ZIE-M, das ist die Abkürzung für “ZENTRUM FÜR ISLAM IN EUROPA – MÜNCHEN”. ZIE-M ist eine Initiative, die die bisherige muslimische Vergangenheit in diesem Lande herausfordern will, sichder Lebensrealität im Kontext der Gegenwart im Hier und Jetzt zu stellen. Das Projekt ZIE-M ist ein aufrichtiges Angebot von Musliminnen und Muslimen in München, diesich dem Gemeinwohl unserer Gesellschaft in Deutschland verpflichtetsehen. Mit Bezug auf das Konzept vom ZIE-M ist von einer progressiven und innovativen Ansatzweise die Rede. Innovativ deshalb, weil dieses Konzept sich in einem Punkt von eingespielten muslimischen Strukturen unterscheidet: Es ist vollkommen abgekoppelt von Einflussnahmen durch die einstigen Herkunftsländer. Progressiv deshalb, weil es spezifisch auf das Hier und Heute und aufden heutigen, in Deutschland heimischen Muslim eingeht, und auf unser allergemeinsame Zukunft hin ausgerichtet ist. ZIE-M will mit seiner Initiative auf allen erforderlichen Ebenen den Prozess der Integration unterstützen und beschle unigen. In diesem Sinne versteht sich ZIE-M als eine Art Querschnittsfunktion zwischen muslimischen Migranten und deutscher Gesellschaft.
ZIE-M stellt es sichzur Aufgabe, den Islam in den europäischen Strukturwandel einzubeziehen und den gesellschaftlichen Diskurs um eine Neuorientierung der unterschiedlich geprägten religiösen Identitäten auf innovative Weise zu begleiten. ZIE-M betrachtet esals zentrale Aufgabe, Musliminnen und Muslimen in München zur Wahrung islamischer Identität und gleichzeitig zur Festigung der demokratischen undp luralistischen Gesellschaftsordnung in Deutschland ein wertvoller Partner zuwerden. Um einen über die ethnischen Grenzen hinweg, auf europäischem Standard fundierten Islam zu etablieren, fordert ZIEM die Muslime und insbesondere die islamischen Organisationen auf, offensiv gegen den “Missbrauch des Islam” vorzugehen.
Identitätsstiftend
Den Reichtum seines Spektrums sieht ZIE-M in der Vielfalt seiner unterschiedlichen muslimischen Prägungen, die drei elementare Faktoren zusammenschweißen:
Islam- fernab von traditionellen, nationalen, politischen und ideologischen Einflüssen eines aus anderen Regionen exportierten Religionsverständnisses, eine gemäßigte und zeitgemäße islamische Lebenshaltung zu fördern. Deutschland - das Land, an dem sich die Identität ausrichtet, zu kennen und zu schätzen, das Grundgesetz und die gesellschaftlichen Werte sich zueigen zu machen und sich aktiv in der Gesellschaft einzubringen. Deutsch - anzuerkennen, dass die Sprache unabdingbarer Faktor des Gemeinsamen ist und Deutsch als verbindende Kommunikation in diesem Land einzusetzen ist.
Die heranwachsende junge Generation der Muslime istsehnsüchtig auf der Suche nach einer sichtbaren Adresse, die ihnen ihreIdentität als Muslime, in ihrem Land, in ihrer Zeit bestätigt. ZIE-M möchte überdiesen Graben eine Brücke schlagen und sieht sich selber als Angebot einer in Deutschland verorteten Religionsgemeinschaft. Weiteres Ziel von ZIE-M ist es, muslimische Organisationen und Initiativen über ihre ethnische Zusammensetzung hinaus zuvernetzen und zu einer effektiveren Kooperation untereinander und mit denstaatlichen Organisationen beizutragen. Den Rahmen sollen regelmäßige Arbeitskreise und Veranstaltungen bilden, an denen alle Netzpartner beteiligtwerden.
