Mehr als 8.000 Muslime wurden beim Völkermord von Srebrenica getötet. Bosnische Frauen neben den Särgen ihrer Verwandten, die beim Massaker getötet wurden.
Liebe Brüder und Schwestern,
am kommenden Mittwoch ist der 11. Juli.
Der 11. Juli, ein Datum welcher in der Erinnerung der älteren Generation schmerzlich eingraviert ist, und in Erinnerung der zukünftigen Generationen bleiben muss.
Die massive Tötung bosnischer Muslime in Srebrenica und Žepa begann am 11. Juli 1995, einem Jahr in dem ein Genozid (Völkermord) als Folge einer Kette von Ereignissen über ein muslimisches Volk in Europa hereinbrach.
Für Bosnien wird das zwanzigste Jahrhundert aufgrund der bitteren Tatsache in Erinnerung bleiben, dass der Ruf nach dem „never again“ eines Völkermords, von der Weltorganisation UN, welche im Endeffekt nicht in der Lage war die Menschen vor einem Genozid zu schützen, überhört und die Muslime im Stich gelassen wurden.
Wenn wir tatsächlich zukünftige Völkermorde verhindern möchten, müssen wir mehr als Mitleid gegenüber den betroffenen Opfern aufbringen. Wir müssen die Tiefe der Psychologie des Mörders verstehen, ebenso aber auch die Handlungsunfähigkeit bzw. Apathie derjenigen, die einem Völkermord seelenruhig zusehen.
Wir müssen klar festlegen was es denn genau ist, dass „normale“ Menschen dazu bringen andere Menschen so zu hassen, dass sie das Bedürfnis verspüren diese systematisch auszurotten. Doch auch die Menschen, die die Täter bei dem Genozid unterstützen oder stumm daneben stehen, während einer verübt und Unschuldige grausam ermordet werden, müssen eines der Ziele unserer Forschung sein.
Auch diese Menschen müssen wir kennenlernen.
In einem Koranvers können wir die Geschichte Srebrenicas erkennen. In der Sura 90, „al-Balad“ – die Stadt. Allah der Erhabene sagt:
- Nein! Ich rufe zum Zeugen diesen Ort, von dem ich vertrieben und getötet wurde! - Und ich rufe zum Zeugen, die Eltern, die mich gezeugt haben. - Meint er, niemand hätte Macht über ihn? - Er sagt: "Ich habe viel Vermögen ausgegeben." - Meint er, niemand hätte ihn gesehen? - Haben Wir ihm nicht zwei Augen gemacht, - und eine Zunge und zwei Lippen? - Und ihm haben Wir die beiden Wege gezeigt,- den rechten und fehlgeleiteten“
Srebrenica ist die Stadt, in der der Mensch so lange glücklich war, bis derjenige kam, der dachte, dass ihm nichts und niemand etwas anhaben könnte. Der sagte: „Das ist die Rache!“ denn er dachte, dass niemand ihn sehen würde.
Srebrenica ist die Stadt in der es erlaubt war, dass ein wehrunfähiger Mann aus seinem Haus vertrieben wurde und dass er unschuldig getötet wurde, nur weil er ein Muslim war.
Es wurde aber vergessen, dass der Mensch zwei Augen hat, mit denen er zu sehen vermag. Es wurde vergessen, dass er eine Zunge hat und zwei Lippen und dass er sprechen kann. Er hat zwei Wege zur Auswahl. Es steht im frei einen von diesen Wegen zu wählen – den Weg des Guten oder den Weg des Bösen.
Das heißt also, dass der Mensch die Wahl hat zwischen Gut und Böse. Darin manifestiert sich auch sein Wert als Mensch. Darin verdeutlicht sich auch sein moralischer Wert.
Heute ist nirgendwo auf der Welt das Bild dieses Menschen, der die Wahl zwischen Gut und Böse hat so deutlich wie in Srebrenica. Das Bild des Menschen, der die Wahl hat zwischen Menschenliebe und Menschenhass. Dieser Mensch hat leider das Böse anstatt das Gute gewählt. Er hat den Menschenhass, der Menschenliebe vorgezogen.
