Landesbischof Dr. Friedrich schpricht über die Freiheit und die Angst am Beispile der Penzberger Moschee

Tutzing - 26.01.11. Evangelische Akademie Tutzing lud zum Jahresempfang: Rund 400 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft waren zum traditionellen Neujahrsempfang nach Tutzing gekommen, darunter der Ex-Kandidat für das Bundespräsidentenamt Joachim Gauck, der Vize-Ministerpräsident Zeil, der Ex-Ministerpräsdient Beckstein, die Bundejustizministerin Leutheuser-Schnarrenberger, der Chef der CSU-Landtagsfraktion Schmid, der Reinhard Kardinla Marx, der Landebischof Johannes Friedrich und der Imam Benjamin Idriz.

Zu den Referenten des traditionellen Neujahrsempfanges in Tutzing zählte auch Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, der sich mit seinen Worten für ein ausgeprägteres Miteinander unter den Menschen engagierte. Auch warb er dafür, Ängste vor anderen Kulturen und Religionen durch gegenseitiges Kennenlernen abzubauen. Es bedürfe eines offenen Umgangs miteinander, "ohne dass wir hinter jedem Menschen, der ein Kopftuch trägt oder arabischer Herkunft ist, einen Terroristen und Staatsfeind vermuten", sagte Friedrich.

"Ich nehme die Ängste der Menschen ernst, die Furcht vor Überfremdung haben. Aber wird diese Angst geringer, wenn wir auf Distanz und Ausgrenzung abzielen? Ich denke nein. Wenn wir einander besser kennen lernen, dann legen sich vielleicht alte, stereotype Ängste und Vorurteile, dann gelingt es offen miteinander umzugehen, ohne dass wir hinter jedem Menschen, der ein Kopftuch trägt oder der arabischer Herkunft ist, einen Terroristen und Staatsfeind vermuten. Wie schön wäre es doch, wenn in einigen Jahren das nicht mehr pauschal gelten und funktionieren würde, was folgender kleiner Witz karikiert:

Ein alter Araber lebt seit 40 Jahren in Chicago. Gerne würde er in seinem Garten Kichererbsen pflanzen, aber er ist allein, alt und schwach. Er schreibt eine E-Mail an seinen Sohn, der in Paris studiert: »Lieber Ahmed, ich bin traurig, weil ich keine Kichererbsen pflanzen kann. Wenn du hier wärst, könntest du mir helfen und den Garten umgraben. Dein Vater.« Prompt erhält der alte Mann eine E-Mail: »Lieber Vater, bitte rühre auf keinen Fall irgendetwas im Garten an. Dort habe ich nämlich „die Sache“ versteckt.
Dein Sohn Ahmed.« Keine sechs Stur den später umstellen USNationalgarde, FBI und CIA das Haus des alten Mannes. Sie nehmen den Garten Scholle für Scholle auseinander, graben alles um, finden aber nichts. Enttäuscht ziehen sie wieder ab. Am selben Tag erhält der alte Mann wieder eine E-Mail von seinem Sohn: »Lieber Vater, ich hoffe, dass der Garten jetzt komplett umgegraben ist und du Kichererbsen pflanzen kannst. Mehr konnte ich aus der Ferne leider nicht für dich tun. In Liebe, Ahmed«

Dieser Witz nimmt ein stereotypes Vorurteil aufs Korn und spiegelt dabei auch Ängste wider, die viele von uns – zum Teil sicher nicht zu unrecht – in sich tragen. Doch diese Ängste nehmen uns die Freiheit. Die Diskussion um die Moscheegemeinde in Penzberg zeigt dies. Da überwiegen bei manchen Menschen die Ängste und nehmen ihnen die Freiheit, offen mit Menschen umzugehen, die ihrerseits sich vorbildlich in unsere Gesellschaft integrieren wollen, wie sie sagen. Wir sind dazu befreit offen mit anderen umzugehen. So wie ich auch die Hoffnung habe, dass unser Umgang mit den Muslimen in Deutschland in deren Herkunftsländern, in denen zum Teil Christen unterdrückt und verfolgt werden, Schule macht und die Menschen dort zum Nachdenken anregt. Ich habe die Hoffnung, dass Muslime, die hier offen und tolerant aufgenommen werden, davon in ihren Heimatländern erzählen und dadurch zur Verständigung zwischen den Völkern und Religionen beitragen. Das mag vielleicht nicht morgen und übermorgen gelingen, vielleicht auch nicht in wenigen Jahren, aber hoffentlich in den kommenden Generationen. Denn nur wenn wir Werte wie Freiheit und Toleranz überzeugend vorleben, können wir darauf hoffen, dass sich andere davon überzeugen und inspirieren lassen und so dass – so Gott will - eines Tages unsere ganze Welt in Freiheit leben kann" sagte Landesbischof Friedrich.