Wir Musliminnen und Muslime in Deutschland sind verpflichtet zu einem ernsthaften Prozess dergeistlichen Umstrukturierung. Wir bedürfen einer Bestimmung unseres Verhältnisses zur Welt und zu der Gesellschaft, für die wir uns entschiedenhaben und mit der wir uns identifizieren. Hierfür sind klareund deutliche Bekenntnisse zum Grundgesetz, zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Wahrung deruniversellen Werte, zentrale Anliegen unserer Arbeit. Ein wesentliches Kriterium für die Verbesserung der Sozialisation der Frau und für ihregleichberechtigte Aufnahme auch in die hiesige Gesellschaft ist ihre Einbindungin unterschiedlichste Bereiche des öffentlichen Lebens. Hier setzt ZIE-M dezidiert einen seiner Schwerpunkte und möchte den auf Frauenfragen zentrierten Tabuthemen mit Lösungsvorschlägen und durchdachten Arbeitsprogrammen entgegentreten. Alleine mit der Integration der muslimischen Frau in die alltägliche Gesellschaftsordnung werden Wege für ein kollektives Verständnis des existenziellen Miteinandersgebahnt. Dass es zu Rechtstaatlichkeit, Gerechtigkeit, Frieden, Toleranz und damit zum Dialog keine Alternative geben kann, gehört zu unserem islamischen Selbstverständnis. Genauso wie die Wahrung der Sicherheit und der Ordnung des Landes, in dem wirleben, hierzu zählen. Individuelle und gesellschaftliche Ursachen von Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie und jegliche Art von Xenophobie, werdennur dann erfolgreich besiegt, wenn wir zusammen und im gemeinsamen Interessedaran arbeiten. Auch darauf zielt das Projekt vom ZIEM ab.
Für die Zukunft, und als eine mögliche Alternative, wünschen sichMuslime in München ein repräsentatives, modernes, unabhängigesBegegnungszentrum, in welchem sich sowohl Muslime mit unterschiedlichemMigrationshintergrund, als auch die Mehrheitsgesellschaft offen begegnen undgemeinsam an verschiedenen Themen der Gesellschaft arbeiten.
ZIE-M soll so eine interkulturelle Begegnungsstätte werden, ein Ort wo sich unterschiedliche Generationen von Muslimen aller Nationen treffen und einander kennen lernen. Alt und jung, Frauen und Männer, muslimisch oder nichtmuslimisch, traditionell oder liberal, deutsch, türkisch, kurdisch, bosnisch, arabisch, albanisch oder persisch –jeder und jede findet die entsprechenden Angebote und trägt somit zur positivenGestaltung des Zusammenlebens in München bei. Indiesem Sinne setzen wir auf die Zusammenarbeit und Partnerschaft derbayerischen Staatsregierung, der Landeshauptstadt München, aller demokratischen Parteien und Einrichtungen, der Religionsgemeinschaften, der Medien, um mitIhrer Unterstützung dieses anspruchsvolle Vorhaben in München, mit Leuchtturmfunktion über unsere Landesgrenzen hinaus, ins Leben zu rufen.
Sie wünsche sich, sagte Knobloch, dass das Zentrum "bald Realität wird". Die Präsidentin des Zentralrats der Juden und Vorsitzende der Münchner Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, hat sich für den Bau eines islamischen Zentrums in München ausgesprochen. Sie begrüße es, dass die Muslime ein solches Zentrum bekommen sollen, sagte Knobloch am Sonntag in Tutzing, wo sie auf einer Tagung der Akademie für politische Bildung auftrat. Wie berichtet, versucht der Imam der islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, in der Landeshauptstadt ein "Zentrum für Islam in Europa - München", kurz "ziem" genannt, aufzubauen. Seit Freitag gibt es dazu einen fraktionsübergreifenden Stadtratsbeschluss von SPD, CSU, FDP und den Grünen, die den Bau des islamischen Zentrums in der Innenstadt vorantreiben wollen.
