Der Mensch ist aus der Sicht des Islam mehr als nur ein Geschöpf. Seine Existenz an sich stellt für ihn weder Vorzug noch besondere Ehre dar, denn diese Eigenschaft teilt er mit anderen Geschöpfen.
Aber der Mensch ist ein besonderes Wesen, dem der Heilige Koran in Sure Al-Isra’, Vers 70, eine besondere Würde zuschreibt: „Und wahrlich, wir haben die Kinder Adams geehrt…“. Würde und Edelmut sind spezielle Eigenschaften des Menschen, die kein anderes Wesen besitzt. Er ist somit ein erhabenes Wesen, das sogar den Engeln Gottes überlegen ist. Die Niederwerfung der Engel vor dem Menschen am Anfang seiner Schöpfung symbolisiert diese Überlegenheit und Erhabenheit: „Und als Wir zu den Engeln sprachen: ‚Werft euch vor Adam nieder’, da warfen sich alle Engel nieder…“
Die Würde des Menschen ist nicht nur ein Recht wie alle anderen Rechte, beispielsweise das Recht auf Leben, Wohnung, Arbeit usw., sondern sie macht seine essentielle Identität und existentielle Natur aus. Deshalb steht die Würde des Menschen für nichts anderes als seine Menschlichkeit, denn jeder besitzt unabhängig von Gedanken, Glauben, Religion usw. eine bestimmte Würde. In dem zuvor erwähnten Koranvers bezeichnet Gott die Kinder Adams als würdige Wesen und behält diese Eigenschaft nicht den Gläubigen, den Muslimen oder Anhängern anderer Religionen vor. Würde ist somit eine allen Menschen gemeinsame Eigenschaft, und man kann niemanden davon ausschließen. Aus diesem Grund bezeichnet der Koran den Schutz der Würde und Ehre eines Menschen als das Bewahren der Würde aller Menschen und stellt in Sure al-Ma’ida, Vers 32 fest: „…und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten….“
Aus Koranischer Sicht ist die Auszeichnung eines Menschen keine individuelle Angelegenheit, sondern sie impliziert vielmehr die Auszeichnung der menschlichen Würde allgemein und somit aller Menschen. Der Islam kategorisiert die Menschen nicht auf der Grundlage ihrer Überzeugungen, Gedanken, Nationalität, Religion oder ihres Geschlechts. Im Islam gibt es keinen erstklassigen oder zweitklassigen Menschen.
Alle Menschen, ob Mann oder Frau, Muslim oder Nichtmuslim, weiß oder schwarz, sind in ihrem Menschsein gleich und genießen die gleichen Rechte. Keine Rasse ist einer anderen überlegen.
Ein Muslim trägt gegenüber anderen Muslimen bestimmte Verantwortungen, die seiner Verantwortung gegenüber Menschen anderer Religionen und Nationalitäten keineswegs widersprechen. Kommt ein Muslim seinen Pflichten gegenüber anderen Muslimen nicht nach, so begeht er eine Sünde; und gleichermaßen sündhaft handelt er, wenn er seinen Pflichten gegenüber Andersgläubigen und selbst Ungläubigen nicht nachkommt.
Aus islamischer Sicht sind die Menschlichkeit und die auf ihr gründenden ethischen Werte die grundlegenden Prinzipien der menschlichen Beziehungen in einer Gesellschaft. In den islamischen Überlieferungen findet man viele Belege für diese Ansicht. Eines Tages wurde vor Prophet Muhammad (s) die Leiche eines Juden weggetragen. Der Prophet bezeugte dem Leichnam seinen Respekt. Ein Muslim sagte zum Propheten: ‚O Gesandter Allahs, dies ist die Leiche eines Juden!’ Der Prophet antwortete ihm: ‚Ist er denn kein Mensch?’“
Die natürlichen Rechte des Menschen gründen in seiner Würde und menschlichen Natur, und religiöse, geschlechtliche oder andere Unterschiede ändern nichts an dieser Tatsache. Der Mensch hat ein Recht auf Leben, weil er Mensch ist, und nicht weil er Muslim, Christ oder Jude, schwarz oder weiß, Araber oder Europäer ist. Sein Menschsein impliziert das Recht auf Freiheit, Entscheidungsfreiheit, Arbeit, Wohnung, usw. Die verschiedenen Bedeutungen, die dem Begriff „Recht“ beigemessen werden können, außer acht lassend, müssen wir im Zusammenhang mit dem Begriff „Menschenrechte“ bedenken, dass diese von niemandem erfunden oder per Gesetz verordnet werden können, sondern für das Sein und die Identität des Menschen essentiell sind.
Daraus resultierend ist es auch im Sinne Gottes, dass seine Intelligenten Menschen, heute in unserem Grundgesetz den einwandfreien Artikel 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ verankert haben.
Liebe Geschwister,
Die Ablehnung von Zwang und Gewalt und der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben impliziert das Recht auf Meinungsfreiheit, Redefreiheit und Religionsfreiheit des Einzelnen. Der Islam erkennt jedes dieser Bedürfnisse an, akzeptiert sie ausnahmslos und fordert vom Menschen unter keinen Umständen den Verzicht auf eines dieser natürlichen und essentiellen Bedürfnisse.
Alle Gebote und Verbote des Islam zielen auf dieses harmonische Mittelmaß ab, und zwar äußerlich, indem der Mensch daran gehindert wird, die Rechte anderer zu verletzen und eine radikale soziopolitische Atmosphäre zu schaffen, und zweitens innerlich, indem der Mensch sich selbst vor Übertretung, Übertreibung und „moralischem Radikalismus“ bewahrt.
Dafür hat Gott den Menschen mit Vernunft begabt, Propheten entsandt und Heilige Schriften offenbart und ihm die Freiheit der Zustimmung oder Ablehnung gewährt. Ziel des Islam ist es, den Menschen so zu erziehen, dass er zum Menschen wird, d. h. seiner Würde als Mensch gerecht wird. Ein Muslim ist in erster Linie ein Mensch, und wenn er seine Würde und Verantwortung als Mensch nicht realisieren kann, entfernt er sich dadurch vom Islam.
Wir hoffen, dass Gott uns allen hilft, dass das neue Jahr gemäß dem christlichen und dem islamischen Kalender für alle Menschen ein Jahr voller Respekt, Würdigung, Frieden und Freundschaft sein wird.
Und der Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und Seine Segnungen.
Oh Gott, Lehre uns, dass Toleranz Der höchste Grad von Stärke, Und das Bedürfnis nach Rache Das erste Zeichen von Schwäche ist!
Oh Gott, Wenn wir gegen Menschen sündigen, Dann gib uns die Kraft zur Entschuldigung! Und wenn Menschen gegen uns sündigen, Dann gib uns die Kraft zu verzeihen!
Oh Gott, Wenn wir Dich vergessen, Vergiss Du uns nicht!