„Den Preis wahrhaft verdient“


Penzberg - Bei einem Festakt in der Penzberger Moschee zeichnete der AWO-Bezirksverband am Freitagabend die Arbeitsgruppe Integration mit dem Inge-Gabert-Preis aus.

„Ein arabisches Sprichwort sagt: ,Wenn Du 40 Tage in einem Volk lebst, bist Du einer von ihnen‘“, sagte Benjamin Idriz, der Imam der islamischen Gemeinde, zu Beginn seiner Rede. Doch auch über 40 Jahre nach der Ankunft des ersten Gastarbeiters in Deutschland sei Integration immer noch „eine Herausforderung“.

Eine Herausforderung, der sich der Arbeitskreis Integration seit sieben Jahren stellt. Nicht immer eine leichte Arbeit. „Manchmal waren wir nah dran, uns aufzulösen“, bekannte Hans-Georg Frühschütz. Aber weil man eben „nicht nur reden und klagen“ wollte über die Probleme des multikulturellen Zusammenlebens in der Stadt, habe man weiter gemacht.
In Penzberg mit seinen über 16 000 Einwohnern leben 74 verschiedene Nationen. „Zehn Prozent der Bevölkerung sind ausländischer Herkunft“, so Frühschütz. Mit ihnen in einen „Dialog auf Augenhöhe“ zu treten, das friedliche Miteinander zu fördern und dabei die kulturellen und religiösen Unterschiede zu wahren, sind die Leitziele der Arbeitsgruppe.

„Es ist eine gute Wahl gewesen, den Arbeitskreis auszuzeichnen. Er hat es wahrhaft verdient“, sagte Landrat Dr. Friedrich Zeller. Und Bürgermeister Hans Mummert bekräftigte: „Er ist ein wichtiger Baustein in der Integrationsarbeit unserer Stadt.“ Der mit 5000 Euro dotierte Preis sei ein „positives Zeichen“ und Anreiz, den interkulturellen Dialog fortzusetzen – auch gegen so manche Widerstände. „Denn“, davon ist Mummert überzeugt, „die Gesellschaft wandelt sich weiter.“ Der Ausländeranteil werde weiter wachsen. „Aber diese Vielfalt tut uns gut. Wir werden den Dialog auf alle Fälle fortsetzen.“
Das ist ganz im Sinne der Mitarbeiter des Arbeitskreises. „Der Preis bestätigt uns in unserer Arbeit“, sagte Hans-Georg Frühschütz. Und Ute Frohwein-Sendl versprach: „Wir werden das Preisgeld in sinnvolle soziale Projekte investieren. Wir wollen uns von unserem gemeinsamen Weg nicht abbringen lassen.“   

Zeller-Kritik an Verfassungsschutz

„Alles was ich hier beobachte, schätze ich ganz außerordentlich“, sagte Landrat Dr. Friedrich Zeller beim Festakt am Freitag in Richtung der islamische Gemeinde. Der Landrat nutzte seine Rede, um „zum ersten Mal“, wie er sagte, Stellung zu nehmen zum Verfassungsschutzbericht, in dem die islamische Gemeinde Penzberg seit mehreren Jahren erwähnt wird. Scharf kritisierte Zeller die Hürden, die deutsche Behörden Imam Benjamin Idriz bei seinem Bemühen um einen aufgeklärten, europäischen Islam in den Weg legten. „Ausgerechnet Sie werden auf den gesellschaftspolitischen Index gestellt. Das kann ich absolut nicht verstehen. Bisher konnte ich nur sehen, dass Sie sich positiv bei uns einbringen.“
Der Penzberger Bürgermeister Hans Mummert appellierte: „Lassen Sie sich von solchen Vorwürfen nicht entmutigen.“


Quelle: Penzberger Merkur, 28.06.2010

http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/nicht-reden-klagen-penzberger-integrationskreis-nimmt-preis-entgegen-819706.html

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Die Rede von Imam Benjamin Idriz

Sehr verehrter Herr Landrat,
Verehrter Herr Bürgermeister Mummert, Liebe Frau Mummert,
Verehrte Damen und Herren,
Meine sehr verehrten Träger der heutigen Preisverleihung,

im Namen der Islamischen Gemeinde Penzberg seien Sie uns alle herzlich willkommen. Wie Ihnen bekannt trägt das Gebäude den Namen Islamisches Forum und es ist ihm heute eine besondere Ehre mit Ihnen allen zusammen das heutige Fest der Ehrung von ehrwürdigen Menschen zu begehen. 