Das Islamische Zentrum soll eine Moschee beherbergen, Gemeinderäume, einen Kindergarten, ein Alten- und Servicezentrum sowie eine öffentliche Bibliothek. Geplant ist zudem eine Akademie, in der angehende muslimische Seelsorger und Religionslehrer in deutscher Sprache eine theologische Ausbildung erhalten - möglicherweise in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität. Oberbürgermeister Christian Ude hält das Projekt für einen "Glücksfall für den Dialog zwischen Mehrheitsgesellschaft und Islam".
Knobloch sagte in Tutzing, sie verbinde mit dem Zentrum zum einen die Hoffnung, dass die Muslime in München sich nicht länger gegenüber der jüdischen Gemeinde, die seit 2006 ein repräsentatives Zentrum am St.-Jakobs-Platz hat, benachteiligt fühlten. Zum anderen gehe sie davon aus, dass ein solches Zentrum dazu beitragen werde, antisemitische Ressentiments bei deutschen Muslimen auszuräumen. Sie sehe mit Sorge, dass diese Vorbehalte gerade unter muslimischen Jugendlichen zunähmen, die ihre Haltung wiederum auf nicht-muslimische Klassenkameraden übertragen würden. In jüngster Zeit gebe es zudem Tendenzen, dass Islamisten und Nationalsozialisten sich verbrüdern. Diesem "Ideologietransfer" müsse dringend Einhalt geboten werden. mai
München - Nach dem kürzlich verkündeten Aus für die Moscheepläne des Vereins Ditim in Sendling stellt sich eine Frage: Was passiert mit dem Grundstück am Gotzinger Platz? Könnte hier gar ein anderes Moschee-Projekt entstehen? OB Ude hält das für möglich.
Die Enttäuschung war vielerorts groß, als der Chef des türkisch-islamischen Moscheevereins Ditim einräumte: Die Moschee am Gotzinger Platz kann nicht gebaut werden. Nicht zuletzt an der Stadtspitze dürfte der Frust enorm gewesen sein. OB Christian Ude hatte sich energisch für das Vorhaben ins Zeug gelegt – aber auch das städtische Planungsreferat hatte in jahrelanger, mühsamer Arbeit einen Bebauungsplan erstellt. Ist all das umsonst gewesen?
Nicht unbedingt, laut Ude. Es sei möglich, dass das Grundstück dennoch für eine religiöse Nutzung Verwendung finden könne, bestätigte der OB unserer Zeitung. Auch die Verwirklichung eines anderen Moscheeprojekts am Gotzinger Platz sei denkbar. Die Eignung des Areals dafür sei ja „gründlich genug ermittelt worden“, so Ude. Er wisse im Moment keinen anderen Standort in der Stadt, der die Voraussetzung für einen Moscheebau ähnlich gut erfülle wie der Gotzinger Platz: „Das Grundstück gehört der Stadt, es ist leer, eine dichte Bebauung und eine religiöse Nutzung sind möglich“, so Ude.
Wer aber würde eine Moschee am Gotzinger Platz bauen? Als erstes kommt freilich das Projekt „Zentrum für Islam in Europa – München“ (Ziem) des Penzberger Imams Benjamin Idriz in den Sinn. Erst am Freitag hatte sich der Stadtrat mit gewaltiger Mehrheit für das Vorhaben ausgesprochen (wir berichteten). Die Ziem-Planer wollen unter anderem eine Moschee und eine Islamische Akademie errichten – und suchen ein Grundstück.
Ude glaubt jedoch, das Areal am Gotzinger Platz könnte dafür zu klein sein. Auch Idriz ist skeptisch, ob dies der richtige Ort wäre – einige Anwohner in Sendling hatten massiv gegen den Moscheebau protestiert. Kategorisch ausschließen will er das Areal aber nicht. „Wir wollen das gemeinsam mit der Stadt besprechen.“ Doch es gibt auch andere Interessenten: Wie zu hören ist, hat der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), einer der großen muslimischen Dachverbände, gegenüber Ditim Interesse am Gotzinger Platz bekundet. Auf Anfrage gibt man sich beim VIKZ aber zurückhaltend. „Wir haben weder ein Angebot für das Areal bekommen, noch eines unterbreitet“, sagte ein Sprecher.
