa Ceric sagte, er sei nach Polen gekommen, "um denen, die den Holocaust in Auschwitz leugnen und denen, die den Völkermord in Srebrenica leugnen, zu sagen, dass sie dabei sind, ebenfalls einen Völkermord zu begehen". 1995 hatten bosnisch-serbische Milizen in Srebrenica rund 8000 Muslime getötet. Es war das schwerste Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Das österreichische Kabinett beschloss derweil in Wien, kommendes Jahr sechs Millionen Euro für den Erhalt der staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bereitzustellen. Es gehe um "die bedeutendste internationale Erinnerungsstätte an die Verbrechen der Shoah am Ort eines ehemaligen Vernichtungslagers", erklärte die Regierung.