من عاشر القوم اربعين يوما اصبح منهم
(arabisches Sprichwort)

Sie haben mich nicht verstanden? O wie schön, dass es die Integration gibt!
Dieses arabische Sprichwort sagt: "Wenn du 40 Tage mit einem Volk lebst, bist du einer von ihnen".

Es sind bereits weit mehr als 40 Tage verstrichen, wenn wir uns an das Jahr 1964 erinnern, als am Kölner Bahnhof der Millionste Gastarbeiter empfangen wurde, persönlich von dem Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, der ihm einen Strauß Nelken, ein Diplom und ein Moped Marke Zündapp überreichte.

Weder Politik noch Gesellschaft, noch die Gäste sprachen von einer Integration. Integration ist aber zunehmend und berechtigt zu einem Thema gewachsen, dass durchwegs alle Gesellschafts/schichten, die Politik insbesondere, Religionsgemeinschaften und jeden einzelnen Bürger, den Einen mehr, den Anderen weniger, berühren, beschäftigen, ja gar abhängig werden lassen.

Die globale Weltordnung, die uns immer mehr Plurale Gesellschaftsordnungen beschert, sowie der Zuzug von Arbeitskräften nach Europa, insbesondere nach Deutschland, lassen uns einer neuen Realität und damit durchaus auch einer Herausforderung stellen, deren Namen INTEGRATION ist. 

In aller Munde unterschiedlich gewertet ist diese Integration!
Was heißt es integriert zu sein? 

Das eingangs arabische Sprichwort macht es sich einfach, wird sich manch einer denken. Und manch einer wird sagen: Integration wird uns nicht gelingen! Dies sind auch die Hauptpole die wir in der Integrationspolitik mit verfolgen können. Während es für die Einen eine hundert prozentige Anpassung, also Assimilation bedeutet, gehen die Anderen den Weg der Kompromisse und suchen so nach Lösungsmöglichkeiten, wie das unterschiedlich geprägte kulturelle Lebensbild erhalten und trotzdem, eben integrierbar wird, ohne besonders aufzufallen. Nicht Selbstaufgabe sondern Selbstentwicklung soll gefördert werden. Das letztere entspricht eher der menschlichen Natur und dient damit auch eher einem Gemeinwohl. 

So wie es die Arbeitsgruppe Integration seit mehr als fünf Jahren in unserer Stadt fördert. Viele Ideen wurden in stundenlangen Gesprächen konkret angeregt und auch umgesetzt. Und so wie es bei Vielem ist, konnten einige Gute, bestimmt sogar sehr gute Präventionsmöglichkeiten nicht angeboten werden, weil schlicht das Geld fehlte. 

Die Islamische Gemeinde Penzberg hat versucht sozusagen auf der Seite der zu Integrierenden ihren Beitrag zu leisten. Zur Integration gehören aber mindestens zwei Parteien, also auch die aufnahmewillige Gesellschaft, auf die wir uns in Penzberg immer verlassen durften. 

Penzberg und seine Muslime können ein Beispiel für gelungene Integration sein. Wenn das Modell Penzberg aus einer fehlgeleiteten Politik scheitern sollte, so liegt dieses Scheitern nicht bei den Penzbergern und seinen Muslimen!

Ich habe mit einem arabischen Sprichwort begonnen, da wir aber jetzt ein bisschen weiter sind in unserem Integrationsverständnis möchte ich meine Schlussworte mit einem deutschen und eigentlich für alle Kulturen passenden Wort zusammenfassen: „Ohne Fleiß, kein Preis.“

Der heutige Preis ist eine Gemeinschaftsleistung mit zielstrebigem Engagement, persönlichem Einsatz und Idealismus verdient. Ihnen allen möchte ich ganz herzlich danken. Herzlichen Glückwunsch und Vergelt`s Gott für Ihr hoffentlich weiteres integrieren in unserer Stadt.

Und natürlich ein herzlicher Dank an den AWO-Bezirksverband Oberbayern und mit Gedenken an Inge-Gabert.