Ude stellt indes klar: Die künftige Nutzung des Gotzinger Platzes ist keineswegs entschieden. Schließlich habe er bislang noch keine offizielle Absage von Ditim erhalten. Und: Eine religiöse Nutzung des Platzes müsse nicht zwangsläufig ein Moscheeprojekt sein. Auch andere Glaubensrichtungen wollten in München bauen und könnten hier theoretisch ein Zuhause finden. Es gebe etwa Bestrebungen aus dem Bereich der „nicht-griechischen Orthodoxie“. Ude denkt dabei womöglich an die Pläne der rumänisch-orthodoxen Gemeinde, in München eine Kirche mit Kloster zu errichten. Die Gemeinde hat jedoch vor allem ein Grundstück in Aubing im Blick (siehe Bericht in dieser Ausgabe). Theoretisch denkbar sei der Gotzinger Platz sogar als Standort für die neue Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, so Ude. Deren Wunsch-Areal liegt zwar Am Gries (Lehel). Doch wie berichtet ist es noch nicht sicher, dass die Gemeinde dieses Areal auch wirklich kaufen kann.
Happyend für die Münchner Muslime? Nach dem Aus für die Moschee in Sendling gibt es neue Pläne eines Penzberger Imams - und diesmal ist selbst die CSU überzeugt.
Vor zwei Wochen erst mussten die Türken in Sendling ihre Moschee-Pläne am Gotzinger Platz beerdigen. Nach jahrelangem Gezerre um Bebauungspläne und Finanzierung und viel emotionalem Widerstand einiger Sendlinger gaben sie auf. Nun sieht es so aus, als käme dafür ein anderer zum Zug: der Penzberger Imam Benjamin Idriz.
Seit drei Jahren arbeitet der gebürtige Mazedonier, der seit 1995 in Deutschland lebt, an einem Projekt, das sich "ziem" nennt: "Zentrum für Islam in Europa - München". Das Zentrum soll bestehen aus einer großen und attraktiven Moschee, aus Gemeinderäumen mit Kindergarten und Seniorenbereich, einer öffentlichen Bibliothek und einem islamischen Museum.
Geplant ist auch eine Akademie, in der angehende muslimische Seelsorger und Religionslehrer eine fundierte theologische Ausbildung erhalten und dabei einen liberalen, europäischen Islam vermittelt bekommen sollen.
Das Projekt, sagt Stefan Jakob Wimmer, der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins, richte sich "gegen die Fehlentwicklungen einer bisher nicht geglückten Integration und gegen eine weitere Ausbreitung aggressiver und traditionalistischer Richtungen in Deutschland". Kurz: Die Muslime in der Stadt sollen mit ihrem Glauben im Europa des 21. Jahrhunderts ankommen.
Dafür, dass dieses Zentrum Realität wird, haben sich am Freitag fraktionsübergreifend SPD, Grüne und FDP ausgesprochen - und sogar die CSU, die die Sendlinger Moschee noch abgelehnt hatte, ist diesmal mit an Bord. In Sendling, sagt CSU-Fraktionschef Josef Schmid, sei vieles schief gelaufen: falscher Ort, falsche Architektur. Die Anwohner seien von den ditim-Leuten nicht rechtzeitig in die Planung einbezogen worden.
Ditim ist der Münchner Ableger des Verbandes Ditib, welcher der türkischen Regierung nahesteht. Die CSU hatte sich von Rot-Grün bei der Planung überrumpelt gefühlt; die rot-grüne Rathauskoalition warf ihr Populismus auf dem Rücken der Muslime vor. Ziem aber, sagt Schmid, sei nun "das richtige Projekt": initiiert von Muslimen, die einen europäischen Islam vertreten, Deutschland als ihre Heimat sehen, ein Projekt, das "vorhandene Gräben zuschütten wird".