Er dachte, dass seine Macht über jeder anderen Macht stünde. Er dachte, dass Srebrenica keine moralischen Fragen aufwerfen würde.
Seit dem 11. Juli 1995 bedeutet Srebrenica mehr als die Stadt Srebrenica und der Name selbst. Srebrenica ist der Ort der Prüfung des Bewusstseins all Dieser, die ein grausames Verbrechen verhindern hätten können und es nicht getan haben. Srebrenica ist ein Name, der um die Welt geht um das Bewusstsein und Gewissen der Menschen zu wecken und diese dazu zu bringen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und ihn dazu bringen sich bei der Frage nach Gut und Böse, für das Gute zu entscheiden.
Heute wird die Geschichte Srebrenicas in Syrien wiederholt und die Weltgemeinschaft ist nicht in der Lage dieses grausame menschliche Verbrechen zu unterbinden.
Deshalb, liebe Gemeinde, nehmen wir den 7. Monat in unserem Kalender zum Anlass, 7Pflichten nachzukommen:
1. Wir müssen uns über den Holocaust gegen Juden und die Genozide gegen Muslime nicht nur als historische Gegebenheit informieren, nicht nur weil wir selbstbewusste Weltbürger werden wollen, sondern vor allem weil wir unseren Kindern verdeutlichen müssen, welche Gefahren Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und andere Beispiele menschlicher Intoleranz in sich bergen. Deswegen soll jeder von uns mindestens einmal die Konzentrationslager Auschwitz in Polen oder in Dachau hier in Bayern und die Gedenkstätte Potocari nahe von Srebrenica besuchen, um zu sehen wohin eine Ausgrenzung, Hass, Unterdrückung und Intoleranz die Menschheit führen kann.
2. Wir müssen unsere Nachkommen so erziehen, dass sie die Menschenrechte lieben und sie darin bestärken alle Formen von Hass, Intoleranz und ethnischen Vorurteilen aus ihren Herzen zu beseitigen.
3. Wir müssen lernen, den Wert des Lebens und die Integrität des Lebens wertzuschätzen. 4. Wir müssen lernen den Besitz und das Eigentum Anderer zu achten.
5. Wir müssen uns den Wert der Menschenwürde bewusst machen und die Andersartigkeit des Gegenübers respektieren.
6. Wir müssen lernen unseren Glauben wertzuschätzen und Differenzen religiösen Lebens zu akzeptieren, und mit der nichtmuslimischen Gesellschaft unsere Zusammenarbeit stärken, den Respekt pflegen, damit unser aller Interesse einer Humanen Zivilisation zum tragen kommt.
7. Wir müssen lernen die Freiheit zu schätzen und die Grenzen der menschlichen individuellen Freiheit zu respektieren, denn meine Freiheit endet dort wo die Freiheit eines Anderen beginnt.
Europa muss auf ihren Wert Freiheit mehr achten und die Fehler in diesem Bereich zu recht rücken.
- Das Verbot des Kopftuches für die muslimischen Schülerinnen in Frankreich,
- das Verbot vom Bau der Minarette in der Schweiz und
- das Verbot der Beschneidung von Jungen in Deutschland,
sind alarmierende Signale gegen die Religionsfreiheit, die Gleichbehandlung der Menschen und für das friedliche Zusammenleben in Europa.
Ich schließe meine Predigt mit einem tiefen Bittgebet:
Oh Gott, ermögliche es uns zwischen zwei Wegen den Weg des Guten zu wählen.
Oh Gott, lehre uns, uns mit moralischen und humanen Werten zu stärken.
Oh Gott, Lehre uns, dass Toleranz der höchste Grad von Stärke, und das Bedürfnis nach Rache das erste Zeichen von Schwäche ist!
Oh Gott, Wenn wir gegen Menschen sündigen, dann gib uns die Kraft zur Entschuldigung! Und wenn Menschen gegen uns sündigen, dann gib uns die Kraft zu verzeihen!
Oh Gott, Möge aus Trauer Hoffnung werden!
Möge aus Rache Gerechtigkeit werden! Dass ein Völkermord nie mehr geschieht! Niemandem, nirgendwo!