Quelle: http://www.bayern-evangelisch.de/www/theologe-gauck-spricht-beim-neujahrsempfang.php


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Integration ist nicht nur die Aufgabe der anderen. Wer die Muslime nicht als Nachbarn ehrt, treibt sie in die Arme der Islamisten


Von Dr. Johannes Friedrich

Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Herausgeber des Magazins chrismon

Das war mal eine Predigt: Es gehöre zu unseren Grundprinzipien, es als "religiöse Aufgabe zu betrachten, gemeinsam mit der Gesellschaft und den entsprechenden Institutionen des Landes gegen un- und antidemokratische Entwicklungen, gegen mangelnde Bildung, moralische Wertelosigkeit, Rassismus, Intoleranz, Gewalt, Extremismus, Hass gegen Juden, Christen oder Muslime vorzugehen."

So heißt es, leicht gekürzt, in einer Predigt zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes. Eine schöne Predigt! Ja, sehr zustimmungswürdig. Eine christliche Predigt? Nein, eine islamische. Sie wurde am 22. Mai 2009 vom Imam der Moschee in der oberbayerischen Kleinstadt Penzberg, Benjamin Idriz, gehalten - natürlich auf Deutsch.
Ich habe im Juli offiziell diese Moschee besucht und war überwältigt von der Schön­heit dieses modernen Baus, in dem Transparenz das wichtigste Stilmittel ist - und das wichtigste Prinzip für die Gemeinde, die darin betet. Die Offenheit und Transparenz dieser Gemeinde und ihres Imam haben mich sehr überzeugt. Ihnen ist es ein ganz wichtiges Anliegen, als eine Gemeinde in Deutschland gesehen zu werden, die sich für die Integration starkmacht: "Die neue Generation von Muslimen ist Träger einer neuen Identität. Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat, uneingeschränkte Glaubens- und Meinungsfreiheit, Pluralismus des Denkens, der Religionen sind Grundwerte auch für die Muslime in Deutschland", versicherte der Imam in seiner Predigt.

Die Gemeinde ist bestens vernetzt und angesehen - bei der kommunalen Gemeinde ebenso wie mit den beiden christlichen Ortsgemeinden.
Nur der Staat hält es für denkbar, dass die Penzberger Muslime doch verkappte Islamisten sind. Im bayerischen Verfassungsschutzbericht werden der Gemeinde Kontakte zu verfassungsfeindlichen Gruppierungen vorgeworfen - mit der Folge, dass der Gemeinde die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde. Die Verantwortlichen in der Islamischen Gemeinde Penzberg bestreiten, dass es Kontakte zu Milli Görüs und anderen islamistischen Organisationen gibt. Und ich glaube ihnen - aufgrund von vielen kleinen Details. Aber ich kann es letztlich nicht selbst beurteilen. Beurteilen kann ich aber, was die Vertreter der Gemeinde öffentlich sagen, was sie tun, wie sie reden, wie sie sich verhalten.
Und da kann ich nur sagen: Genau so wünsche ich es mir von allen muslimischen Gemeinden in Deutschland. Würden alle sich so geben, wären wir in der Integration ein großes Stück weiter.

Das habe ich auch öffentlich gesagt. Und was habe ich daraufhin für Reaktionen bekommen! Die evangelische Kirche meine, die sogenannte "Kultur" des Ehrenmords, des Terrorismus, der Frauenunterdrückung "hofieren zu müssen" - das war noch einer der harmloseren Vorwürfe.
Welche Ängste müssen Menschen haben - nicht nur berechtigte Ängste vor Isla­misten, sondern vor Muslimen überhaupt? Wenn wir aber nach solchen hand­eln, tun wir das Gegenteil dessen, was geboten ist. Wir treiben die vielen integrationswilligen Muslime - und die Mehrheit der Muslime in unserem Land gehört dazu - geradezu den Islamisten in die Arme.
Integration ist nicht nur die Aufgabe der anderen, sondern auch unsere. Und als Christen wissen wir, dass alle Menschen Geschöpfe unseres Gottes sind, sein Ebenbild. Dass wir sie deshalb zu achten und zu ehren haben, so wie sie sind, mit ihrer Mentalität, mit ihrer Kultur, auch mit ihrer Religion. Die Nächstenliebe gebietet uns, sie als Nachbarn zu achten und zu ehren. Dafür auch gegenüber anderen einzutreten, ist uns Christen aufgetragen.

Quelle: http://www.chrismon.de/Auf_ein_Wort.php