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Wenn einem die Worte fehlen


Freuen sich über den Preis (von links): Hans-Georg Frühschütz (Erziehungsberatung), Gabi Hoffmann (Schulsozialarbeit), Ute Frohwein-Sendl (Jugendsozialarbeit), Regina Beier (früher AWO-Kindergarten), Nermina Idriz (Islamische Gemeinde Penzberg), Ursula Karnbaum (Prandl-Grundschule), die mit anderen die Arbeitsgruppe Integration bilden. Foto: wos

Der „Arbeitskreis Integration" in Penzberg erhält den Inge-Gabert-Preis 2010.

Das teilt der AWO-Bezirksverband mit. Der Preis wird dem Penzberger Arbeitskreis, der aus Vertretern sozialer Einrichtungen, Kindergärten und Schulen besteht, Ende nächster Woche überreicht. Der AWO-Bezirksverband verleiht ihn seit 1995 alle zwei Jahre für beispielhaftes soziales Engagement. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.
Der „Arbeitskreis Integration“ arbeitet in Penzberg seit einigen Jahren eher im Verborgenen. Er hat zum Beispiel Deutschkurse für ausländische Kinder und Erwachsene unterstützt.


Penzberger Integrationskreis: Preis für eine verborgene Blüte

Von Wolfgang Schörner

Penzberg - „Wir hätten nie gedacht, dass wir dafür einen Preis bekommen“, sagt Regina Beier. „Wir fühlen uns geehrt.“ Die frühere Leiterin des AWO-Kindergartens gehört zur Arbeitsgruppe Integration. Am Freitag zeichnet der AWO-Bezirksverband die Gruppe mit dem Inge-Gabert-Preis aus.
Geschmeichelt fühlen sich die Integrationsförderer, die in Penzberg selten an die Öffentlichkeit treten. „Wir blühen im Verborgenen“, sagt Regina Beier schmunzelnd. Vor sieben Jahren war sie so etwas wie der Motor, um die Gruppe ins Leben zu rufen. „Der Preis kommt zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Nermina Idriz von der islamischen Gemeinde. Es sei in den Jahren immer schwierig gewesen, an Geld für Kurse zu kommen. „Oder sich wieder neu zu motivieren“, fügt Erziehungsberater Hans-Georg Frühschütz an.
Sie alle treffen sich regelmäßig, um zu besprechen, wie die Integration in Penzberg vorangebracht werden kann. Dabei bringen sie die Erfahrung aus ihren Berufen mit, in denen sie alle etwas mit jungen Menschen zu tun haben. Und immer geht es um die deutsche Sprache: Nur wer sie beherrscht, wem die Worte nicht fehlen, der kann sich integrieren und hat gleiche Chancen – das gilt vor allem für Kinder, aber auch für deren Eltern. Deshalb initiierte die Gruppe schon Sprachkurse, als sich der Staat noch vornehm zurückhielt.
Wenige Tage vor der Preisverleihung sitzen sechs der zwölf Mitglieder beisammen, um zurückzublicken. Lieber richten sie aber den Blick nach vorne. Wenige Minuten vergehen, da entspinnt sich eine Diskussion über neue Ideen. Wie kann bei ausländischen Müttern die Hemmschwelle gesenkt werden, damit sie in einen Deutschkurs oder zu einem Elternabend gehen? Macht ein Erlebnistag für Kinder und Eltern Sinn? Hilft ein jährliches Nachbarschaftstreffen? „Es ist für uns wichtig, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu finden“, sagt Sozialarbeiterin Ute Frohwein-Sendl, die auch Vorsitzende der Penzberger AWO ist.
Dabei will sie die Integration nicht nur auf ausländische Kinder und Eltern eingeengt sehen. Ute Frohwein-Sendl kommen bei dem Thema ebenso bildungsferne Familien und behinderte Menschen in den Sinn. Es gebe auch deutsche Kinder, die Sprachprobleme haben, sagt Grundschulleiterin Ursula Karnbaum. Für diese Kinder müsse es ebenfalls Kurse geben.
„Mehr Gleichberechtigung und mehr Chancengleichheit“ – das wäre das Ziel und ein Wunsch von Schulsozialarbeiterin Gabi Hoffmann. „Vorurteile auf beiden Seiten abbauen“, fügt Regina Beier an. Im Grunde wäre man am Ziel, wenn es keine Arbeitsgruppe Integration mehr bräuchte, sagt Nermina Idriz.