Im Januar 2009 organisierte Münchens dritter Bürgermeister Hep Monatzeder mit Idriz eine Reise nach Sarajevo, an der auch Schmid teilnahm. Eine Gelegenheit, sich kennenzulernen. Einen Monat später stellte Idriz sein Projekt im Stadtrat vor. Auch auf Landesebene gibt es Unterstützer, etwa die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Margarete Bause, und den ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück (CSU).
Skeptisch ist bislang das Innenministerium, da die Penzberger Gemeinde, der Idriz vorsteht, im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Der Verfassungsschutz wirft der islamischen Gemeinde Penzberg eine Verbindung zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) vor, was die Penzberger Gemeinde, die keinem der alteingesessenen Islam-Verbände angehört, vehement bestreitet.
Auch Monatzeder ist, wie Schmid, von der Integrität der Ziem-Initiatoren überzeugt. Er habe sie "in vielen Gesprächen erlebt" und kenne ihr "deutliches Bekenntnis zu rechtsstaatlichen Werten sowie zur Gleichberechtigung von Mann und Frau".
Wo das Zentrum gebaut wird, ist noch offen. Angedacht ist, es auf dem jetzigen Platz des städtischen Bauhofs an der Dachauer Straße anzusiedeln - ein Areal, das ganz neu und viel attraktiver gestaltet werden soll. Eine gute, repräsentative Lage soll es in jedem Fall sein, die Fraktionen haben die Verwaltung mit der Suche "eines geeigneten Grundstücks in der inneren Stadt" beauftragt.
In Penzberg hatte der aus Bosnien stammende Augsburger Architekt Alen Jasarevic eine moderne Moschee errichtet. Eine Kostenplanung gibt es noch nicht. Der Verein würde Zuschüsse erhalten für den Kindergarten und das Alten- und Servicezentrum, wie andere öffentliche Trägern auch, und müsste ansonsten die Finanzierung selbst stemmen.
Die Penzberger Moschee hatte der Emir von Sharja, Mohammed Al-Quasimi, finanziert. Er steht auch in München als Geldgeber bereit, sofern es keinen politischen Streit um das Vorhaben gibt. Eine Voraussetzung, die nun vielleicht erstmals geschaffen ist.
München - Der Bau eines großen Islam-Zentrums in München wird immer wahrscheinlicher. Der Stadtrat unterstützt das Projekt – inklusive OB Ude
Von Johannes Patzig
Nachdem der türkisch-islamische Verein „Ditim“ das Aus seiner Moscheepläne in Sendling verkündete, rückt ein anderes Moscheeprojekt in den Vordergrund: das „Zentrum für Islam in Europa – München“ (Ziem) – ein Vorhaben einer Initiative um den Penzberger Imam Benjamin Idriz. „Ziem“ ist weit ehrgeiziger als die Sendlinger Pläne: Idriz und seine Mitstreiter planen nicht nur eine Moschee, sondern auch eine Islamische Akademie zur Ausbildung von muslimischen Geistlichen, den Imamen, in deutscher Sprache.
Erheblichen Rückenwind erhält das Projekt nun aus der Stadtpolitik. Die Rathaus-Fraktionen von SPD, CSU, Grünen und FDP fordern die Stadt in seltener Einigkeit in einem gemeinsamen Antrag auf, die „Ziem“-Initiative zu unterstützen. Die Verwaltung solle dem Verein bei der Suche nach einem Grundstück in der inneren Stadt helfen und – soweit nötig – die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau schaffen.