„Wir sind in Penzberg gut vorangekommen“, bilanziert Regina Beier und schickt ein langgedehntes „Aber“ hinterher: „Es gibt sicher noch einiges, das man vorwärtsschieben kann.“ Rektorin Karnbaum glaubt, dass es noch ein sehr weiter Weg ist. Eine Integrationsaufgabe, sagt sie, sei es auch, sich um gesellschaftlich Benachteiligte zu kümmern. Sozialarbeiterin Hoffmann sieht in Penzberg dennoch „immer mehr Leute, die bereit sind, den Weg zu Ende zu gehen, egal wie schwierig er ist“. Als Beispiel nennt sie die Bereitschaft, sich kennenlernen zu wollen – beim Café International oder beim Fest der Kulturen. Beides dient ebenfalls der Integration. Die Arbeitsgruppe, sagt Ursula Karnbaum, ist da nur ein Steinchen im Mosaik.

Seit März 2003 gibt es in Penzberg die Arbeitsgruppe Integration. Sie besteht aus Vertretern sozialer Einrichtungen in Penzberg: psychologische Beratungsstelle (Erziehungsberatung), islamische Gemeinde, städtischer Kindergarten, AWO-Kindergarten, Bürgermeister-Prandl-Grund- und Hauptschule, Frühförderstelle, sonderpädagogisches Förderzentrum, Jugendsozialarbeit an der Hauptschule und Schulsozialarbeit an der Grundschule. Seit Januar 2009 gibt es eine Kooperation mit dem AWO-Ortsverein.
Vorrangiges Ziel ist, die soziale Integration ausländischer Mitbürger zu unterstützen. Alle Bürger und Bürgerinnen Penzbergs, so der Wunsch, sollten Verantwortung übernehmen und sich aktiv an der Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens beteiligen, um vor allem heranwachsenden Kindern eine positive Perspektive zu ermöglichen. In der Arbeitsgruppe werden regelmäßig Ideen ausgetauscht. Schwerpunkt ist die Verbesserung der Sprachkompetenz der Kinder und Frauen mit Migrationshintergrund.
Bisherige Aktivitäten sind zum Beispiel verschiedene Deutschkurse für Kinder und Mütter, Elterntraining für ausländische Eltern, Finanzierung einer Betreuungskraft für Kinder während der Integrationskurse, Fördermaterial und Literatur, Informationen über Angebote in Sportvereinen.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/penzberger-integrationskreis-preis-eine-verborgene-bluete-813769.html

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Der Inge-Gabert-Preis

Bereits 1995 wurde der Preis zum Gedenken an das soziale Lebens- und Arbeitswerk der 1994 verstorbenen Inge Gabert eingerichtet. Inge Gabert war jahrzehntelang als Vorstandsmitglied der AWO in München und nachfolgend auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene ehrenamtlich tätig.

Alle zwei Jahre wird im Rahmen eines Festaktes der Inge-Gabert-Preis in Höhe von 5.000 € verliehen. Die Preisträger erhalten zudem eine Urkunde. Diese Zuwendung kann auf mehrere Personen aufgeteilt werden. Durch den Inge-Gabert-Preis werden innovative, soziale Projekte und Aktivitäten des bürgerschaftlichen Engagements, insbesondere in der Frauenarbeit, Kinder- und/oder Jugendhilfe, gewürdigt.

Nominierung der Preisträger
Nur Vertreter der AWO-Gliederungen (Kreisverbände und Ortsvereine) sowie der Vorstand des AWO Bezirksverbandes sind berechtigt, Vorschläge einzureichen. Eine Nominierung ist in jedem Einzelfall entsprechend zu begründen.

Auswahl der Preisträger
Der Fachausschuss Mitgliederorganisation und der Vorstand der Stiftung „AWO Ehrenamt lohnt“ prüfen die eingereichten Vorschläge. Anschließend geben sie eine Empfehlung an den Stiftungsrat „AWO Ehrenamt lohnt“. Die letztendliche Entscheidung, wem der Inge-Gabert-Preis zugesprochen wird, trifft der AWO-Bezirksvorstand.

Die Finanzierung
Damit auch in Zukunft das Andenken an Inge Gabert und ihr großes soziales Engagement gewahrt bleibt und der Inge-Gabert-Preis weiterhin verliehen werden kann, erfolgt die Dotierung aus zweckgebundenen Mitteln der Stiftung „AWO Ehrenamt lohnt“.


http://www.awo-ehrenamt-lohnt.de/p-ingegabert.html