Bei der Stadtspitze stößt das Anliegen auf offene Ohren. „Sehr positiv“ beurteilt OB Christian Ude das Vorhaben. Er kenne Imam Idriz als einen „dialogfähigen und dialogwilligen Mann“. Das Projekt wäre ein „Glücksfall für den Dialog zwischen Mehrheitsgesellschaft und Islam“, so Ude gegenüber unserer Zeitung. Bemerkenswert ist auch der Zuspruch der CSU – sie hatte sich gegen die Ditim-Moschee in Sendling ausgesprochen. Die Ziem-Pläne aber bezeichnet CSU-Fraktionschef Josef Schmid als „historische Chance“. Ziem stehe für einen modernen europäischen Islam, „der alle Grundwerte unserer Gesellschaft auf der Basis des Grundgesetzes anerkennt.“
Die massive politische Unterstützung kommt in einer entscheidenden Phase für die Projektplaner. In Kürze soll die Entscheidung des Verwaltungsgerichts im Rechtsstreit der Islamischen Gemeinde Penzberg gegen den Freistaat Bayern fallen. Die Penzberger Muslime um Imam Idriz waren vor Gericht gezogen, weil der bayerische Verfassungsschutz ihnen Nähe zum Islamismus vorwirft. Weitere Unterstützung könnten die Muslime auf Bundesebene erhalten. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) besucht die Gemeinde am 30. März – praktisch zeitgleich mit dem Erscheinen des neuen Verfassungsschutzberichts.
Bis das Islam-Zentrum Wirklichkeit wird, haben Idriz und seine Mitstreiter aber noch manche Hürde zu nehmen. Sie brauchen Sponsoren um die Finanzierung zu sichern. Und sie brauchen ein Grundstück - und zwar ein großes. Ziem soll aus einer Moschee für 600 Gläubige, einer Islamischen Akademie, einem Museum und einem Gemeindezentrum bestehen. Noch habe man kein Areal gefunden, so Idriz. Dennoch ist er optimistisch. „Ich freue mich riesig über den Stadtratsantrag. Jetzt haben wir eine echte Chance, das Projekt gemeinsam mit der Stadt zu verwirklichen.“
München und eine neue Moschee – alles vorbei!? Falsch! Nun soll die Stadt gar ein eigenes Islam-Zentrum bekommen – selbstverständlich auch mit Moschee.
Die Moschee am Gotzinger Platz – sie war wohl eins der umstrittensten Bauprojekte Münchens überhaupt. Über Jahre zankten sich der Oberbürgermeister, der Stadtrat, Anwohner und natürlich die betroffenen Muslime um Bebauungspläne und Finanzierungen. Bis sich dann vor wenigen Wochen alles erledigte, weil’s am Geld fehlte.
Jetzt aber gibt es einen neuen Plan. Er stammt von dem Penzberger Imam Benjamin Idriz. Tatsache ist: Er könnte das Projekt (mit seinen Unterstützern im Rücken) auch finanziell problemlos stemmen. Und noch einen entscheidenden Unterschied zum Gotzinger Platz gibt es: Auch im Stadtrat unterstützen alle Parteien – von der SPD, den Grünen bis hin zur CSU – das „Zentrum für Islam in Europa – München“, so der offizielle Name. Keine Streitereien, keine Polemik in Sicht. „Das richtige Projekt“ nennt beispielsweise CSU-Fraktionschef Josef Schmid die Idee.
Das neue Zentrum soll übrigens aus einer großen Moschee, aus einer öffentlichen Bibliothek, einem Museum sowie einem Kindergarten und Seniorenbereich bestehen. Es solle ein Ort der „Begegnung“ zwischen den Kulturen werden.
Aber wo wird gebaut? Als Ort für das Projekt habe man den Platz des städtischen Bauhofs an der Dachauer Straße im Auge. Eine Entscheidung sei hier aber noch nicht getroffen worden, hieß es aus Insider-Kreisen. Allen Beteiligten ist aber wichtig, dass das Zentrum direkt in der Stadt entsteht und nicht irgendwo am Stadtrand. Bei der Suche nach einem Bauplatz ist aber davon auszugehen, dass dem Gotzinger Platz aus dem Weg gegangen wird. Jedenfalls ist hier der Streit mit so manchem Anwohnern schon vorprogrammiert.
Imam Benjamin Idriz hatte in Penzberg – mit Hilfe des Architekten Alen Jasarevic – eine moderne Moschee errichtet. Als Geldgeber war dabei unter anderem der Emir von Sharja, Mohammed Al-Quasimi, tätig. Er will auch bei dem Münchner Islam-Zentrum als Unterstützer einspringen. Aber nur, wenn es keine politischen Streitereien um das Projekt gibt. Noch deutet alles darauf hin, dass es ruhig bleibt und endlich eine zufriedenstellende Lösung für alle gefunden werden kann.
München-Sendling könnte jetzt doch eine Moschee bekommen. Nach dem Aus für das Projekt des Vereins Ditim gibt es neue Pläne eines Penzberger Imams, die breite Zustimmung im Münchner Stadtrat finden.Die Rathaus-Fraktionen von SPD, CSU, Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste und FDP fordern mit ihrem Antrag die städtische Unterstützung für die Realisierung des Projekts "Zentrum für Islam in Europa München" (ZIE-M). Das Projekt soll aus einem Gemeindezentrum mit Kindergarten und Einrichtungen für Senioren, einer Akademie zur Ausbildung von Imamen und Religionslehrern und -pädagogen, einer Moschee, einer islamischen Bibliothek und einem islamischen Museum bestehen.
"Das ist das Ergebnis der vielen Gespräche, die wir geführt haben", sagt Benjamin Idriz. Der Imam hatte seit drei Jahren konsequente Überzeugungsarbeit geleistet und sogar die CSU überzeugt, die das Moschee-Projekt in München-Sendling noch abgelehnt hatte. "Das ist ein klares Signal, dass auch die Muslime auf die deutsche Politik zählen können, wenn sie offen, transparent und gesprächsbereit sind."
Jetzt fehlt nur noch ein geeignetes Grundstück: Durch das Scheitern der Moscheepläne des Vereins Ditim wäre in Sendling ein Standort freigeworden, um den in der Vergangenheit heiß diskutiert wurde. "Grundsätzlich sind wir für alle Optionen offen, aber gerade weil der Standort in der Vergangenheit so umstritten waren, würden wir eine andere Fläche bevorzugen", sagte Ildiz. Einige Anwohner hatten massiv gegen den Moscheebau am Gotzinger Platz protestiert.
Hep Monatzeder (Grüne), dritter Münchner Bürgermeister, der die Federführung für den Antrag übernommen hat, äußerte sich zuversichtlich, was eine Umsetzung des Projektes angeht: "Ich freue mich sehr, dass alle Fraktionen im Münchner Stadtrat hinter ZIE-M stehen - dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Realisierung des Projekts." Das Vorhaben sei eine große Chance für München. Die Pläne seien mit dem Ziel verbunden, dass Bürgern muslimischen Glaubens mehr Wertschätzung und Ankerkennung innerhalb der Stadtgesellschaft entegegen gebracht werde, so der Bürgermeister. Mit dem Islam-Zentrum und der Moschee sollen die rund 100.000 Münchner Muslime die Möglichkeit haben, ihren Glauben angemessen und würdevoll zu leben.
Das interkulturelle Begegnungszentrum bedeute für den Integrationsprozess in München einen weiteren großen Schritt nach vorne. Bendenken habe er keine, erklärte der Bürgermeister. "Ich habe die Initiatoren von ZIE-M in vielen Gesprächen erlebt", so Monatzeder. "Ihre Ideen und ihr Wille zur Umsetzung überzeugen mich." Die islamische Gemeinde Penzberg, die hinter dem Projekt steht, wird im Verfassungsschutzbericht erwähnt. Der Verfassungsschutz wirft der Organisation eine Verbindung zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs vor, was die Gemeinde vehement bestreitet. (mig)